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Kommentar : Trump, der Fremde

Wirklich nervig, diese Typen aus Europa. So ähnlich mag Trump den Gipfel von Taormina empfunden haben, wo er kein einziges Mal golfen durfte. Bild: AP

Den Europäern sollte nach dieser Woche klar sein, dass sie ihre Werte und Interessen unabhängig von Amerika vertreten müssen. Auf diesen amerikanischen Präsidenten kann man sich nicht verlassen.

          Donald Trump war neun Tage auf Reisen: Saudi-Arabien, Israel, Europa. Die Bilanz, ganz kurz, im Twitter-Jargon des Präsidenten: great, amazing, bad. Großartig waren die Saudis, kaufen Waffen bis zum Abwinken und tanzen mit Säbeln. Wundervoll auch die Israelis, echte Freunde, und eine tolle Holocaust-Gedenkstätte. Der Papst, na ja, geht so. Immerhin ein prächtiger Palast, schöne Gewänder, doch alles sehr steif. Wirklich nervig dann diese Typen aus Europa. Reden den ganzen Tag über Welthandel, Klimaschutz und Flüchtlinge, zahlen aber ihre Rechnungen nicht. An erster Stelle natürlich die Deutschen – echt übel.

          So ähnlich mag Trump diese erste Auslandsreise als Präsident empfunden haben, bei der er kein einziges Mal golfen durfte. Im goldglitzernden vollklimatisierten Saudi-Arabien konnte er sich immerhin wie daheim im Trump Tower fühlen. Sein Geschmack, sein Gespür für Geschäfte, sein Sinn für Familie. Und überall sein Porträt an den Wänden. In Europa bejubelte ihn niemand. Stattdessen Ermahnungen, gequälte Gesichter, endlose Arbeitssitzungen. Eine fremde Welt. Die einzige Gemeinsamkeit: Die anderen fanden ihn auch seltsam.

          Über Trumps Vorgänger Obama hieß es anfangs, er habe keinen Sinn für Europa, er werde der erste pazifische Präsident der Vereinigten Staaten sein. Das war voreilig: Nur weil Obama auf Hawaii zur Welt kam und China als Herausforderung betrachtete, kehrte er der Alten Welt nicht den Rücken. Er wurde dort respektiert, anfangs sogar gefeiert, und er bekannte sich zu denselben Werten. Er nahm Amerikas Führungsanspruch etwas zurück, aber nach der russischen Invasion auf der Krim und im Osten der Ukraine stand er den Nato-Partnern mit Panzern und Soldaten bei. Als Obama diese Woche auf dem Evangelischen Kirchentag in Berlin redete, sprach er vielen Europäern aus dem Herzen: klug, abgewogen, weltoffen.

          Wie fremd wirkte im Vergleich dazu sein Nachfolger! Trump sah alle Themen durch eine winzige amerikanische Brille, er repräsentierte nicht die Vielfalt seines großartigen Landes, sondern die Einfalt einer wütenden Wählerschaft. Weltprobleme wie Migration und Klimaschutz interessierten ihn allein unter dem Gesichtspunkt, was sie für amerikanische Jobs bedeuten. Gemeinsame Werte – was kostet das? Hat sich jemals ein amerikanischer Präsident so aufgeblasen und dabei doch so klein gemacht? Dazu das rüpelhafte Auftreten. Es ist keine Petitesse, wenn er den montenegrinischen Ministerpräsidenten mal eben aus dem Weg rempelt, nur weil er in der ersten Reihe stehen will. Es ist Ausdruck von Respektlosigkeit gegenüber Verbündeten; Montenegro ist das 29. Mitglied der Allianz.

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          Trumps Auftritt im neuen Nato-Hauptquartier war der politische Tiefpunkt dieser Woche. Die Verbündeten hatten ihm eine goldene Brücke gebaut – in Form eines Mahnmals, ein Stahlträger des eingestürzten World Trade Centers. Die Erinnerung an 9/11, das auch für die Nato eine Zäsur war: Zum ersten und einzigen Mal in ihrer Geschichte erklärte sie den Bündnisfall. Ein Akt der Solidarität war das, untermauert mit Zehntausenden Soldaten in Afghanistan – 1100 Europäer ließen dort ihr Leben. Es wäre ein Leichtes für Trump gewesen, sich an diesem Ort zur Allianz und zur Beistandspflicht zu bekennen.

          Thomas Gutschker

          Redakteur im Ressort Politik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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