http://www.faz.net/-gpf-8y5u8

Jared Kushner : Vom Alleskönner zum Problemfall?

  • -Aktualisiert am

Minister für Alles: Jared Kushner mit seiner Frau Ivanka Trump auf dem römischen Flughafen Fiumicino. Bild: AFP

Auf Donald Trumps erster Auslandsreise ist Schwiegersohn Kushner allgegenwärtig, in Washington gerät er zunehmend unter Druck. Ist er nach Michael Flynn gar der nächste enge Mitarbeiter des Präsidenten, der wegen seiner Russland-Kontakte den Job verliert?

          Person of interest“ – das ist nicht nur der Titel einer mäßig erfolgreichen amerikanischen Fernsehserie, sondern auch ein Begriff, der derzeit in der öffentlichen Diskussion in den Vereinigten Staaten sehr häufig benutzt wird. Das FBI und andere Polizeibehörden benutzen ihn, um Menschen zu benennen, die – wenn auch nicht zwangsläufig verdächtig – für ihre Ermittlungen von großer Bedeutung sind.

          Wie verschiedene amerikanische Medien bereits am vergangenen Freitag unter Berufung auf Ermittlerkreise berichteten, soll im Zusammenhang mit der Untersuchung einer möglichen Zusammenarbeit zwischen Donald Trumps Wahlkampfteam und Russland nun auch ein führender Berater des Präsidenten zur eben einer solchen „person of interest“ erklärt worden sein. Seitdem mutmaßt halb Washington, wer diese Person sein könnte. Heißester Tipp: Jared Kushner, Trumps mächtiger Schwiegersohn.

          Der Verdacht liegt nahe, denn auch die in der Sache ermittelnden Ausschüsse von Senat und Repräsentantenhaus interessieren sich seit geraumer Zeit für die Machenschaften des 36-jährigen Ehemannes von Präsidententochter Ivanka. Besonders im Fokus: Kushners Treffen mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak im Dezember vergangenen Jahres, nach Trumps Wahl, jedoch noch deutlich vor dessen Inauguration.

          Treffen mit Russen geheimgehalten

          Warum, so fragen sich nicht nur kritische demokratische Abgeordnete, versuchte Kushner, der im Weißen Haus die Berufsbezeichnung „Senior Adviser“ (Chefberater) trägt, die Zusammenkunft mit Kisljak lange geheim zu halten? Auch über ein ebenfalls im Dezember erfolgtes Treffen mit Sergej Gorkow, dem Chef der staatlichen russischen Bank für Außenwirtschaft (VEB), gegen die die Vereinigten Staaten 2014 wegen des Ukraine-Konflikts Sanktionen verhängt hatten, schwieg Trumps Schwiegersohn zunächst.

          Hat Kushner mit den Russen auch über die mögliche Aufhebung amerikanischer Sanktionen gesprochen? Michael Flynn, Mitte Februar von Trump aus dem Amt des Nationalen Sicherheitsberaters gedrängt, war genau dieses Thema zum Verhängnis geworden.

          Überhaupt soll Kushner inhaltlich sehr eng mit Flynn zusammengearbeitet haben. Dass der ehemalige General immer stärker unter Druck gerät, ist daher auch für Kushner gefährlich. Sollte sich der neu eingesetzte Sonderermittler Robert Mueller ausführlich mit Trumps Schwiegersohn befassen wollen, könnten auch dessen internationalen Geschäftsbeziehungen noch einmal genau unter die Lupe genommen werden. Obwohl er mit Beginn seines Regierungsjobs zahlreiche Positionen im Firmenimperium seiner Familie aufgab, verfügte Kushner zuletzt noch immer über Beteiligungen in Höhe Hunderter Millionen Dollar.

          Unser Angebot für Erstwähler
          Unser Angebot für Erstwähler

          Lesen Sie 6 Monate die digitalen Ausgaben von F.A.Z. PLUS und F.A.Z. Woche für nur 5 Euro im Monat

          Zum Angebot

          Auch der Präsident, der wegen der fragwürdigen Russland-Kontakte seines Wahlkampfteams, der umstrittenen Entlassung von FBI-Direktor Comey sowie angeblich ausgeplauderter Geheimdienst-Informationen derzeit selbst wieder massiv in der Kritik steht, ist auf eine weiße Weste Kushners angewiesen.

          „Minister für Alles“

          Ob Nahost-Vermittler, China-Beauftragter, Leiter des neuen Büros für amerikanische Innovationen oder Zuständiger für verschiedene Verwaltungsreformen – kein anderer Mitarbeiter hat in Trumps Administration so viele Hüte auf wie Kushner. Entsprechend lautet denn auch sein Spitzname „Secretary of Everything“ (Minister für Alles). Während der rechte Hardliner Stephen Bannon als Chefstratege in den vergangenen Monaten an Einfluss verlor, wurde der als vergleichsweise liberal geltende Kushner immer wichtiger. Auch Frau Ivanka verfügt inzwischen über ein eigenes Büro im Weißen Haus.

          Auf Trumps erster Auslandsreise wird Kushners Rolle als Top-Berater derzeit mehr als deutlich, weicht er seinem Chef doch so gut wie nie von der Seite. Auch in Zukunft dürfte der Präsident kaum auf seinen Alleskönner verzichten wollen, sind sich viele Beobachter einig. „Wenn Du es nicht schaffst, Jared, dann schafft es keiner“, sagte Trump einst mit Blick auf die Lösung des Nahost-Konflikts.

          Ob das auch in Bezug auf das Überstehen einer möglichen Russland-Affäre gilt, bleibt abzuwarten. Bisher ist Kushner noch kein Problemfall, sondern für die Ermittler nur „person of interest“. Wenn überhaupt.

          Weitere Themen

          Die Debatte zum Brexit Video-Seite öffnen

          Britisches Unterhaus : Die Debatte zum Brexit

          Oppositionsführer Jeremy Corbyn greift Premierministerin Theresa May in Sachen Brexit hart an: Das Parlament hätte die Wahl zwischen einem verpatzten, oder gar keinem Deal.

          Topmeldungen

          Um diese Grenze dreht sich der Streit: Hinweisschild auf eine Zollstation in Nordirland.

          Was der Deal bedeutet : Der Brexit-Kompromiss bindet die Briten an die EU

          Die Briten hätten sich auf Standards eingelassen, hinter die sie nicht mehr zurück könnten, heißt es in Brüssel. Doch rettet der Kompromiss einen geordneten Brexit? Eine wirtschaftliche Einordnung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.