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Gesprächsrunde in New York : Comey im Rampenlicht

  • -Aktualisiert am
Im Blitzlichtgewitter: James Comey

Im Blitzlichtgewitter: James Comey Bild: AFP

James Comey ist auf Werbetour für sein Buch. In New York verrät der ehemalige FBI-Chef, warum er Mitgefühl mit Donald Trump empfindet, in Sachen Hillary Clinton aber alles richtig gemacht habe.

          James Comey ist sichtlich guter Dinge an diesem Donnerstagabend: das „Town Hall“-Theater um die Ecke vom Times Square in New York ist gut gefüllt, die Zuhörer empfangen ihn mit viel Applaus und das Magazin „New Yorker“ nimmt seine erste Live-Radio-Sendung mit ihm auf. Heute soll es keinen Zwischenfall geben wie am Vortag, als eine rechte Aktivistin bei seinem Auftritt in einem Buchladen in Manhattan schrie: „Dich werden sie einsperren!“ Der bekannte Journalist David Remnick, der seine „Radio Hour“ sonst aufzeichnet, ahnt wohl, dass er heute kaum Schlagzeilen machen wird. Zu lange ist Comeys Buch „A Higher Loyalty“ bereits auf dem Markt, zu viele Interviews hat der von Trump gefeuerte Ex-FBI-Chef dazu gegeben.

          Remnick, der mit Comey an einem kleinen runden Tisch in der Mitte der Bühne sitzt, bemüht sich dennoch redlich, ihn aus der Reserve zu locken. Was für Infos hat der Geschasste noch über Donald Trump und die Russland-Ermittlungen? Glaubt er, dass Sonderermittler Robert Mueller Trump Justizbehinderung nachweisen kann? „Ich habe keine Meinung dazu anzubieten“, sagt Comey mehrfach. „Ich sehe, Sie haben das schonmal gemacht“, witzelt der Interviewer. Trotz der laufenden Ermittlungen würde er gern mehr aus Comey herauskitzeln – stattdessen geht der Blick in die Vergangenheit, wie in dessen Buch.

          Der Umgang des FBI mit Hillary Clinton kurz vor der Wahl 2016 ist ein wunder Punkt für viele Demokraten im Land. Comey verkündete damals, dass Clinton durch die Nutzung ihres privaten E-Mail-Servers als Außenministerin extrem nachlässig gehandelt habe. Mehrfach fragt Remnick, ob es nicht eine Alternative gegeben hätte. Hätte der damalige FBI-Direktor die Vorwürfe gegen Hillary Clinton deutlicher für erledigt erklären sollen? Und wäre alles anders gekommen, wenn er nicht kurz vorm Wahltag verkündet hätte, dass gegen Clinton doch wieder ermittelt wurde? Comey lässt sich nicht beirren: „Ich hatte zwei Türen, durch die ich gehen konnte: die Amerikaner ehrlich aufklären oder alles unter dem Deckel halten. Die Menschen hatten ein Recht auf vollständige Information.“

          Comey steht dazu, dass er Clintons Umgang mit ihrem E-Mail-Server als fahrlässig bezeichnete – das war zwar unterhalb der Strafbarkeit, aber dennoch ein deutliches Urteil, das er auch heute noch für richtig halte. „Schlampig, einfach schlampig“ sei Clintons Mailnutzung gewesen, bekräftigt Comey. Als Clinton-Mails auf dem Rechner von Anthony Weiner auftauchten, der mit Clinton-Mitarbeiterin Huma Abedin verheiratet war, habe er nicht verschweigen wollen, dass die Ermittlungen wieder aufgenommen wurden. Zu groß sei die Gefahr gewesen, dass das später auf das FBI und das Justizministerium zurückfalle.

          Ob Comey sich nun schuldig fühle, weil Clinton vielleicht gewonnen hätte, wenn er seine Worte anders gewählt oder die Ankündigung weiterer Ermittlungen aufgeschoben hätte, will Remnick wissen. „Nicht schuldig, aber es ist sehr schmerzhaft“, sagt Comey. Er gibt sich locker an diesem Abend, scherzt mit dem Interviewer und gibt Beobachtungen über Donald Trump zum Besten. Der Präsident lache selten, habe Comey festgestellt. „Zum Lachen braucht man eine Mischung aus einem gewissen Selbstvertrauen und Bescheidenheit, denn da macht man sich verletzlich“, sinnert der ehemalige Chef des FBI. Für Trump empfinde er weder Hass noch Zuneigung, aber doch „ein gewisses Mitgefühl“. Da sei diese Leere in dem Mann, meint er – „eine Suche nach Selbstbestätigung ohne äußere Grenzen, wie ich sie noch nie bei einem erwachsenen Menschen beobachtet habe.“ Dem Publikum gefällt es – jeder Seitenhieb gegen Trump wird mit Applaus und Lachen quittiert. Die Ordner im Saal haben es längst aufgegeben, den Leuten das Fotografieren zu verbieten – viele Zuschauer halten immer wieder die Handys hoch, es wird getrunken und gegessen wie im Kino. Schließlich haben manche hier um die 100 Dollar für ein Ticket bezahlt, da lässt man sich ungern etwas verbieten.

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