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Massaker in Pittsburgh : Ins Herz der jüdischen Gemeinde

Trauer in Pittsburgh: 40 Prozent der Bevölkerung des Viertels sind Juden Bild: Reuters

Ein Rechtsextremist erschoss in einer Synagoge in Pittsburgh elf Menschen. Präsident Trump bekundete Trauer – und setzte die Wahlkampftour fort. Dabei kann er die gewaltbereite Szene eigentlich nicht mehr ignorieren.

          Im „Tree of Life“-Tempel in Pittsburgh feierten drei Gemeinden am Samstagmorgen den Schabbat-Gottesdienst, eine von ihnen zudem die Namensgebung eines Neugeborenen. Die Synagoge ist das Herz von Squirrel Hill, des jüdischen Stadtteils der Industriestadt in Pennsylvania. 40 Prozent der Bevölkerung des Viertels sind hier Juden. Es gibt koschere Bäckereien und Metzger. Zudem verfügt die Gemeinde über drei Schulen. Das jüdische Leben in dem ethnisch inzwischen gemischten Viertel ist so selbstverständlich, dass es kein Sicherheitspersonal in der Synagoge gibt, deren größter Saal an hohen Feiertagen 1200 Gemeindemitgliedern Platz gibt.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Um 9.45 Uhr betrat Robert B. das jüdische Gebetshaus – bewaffnet mit einem halbautomatischen Sturmgewehr und drei Handfeuerwaffen. Der 46 Jahre alte, weiße Mann rief antisemitische Parolen, eröffnete das Feuer, tötete elf Gläubige und verletzte zwei. Als kurz darauf die Polizei eintraf, begann außerhalb der Synagoge ein Feuergefecht, bei dem vier Beamte angeschossen wurden. Der Beschuldigte, der sich danach in der Synagoge verschanzte, wurde am Ende selbst getroffen und in ein Krankenhaus gebracht. Es handelt sich um den blutigsten Anschlag eines mutmaßlichen Einzeltäters gegen die jüdische Gemeinde Amerikas.

          In dem von „White Supremacists“, amerikanischen Rechtsextremen, genutzten sozialen Netzwerk „Gab“ hatte B. kurz zuvor eine letzte Nachricht hinterlassen, die sich gezielt gegen die jüdische Flüchtlingsorganisation Hias wandte. Die „Hebrew Immigrant Aid Society“ half einst osteuropäischen Juden bei der Einreise nach Amerika und setzt sich heute für Flüchtlinge jeglicher Herkunft ein. „Hias gefällt es, Eindringlinge ins Land zu holen, die unsere Leute töten. Ich kann hier nicht rumsitzen und zusehen, wie mein Volk abgeschlachtet wird“, schrieb B. und kündigte an: „Ich gehe da jetzt rein“.

          B. hatte das Netzwerk häufig genutzt. Auf seinem Konto, das am Samstag gesperrt wurde, fanden sich zahlreiche antisemitische Einträge: „Juden sind die Kinder Satans“ und Ähnliches. Ein Anhänger des amerikanischen Präsidenten ist B. nicht. Nach einer Wahlkampfkundgebung Donald Trumps in der vergangenen Woche in Houston, auf der dieser sich einen Nationalisten nannte, postete B.: „Trump ist ein Globalist, kein Nationalist.“ Offenbar wirft er ihm vor, eine Sache nach seinem Amtsantritt nicht behoben zu haben: Washington sei immer noch „zionistisch besetzt“. Und: Es gebe kein „MAGA“ (Make America great again), solange es einen jüdischen „Befall“ gebe. Trump hat mehrere Mitarbeiter jüdischen Glaubens; nicht zuletzt seinen Schwiegersohn Jared Kushner und seine Tochter Ivanka, die vor der Hochzeit zum Judentum konvertierte.

          Trump fordert Todesstrafe für Hassverbrechen

          Der Präsident sagte am Samstag zunächst, die Herzen aller Amerikaner seien mit Trauer gefüllt. Sodann rief er seine Landsleute zu Geschlossenheit auf. Alles weitere werde er später sagen, äußerte Trump, der sich dem Weg zu einer Wahlkampfkundgebung in Illinois befand.

          Dort wiederholte er zu Beginn seine Worte der Trauer und seinen Aufruf zur Harmonie. Dann setzte er seine Attacken auf den politischen Gegner fort. In seinem ersten Statement hatte Trump die Todesstrafe für Hassverbrechen dieser Art gefordert und gleichsam als Botschaft für die jüdische Gemeinde von Squirrel Hill gesagt: Hätte es bewaffnetes Wachpersonal gegeben, wäre der Täter womöglich das einzige Opfer gewesen.

          Stunden später wiederholte er abermals seine Trauerbekundung auf Twitter, um dann noch einen Tweet über das Baseballspiel der Dogders gegen die Red Sox abzusetzen, sowie ein Video mit der Bemerkung „Sehr interessant“ zu teilen, in dem es darum geht, dass es unter Demokraten nach dem Wahlsieg Abraham Lincolns 1860 zu Unruhen kam. Eine Absage seiner Wahlkampftour hat Trump offenbar nicht erwogen. Allerdings wurde am Sonntag bekannt, dass er einen Besuch der jüdischen Gemeinde plant. Die Kongresswahlen seien wichtig. Er wolle und werde gewinnen, sagte Trump zur Rechtfertigung. In Squirrel Hill versammelten sich am Samstagabend unterdessen Hunderte Bürger der Stadt, hielten Kerzen und sangen Lieder.

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