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Knappe Wahl in Florida : „Ich mag nicht alles, was er sagt, aber mir gefällt, was er tut“

  • -Aktualisiert am

Jubel in Miami: Ron DeSantis umarmt seine Frau Casey. Bild: AP

In Florida kämpfte der schwarze Andrew Gillum gegen den glühenden Trump-Befürworter Ron DeSantis um den Gouverneursposten – der Sieg des Hardliners hat viel mit der Begeisterung für den Präsidenten zu tun.

          Den ganzen Abend ist es ein knappes Rennen - kann sich ein Demokrat gegen den höchst umstrittenen Ron DeSantis als Gouverneur durchsetzen? Zieht Rick Scott, bisher Gouverneur, als Senator nach Washington? Mal läuft CNN, mal Fox und mal MSNBC: Im „Rathskeller“, auf dem Campus der Universität Miami, will man sich nicht für die eine oder andere Seite festlegen, sondern Republikanern wie Demokraten einen Raum zum Feiern geben.

          Um sieben Uhr abends sind die Wahllokale zu, Grüppchen stehen ums Bier und diskutieren. Gejubelt wird nur ganz vereinzelt, es ist noch früh am Abend. Bald wird klar: Der neue Gouverneur heißt Ron DeSantis. Als 97 Prozent der Stimmen ausgezählt sind, liegt er mit knapp 50 Prozent vor dem Demokraten Andrew Gillum. Da hoffen viele noch, dass der afroamerikanische Bürgermeister von Tallahassee der erste schwarze Gouverneur des Bundesstaates werden kann. Am Ende ist es mit 49,86 zu 48,92 Prozent so knapp, dass manch einer ungläubig auf die Leinwand schaut, hofft, dass sich doch noch was tut.

          Die Republikaner nehmen es gelassen – gewonnen ist gewonnen, sagen sie sich. Olivia, eine junge Lehrerin, die gerade aus North Carolina zugezogen ist, hat gute Laune. Sie stößt mit ihrem Freund an, dunkles Bier. Olivia hat schon immer republikanisch gewählt und war deswegen für Ron DeSantis und die anderen Kandidaten aus der Partei. „Ich bin auch einfach als Republikanerin erzogen worden, das sind die Werte, an die ich glaube“, erzählt sie. Lehrer seien in den Vereinigten Staaten unterbezahlt. „Unser Gehalt ist sowieso viel zu niedrig, da müssen die Steuern gesenkt werden.“ Mit den Republikanern sei das eher möglich, meint Olivia. Donald Trumps Politik findet sie richtig.

          Roberto ist nicht unzufrieden an diesem Abend. Er ist 79, Ingenieur und ursprünglich aus Puerto Rico. „Ich bin für die Republikaner. Was ich weiß, ist, dass es dem Land gut geht und dass die Leute Jobs haben, gerade die Latinos. Und das will ich, ich will, dass unsere Leute Geld mit Arbeit verdienen und nicht vom Staat leben, und das geht am besten, wenn die Steuern niedrig sind.“ Roberto sagt zwei Dinge, die man von Wählern der Republikaner dieser Tage immer wieder hört: „Donald Trump managt das Land gut. Und: ich mag nicht alles, was er sagt, aber mir gefällt, was er tut.“ Er gehe davonaus, dass auch Ron DeSantis und die anderen republikanischen Kandidaten in erster Linie das seien, was er von einem Politiker erwarte: gute Manager, die sich aber so weit wie möglich aus den Angelegenheiten der Bürger heraushalten.

          Im „Gaythering Hotel” in South Beach haben die Demokraten zum Feiern geladen. Die Gefühle sind gemischt. Immerhin, die Mehrheit im Abgeordnetenhaus ist da, soviel ist früh klar an diesem Abend. Als ein Kommentator im Fernsehen sagt, nun könnten die Demokraten Donald Trumps Steuererklärunganfordern und die Partei werde die Republikaner jetzt besser kontrollieren können, gibt es verhaltenen Beifall. Aber hier sind viele traurig.

          Natürlich drückt die knappe Niederlage des Demokraten Andrew Gillum die Stimmung. „All diese Ressourcen, die Manpower, die Begeisterung, die in die Kampagne geflossen sind, es ist ernüchternd,“ sagt Andrew, ein 42 Jahre alter Lehrer aus Orlando. „Mich hat der Wahlkampf von Gillum sehr inspiriert,“ erzählt Andre Ward, ein Medizinstudent. „Mir sind Themen wie Waffenrecht und Gesundheitsversorgung einfach sehr wichtig und da kann man nur demokratisch wählen.“ Ein junger Mann hat Tränen in den Augen, als Gillum in Tallahassee vor seine Anhänger tritt und sagt: „Wir müssen nach wie vor bereit sein, jeden einzelnen Tag aufzutauchen und unseren Platz am Tisch einzufordern. Ich glaube immer noch daran und vertraue den Wählern. Ich glaube immer noch, dass es unter uns mehr Menschen gibt, die an das glauben, was anständig und richtig ist.“ Der Stimmung hilft es auch nicht, dass die Demokraten in Miami einen wichtigen Erfolg erzielt haben: Mit Donna Shalala zieht die ehemalige Präsidentin der Universität Miami ins Abgeordnetenhaus ein. Sie war von 1993 bis 2001 Gesundheitsministerin unter Präsident Bill Clinton.

          Manche Partybesucher packen schon früh zusammen. Es leert sich, aber wenigstens hat die Partei ein wenig Geld für die lokale Foodbank gesammelt an diesem Abend. Draußen auf der Terrasse wird noch diskutiert. Viele hier haben mitgeholfen im Wahlkampf, sind von Tür zu Tür gelaufen und haben „Phonebanking“ gemacht, also den ganzen Tag Leute angerufen, um sie für die Demokraten zu begeistern. Nun sind manche erschöpft, andere ratlos, was die Zukunft angeht.

          Gabriella Rodriguez ist 24 und arbeitet als Marketing-Fachfrau. „Es ist eine große Niederlage. Besonders wir jungen Leute hatten gehofft, dass wir unseren ersten afroamerikanischen Gouverneur bekommen. Und es war sehr knapp,“ sagt sie. „Jetzt müssen wir optimistisch bleiben.“ Andrea Corduroy, eine 27 Jahre alte Medizinstudentin, ist ernüchterter. Sie ist zu Besuch aus Texas und auch dort hat der Hoffnungsträger der Demokraten, Beto O'Rourke, es nicht geschafft. Ted Cruz bleibt im Senat. Und das nicht trotz, sondern wegen der scharfen Rhetorik der Republikaner gegen Einwanderer, glaubt Andrea. „Rassismus spielt eine große Rolle in diesem Land. Es ist leider so, dass viele Leute so wählen, weil das einfach ihre Einstellung ist.“

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