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Historiker Tim Naftali : „Trump scheint nicht interessiert, aus der Vergangenheit zu lernen“

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Damals noch der künftige Präsident Amerikas: Donald Trump und seine Frau Melania am Lincoln Memorial in Washington am Vorabend der offiziellen Amtseinführung. Bild: dpa

Erst Bannon, nun Gorka: Trump scheint sich von seinen rechten Ideologen zu trennen. Der Historiker Tim Naftali erklärt, warum sich aber kein Pragmatismus durchsetzen wird – und welchen Vorgänger sich Trump zum Vorbild nehmen sollte.

          Nach den rassistischen Protesten in Charlottesville dauerte es zwei Tage, bis Donald Trump den Aufmarsch der Rechtsextremisten verurteilte – nur um das Ausmaß der Auseinandersetzung einen Tag später wieder zu relativieren. Es war nicht das erste Mal, dass er am äußeren rechten Rand um Wählergunst warb. Auch bei seiner Rede in Phoenix verteidigte der Präsident noch einmal sein zögerliches Verhalten, die Ausschreitungen der Neonazis erst Tage später zu verurteilen.

          Warum Trump damit eine historische Chance vertan hat, das Land zu einen, und wie schwer es andere Präsidenten vor ihm hatten, erklärt der Historiker Tim Naftali im Gespräch. Der Harvard-Absolvent und gebürtige Kanadier unterrichtet an der New York University, bis 2011 war er Direktor der Richard Nixon Presidential Library and Museum, wo er die moderne Einordnung des Watergate-Skandals vorangetrieben hat.

          Mr. Naftali, hat es Sie überrascht, dass Donald Trump nach den Ausschreitungen in Charlottesville keine versöhnlichen Worte fand?

          Jeder Präsident hat nach seiner Wahl zwei Optionen: Er kann sich als Präsident der Menschen geben, die ihn gewählt haben. Oder er öffnet sich für die übrige Wählerschaft und versucht so, Brücken zu bauen zwischen seinen Nichtwählern. Donald Trump ist kein Karrierepolitiker, er kommt im Grunde weder aus dem republikanischen, noch aus dem demokratischen Lager. Vor der Wahl war er mit keiner Partei fest assoziiert. Wenn jemand die Möglichkeit hätte, mehrere Seiten zusammenzubringen, dann wäre das eigentlich ein Außenseiter-Kandidat wie er.

          Sonderlich viel Mühe hat er sich bislang nicht gegeben.

          Sie brauchen sich bloß noch einmal seine Wortwahl kurz nach der Vereidigung anschauen. Dann werden Sie schnell feststellen, dass bei ihm anscheinend sehr wenig Interesse besteht, Brücken zu bauen. Der Ton war beinah identisch zu seiner aufgeladenen, verbitterten Rede auf dem Parteitag im Juli 2016 in Cleveland, nachdem die Republikaner ihn als Präsidentschaftskandidaten nominiert hatten.

          Erst hat er die Ausschreitungen in Charlottesville verurteilt, dann aber die Gegendemonstranten mitverantwortlich gemacht. Das hat ihm viel Kritik eingebracht.

          In der Vergangenheit hat er immer reflexartig auf diese Aussagen reagiert. „Er gibt sich nicht präsidial genug, das ist des Amtes nicht würdig“, hieß es dann hier und da. Nach Charlottesville kann man sagen, dass er offensichtlich nicht damit klarkommt, diese Rolle des Mittlers auszufüllen.

          Präsidenten vergleichen sich gern mit ihren Vorgängern. Fällt Ihnen jemand ein, der Donald Trump in seiner Art am nächsten kommt?

          Ich weiß nicht, ob uns damit geholfen ist, Persönlichkeiten zu vergleichen. Alle seine Vorgänger hatten entweder Erfahrung in öffentlichen Ämtern oder, wie Eisenhower, eine militärische Karriere hinter sich, bevor sie ins Weiße Haus gewählt wurden. Trump fehlt diese Erfahrung durch und durch. Politisch kann ich Ihnen sagen, dass Trumps Unwille, seine Wählerschaft auch nur ein kleines bisschen zu erweitern, definitiv relativ einzigartig ist.  

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