http://www.faz.net/-gpf-8zg09

Trump trifft Putin : Kennenlernen in aufgeheizter Atmosphäre

  • Aktualisiert am

So harmonisch wird das erste Treffen zwischen Putin und Trump wohl nicht werden – das Wandgemälde im litauischen Vilnius spielt auf den Bruderkuss zwischen Honecker und Breschnew 1979 an. Bild: dpa

Am Freitag treffen Donald Trump und Wladimir Putin zum ersten Mal aufeinander. Die Beziehungen beider Länder sind auf einem Tiefpunkt. Vor allem für Trump wird die Begegnung zu einem Balanceakt.

          Das mit Spannung erwartete erste Treffen von Kremlchef Wladimir Putin und dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump soll nach Angaben aus Moskau am kommenden Freitag stattfinden. Das kündigte Kremlberater Juri Uschakow am Dienstag der Agentur Interfax zufolge an. Details waren zunächst nicht bekannt. Putin und Trump werden am Wochenende zum G-20-Gipfel in Hamburg erwartet.

          Die Beziehungen zwischen Moskau und Washington sind wegen zahlreicher Streitthemen extrem angespannt – nicht nur wegen der Konflikte in der Ukraine und Syrien, sondern vor allem auch wegen des Skandals um die mutmaßlichen russischen Einmischungen in den amerikanischen Wahlkampf.

          Die Lobhudeleien sind ausgeklungen

          Im Wahlkampf war Trump noch voll des Lobes für den russischen Staatschef gewesen. Er pries Putin als große Führungspersönlichkeit, die „sehr starke Kontrolle“ über ihr Land ausübe. Und er stellte in Aussicht, dass er „sehr, sehr gut“ mit Putin klarkommen würde. Der russische Präsident wiederum rühmte Trump als „sehr kluge, talentierte Person“.

          Seit Trumps Wahlsieg haben sich beide allerdings mit Lobhudeleien zurückgehalten. Angesichts des Verdachts, Mitarbeiter seines Wahlkampfteams könnten mit russischen Regierungsmitarbeitern gekungelt haben, sind allzu freundliche Gesten gegenüber Moskau für den amerikanischen Präsidenten inzwischen extrem heikel geworden. Bei Putin wiederum herrscht Ernüchterung darüber, dass Trump den angekündigten Annäherungskurs bislang nicht eingeschlagen hat.

          Das Verhältnis zwischen Washington und Moskau ist damit so schlecht wie seit langem nicht mehr. Am Anfang der jahrelangen Abwärtsentwicklung standen – noch zur Amtszeit von Trumps Vorgänger Barack Obama – die russischen Interventionen in der Ukraine und der russische Beistand für Syriens Machthaber Baschar al Assad im syrischen Bürgerkrieg.

          Trump hat bislang nichts dafür getan, die Spannungen zu entschärfen. Im Gegenteil: Die Russland-Sanktionen hat er zuletzt sogar noch etwas ausgeweitet. Und er provozierte Putin mit einem Raketenangriff auf die syrische Luftwaffe – Obama hatte direkte Militäreinsätze gegen Assads Truppen vermieden.

          Trump unter enormem Druck

          Zudem hat sich die Affäre um die mutmaßlichen russischen Cyber-Angriffe zugunsten Trumps im Wahlkampf zu einem Hindernis für einen Neustart entwickelt. Denn Trumps Umgang mit Russland steht unter misstrauischer Beobachtung vieler amerikanischer Medien sowie von Teilen seiner republikanischen Partei.

          Die heftige Kritik, die Trump nach seiner offenkundig überaus freundlichen Begegnung mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow und Botschafter Sergej Kisljak im Oval Office entgegenschlug, weist darauf hin, auf welch dünnem Eis er sich auch beim G-20-Gipfel in Hamburg bewegen wird.

          Heikel ist die Begegnung mit Putin für Trump auch insofern, als er unter enormem innenpolitischen Druck steht, die mutmaßlichen russischen Hackerangriffe im amerikanischen Wahlkampf anzusprechen. Tut er dies nicht, setzt er sich der Kritik aus, in seiner Rolle als Hüter der nationalen Interessen zu versagen.

          Allerdings hat Trump bislang keinerlei Neigung gezeigt, das Thema zu seiner Priorität zu machen. Er hat sogar immer wieder versucht, Zweifel daran zu säen, dass die Hackerangriffe gegen die Wahlkampagne seiner Rivalin Hillary Clinton von Russland ausgingen.

          Kreml: Treffen „entscheidend für die internationale Stabilität“

          Sind konkrete Ergebnisse bei dem Treffen zu erwarten? Eher nicht. Die Zeit ist knapp, und das persönliche Kennenlernen wird im Vordergrund stehen. Trump wird mit Putin aber wahrscheinlich über eine mögliche Kooperation im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ (IS) und andere islamistisch-extremistische Gruppen sprechen – das Thema hatte er schon im Wahlkampf als mögliches Feld der Zusammenarbeit genannt. Doch eine Annäherung in dieser Frage wird durch den zuletzt verschärften Syrien-Streit erschwert.

          Kreml-Berater Juri Uschakow bezeichnete das Treffen am kommenden Freitag zwar als „entscheidend für die internationale Stabilität und Sicherheit“. Er ließ aber offen, welche Themen Putin in den Mittelpunkt stellen könnte. Der Nationale Sicherheitsberater der Vereinigten Staaten, Herbert Raymond McMaster, sagte, Trump wolle allen „destabilisierenden“ russischen Aktivitäten entgegentreten – was nicht nach einem Signal für einen Neustart in den angeschlagenen Beziehungen klingt.

          Weitere Themen

          Nordkorea versetzt Mike Pence Video-Seite öffnen

          Treffen geplatzt : Nordkorea versetzt Mike Pence

          Eigentlich hätten sich am Rande der Olympischen Spiele in Pyeongchang Vertreter Amerikas mit denen Nordkoreas treffen sollen. Doch die Nordkoreaner ließen den Termin platzen – nach einer unangenehmen amerikanischen Bekanntmachung.

          Kein schärferes Waffenrecht in Florida Video-Seite öffnen

          Entsetzen und Tränen : Kein schärferes Waffenrecht in Florida

          Das Entsetzen ist groß: Das Parlament in Florida stimmt mit 71 Nein- und 36 Ja-Stimmen deutlich gegen ein schärferes Waffengesetz. Trumps Reaktion auf das Massaker an einer High School ist die Einleitung eines Verbots von Dauerfeuer-Vorrichtungen bei Schusswaffen.

          Topmeldungen

          Der saudische Außenminister Adel al-Dschubair

          Streit um Waffenexporte : Saudis wenden sich von Deutschland ab

          Das Königreich reagiert enttäuscht auf die Entscheidung Deutschlands, keine Waffen mehr an Parteien des Jemen-Kriegs zu exportieren. „Wir brauchen eure Rüstungsgüter nicht. Wir werden sie woanders finden“, teilt der Außenminister mit.
          Chinas Versicherer Anbang kommt unter Staatsaufsicht.

          Kontrolle von Anbang : Peking stellt Versicherer unter Staatsaufsicht

          Noch vor einem Jahr sollte die chinesische Anbang die deutsche HSH Nordbank retten. Dann wurde der Konzernchef verhaftet. Nun stellt Chinas Staat das Unternehmen unter Zwangsverwaltung. Braut sich im Reich der Mitte die nächste Finanzkrise zusammen?
          Entschärfte Bombe am Gallus

          Fliegerbombe entschärft : Kartoffelsuppe in der Geisterstadt

          Die Fliegerbombe am Gallus ist erfolgreich entschärft worden. Viele Bewohner werden die Nacht dennoch nicht so schnell vergessen. Streifzug durch ein Viertel im Ausnahmezustand

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.