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Aktualisiert: 11.07.2017, 10:16 Uhr

G-20-Verhandlungsrunde Ist Trump gleich Trump?

Ivanka Trump nahm während des G-20-Gipfels kurzzeitig den Platz ihres Vaters ein. Auf die Kritik daran reagiert der Präsident mit einem Seitenhieb auf eine andere Präsidententochter – deren Konter lässt nicht lange auf sich warten.

© AP Ivanka Trump inmitten der Regierungschefs bei dem G-20-Gipel in Hamburg

Der amerikanische Präsident Donald Trump hat die Entscheidung, seine Tochter Ivanka Trump während des G-20-Treffens am Tisch der Delegierten Platz nehmen zu lassen, verteidigt. Dieser Wechsel „ist Standard“, erklärte er am Montag über den Kurznachrichtendienst Twitter.

© Twitter

Die 35 Jahre alte Ivanka Trump hatte am Samstag zeitweilig am Verhandlungstisch der Staats- und Regierungschefs Platz genommen, um ihren Vater zu vertreten. Sie gilt als enge Vertraute ihres Vaters, hat aber nur den Posten einer Beraterin und kein offizielles Regierungsamt inne.

Merkel reagierte gelassen

In den sozialen Netzwerken sorgte das für Empörung. Twitternutzer fragten etwa: „Was hat Ivanka eigentlich qualifiziert, einfach am Verhandlungstisch mitzudiskutieren? Hätte ich das auch gedurft? Kann das jetzt jeder?“ Oder: „Ich glaube, ich schicke meinen Hund zum nächsten Termin beim Jobcenter. Trump schickt ja auch Ivanka zu den G 20 Gesprächen.“

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Die Sitzungsleiterin, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), hatte auf den Wechsel am Samstag gelassen reagiert: Die Delegationen entschieden selbst darüber, wer ihre jeweiligen Staats- oder Regierungschefs vertrete, sagte sie. Wenn dann Ivanka Trump als Beraterin dort Platz nehme, sei das „ein Vorgang, der im Rahmen dessen ist, was andere Delegationen auch tun“.

Auf diese Reaktion der Kanzlerin ging Trump auch in seiner aktuellen Twitternachricht ein. „Angela M ist einverstanden“, schrieb er, wie um das Vorgehen zu legitimieren. Der amerikanische Präsident nutzte die Gelegenheit auch, um in einem weiteren Tweet abermals gegen die Medien und seine ehemalige Konkurrentin Hillary Clinton zu wettern: Würde Chelsea Clinton gefragt werden, den Sitz ihrer Mutter zu übernehmen, würden die „Fake News“ dies mit einem „Chelsea for Pres!“ – „Chelsea soll Präsidentin werden“ – feiern. Die frühere „First Daughter“ konterte, ebenfalls auf Twitter: „Guten Morgen, Herr Präsident. Es wäre meiner Mutter oder meinem Vater niemals eingefallen, mich zu fragen. Haben Sie unser Land preisgegeben? Ich hoffe nicht.“

© Twitter
© Twitter

Das Weiße Haus hatte sich bereits zuvor bemüht, die Beteiligung Ivankas am Verhandlungstisch zu rechtfertigen. Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte, Ivanka habe sich im Hintergrund des Sitzungssaals der G-20-Staats- und Regierungschefs aufgehalten und habe sich nur „kurz an den Haupttisch gesetzt“, als der Präsident den Raum habe verlassen müssen. Der Regierungsvertreter betonte: „Wenn andere Staats- und Regierungschefs den Raum verließen, wurden sie auch kurzzeitig durch andere am Tisch vertreten.“

Ivanka und ihr Fond

Außerdem sei sie erst zu der Runde hinzugekommen, als der Präsident der Weltbank Jim Yong Kim, über den neu gegründeten Weltbank-Fond für Frauen sprach. Der Fonds unterstützt Frauen in Entwicklungsländern bei der Unternehmensgründung. Ivanka Trump hatte den Aufbau des Fonds unterstützt und dazu bereits im April an einer Veranstaltung mit der Bundeskanzlerin und der Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, in Berlin teilgenommen. In den Medien wird dieser Fond auch als „Ivanka-Fond“ bezeichnet, da sie beim Aufbau des Fonds geholfen hat und sich sehr darum bemüht, Spenden für ihn zu sammeln.

Nicht zuletzt durch die Teilnahme an der G-20-Verhandlungsrunde am Samstag zeigte sich der große Einfluss Ivankas. Sie ist bei vielen offiziellen Terminen an der Seite ihres Vaters zu sehen. Als Merkel im März in Washington erstmals auf Trump traf, saß die Präsidententochter bei einem Gespräch mit Wirtschaftsvertretern neben der Kanzlerin. Während des G-20-Treffens bezeichnete Trump die „First Daughter“, die seit März Beraterin des Präsidenten ist, in seiner kurzen Ansprache als „Champion“. „Sie war immer großartig“, sagte er.

In den Vereinigten Staaten gab es in der Vergangenheit allerdings bereits Kritik an der offenbar großen Machtfülle der Präsidententochter, deren Ehemann Jared Kushner ebenfalls zum engsten Beraterkreis um Trump zählt. Ihre unternehmerischen Tätigkeiten ließen zudem den Verdacht des Interessenkonflikts aufkommen.

Kein Rabatt für Links oder Rechts

Von Reinhard Müller

Das Strafrecht kennt weder rechts noch links; wohl aber Terror und Mord. Schuldig macht sich, wer Gewalt für ein Mittel der Politik hält. Mehr 65 148

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