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Erstes deutsches Interview : Trump: Merkels Flüchtlingspolitik ist ein „katastrophaler Fehler“

  • Aktualisiert am

Rundumschlag gegen Deutschland und Europa: Donald Trump lässt vor allem an der EU kein gutes Haar Bild: AP

Rundumschlag im ersten deutschen Interview: Donald Trump geißelt das Verhalten der Kanzlerin in der Flüchtlingskrise, droht der deutschen Automobilindustrie mit Strafzöllen, wenn sie Autos für Amerika in Mexiko produziert – und will ein paar „gute Deals“ mit Russland machen.

          Der künftige amerikanische Präsident Donald Trump hat in einem Rundumschlag die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel, Deutschland als Teil der EU und die deutschen Autobauer kritisiert. „Ich finde, sie (Merkel) hat einen äußerst katastrophalen Fehler gemacht, und zwar all diese Illegalen ins Land zu lassen“, sagte Trump der „Bild“-Zeitung. Von den Folgen dieser Politik der offenen Grenzen habe Deutschland jüngst einen Eindruck bekommen, fügte er mit Blick auf den Weihnachtsmarkt-Anschlag in Berlin vom 19. Dezember hinzu.

          Statt Flüchtlinge ins Land zu lassen, hätte sich Deutschland stärker für Sicherheitszonen etwa in Syrien stark machen sollen, sagte Trump. „Die Golfstaaten hätten dafür zahlen sollen, die haben doch schließlich Geld wie kaum ein anderer.“ Trump hatte Merkels Flüchtlingspolitik schon vor Monaten kritisiert. Dennoch habe er stets großen Respekt vor Merkel gehabt, sagte Trump in dem Gespräch mit der „Bild“ und der britischen „Times“. „Merkel ist mit Abstand einer der wichtigsten Regierungschefs. (...) Ich hatte das Gefühl, sie ist großartig, eine großartige Anführerin.“ Er respektiere und möge Merkel, kenne sie aber nicht.

          Zur deutschen Rolle in der EU sagt Trump: „Im Grunde genommen ist die Europäische Union ein Mittel zum Zweck für Deutschland.“ Deshalb sei es auch klug von Großbritannien, aus der EU auszutreten.

          „Sie müssen ihre Fabriken in den USA bauen“

          Deutschen Autobauern drohte Trump – wie zuvor schon anderen Herstellern – hohe Einfuhr-Zölle an: „Ich würde BMW sagen, wenn sie eine Fabrik in Mexiko bauen und Autos in die Vereinigten Staaten verkaufen wollen ohne eine 35-Prozent-Steuer, dann können sie das vergessen.“ Er meine damit, „dass sie ihre Fabrik in den USA bauen müssen – es wird für sie viel besser sein und für unsere Bemühungen“.

          Trump hatte zuletzt auch dem japanischen Autobauer Toyota und dem amerikanischen Konzern General Motors mit hohen Strafzöllen gedroht, sollten sie Autos für den amerikanischen Markt in Mexiko bauen. Zudem strich der amerikanische Konzern Ford nach der Kritik von Trump eine geplante Milliardeninvestition in Mexiko und steckt stattdessen 700 Millionen Dollar in ein Werk in den Vereinigten Staaten.

          Importzölle : Mexikos Autoindustrie zittert vor Trump

          Den deutschen Autobauern warf Trump unfaires Verhalten vor. So stehe in manchen amerikanischen Straßen vor jedem Haus ein Mercedes Benz. Das beruhe aber nicht auf Gegenseitigkeit. „Wie viele Chevrolets sehen Sie in Deutschland? Nicht allzu viele, vielleicht gar keine, man sieht dort drüben gar nichts, es ist eine Einbahnstraße.“ Er sei zwar für Freihandel, aber nicht um jeden Preis: „Ich liebe den Freihandel, aber es muss ein kluger Handel sein, damit ich ihn fair nenne.“

          Trump lobt Brexit

          Zum britischen Brexit-Referendum sagte Trump, es sei klug von Großbritannien, aus der EU auszutreten. Auch für Deutschland sei die Europäische Union nur „ein Mittel zum Zweck“. Trump sagte zudem, er erwarte, dass nach Großbritannien weitere Länder aus der EU-Gemeinschaft austreten würden. „Menschen, Länder wollen ihre eigene Identität. (...) Die Leute wollen nicht, dass andere Leute in ihr Land kommen und es zerstören.“ Für die Vereinigten Staaten werde es aus seiner Sicht keine große Rolle spielen, ob die EU geschlossen oder zerrissen sei. Zum Teil sei die Union gegründet worden, um die Vereinigten Staaten im Handel zu schlagen. „Also ist es mir ziemlich egal, ob sie getrennt oder vereint ist, für mich spielt es keine Rolle.“

          „Bild“-Herausgeber Kai Diekmann beim Gespräch mit Donald Trump im Trump Tower in New York
          „Bild“-Herausgeber Kai Diekmann beim Gespräch mit Donald Trump im Trump Tower in New York : Bild: dpa

          „Werde es nicht so machen wie Deutschland“

          Der Republikaner kündigte eine Verschärfung der Grenzkontrollen bei Einreisen in die Vereinigten Staaten an, die auch EU-Bürger treffen könnten. „Es wird extreme Sicherheitsüberprüfungen geben, es wird nicht so sein wie jetzt.“ Ob dies auch auf Einreisende aus EU-Staaten Auswirkungen haben werde, werde man sehen. Er werde es „nicht so machen wie Deutschland“, so Trump. „Wir wollen nicht, dass Leute aus Syrien zu uns kommen, von denen wir nicht wissen, wer sie sind. Es gibt keine Möglichkeit für uns, diese Leute zu überprüfen.“

          Die Nato sieht der künftige amerikanische Präsident als überaltetes Modell an. Die Nato sei „obsolet“, weil sie vor vielen, vielen Jahren entworfen worden sei. Auch sei die Nato „obsolet, weil sie sich nicht um den Terrorismus gekümmert hat“. Zudem würden nicht alle Länder angemessen in ihre Verteidigung investieren. „Wir sollen diese Länder schützen, aber viele dieser Länder zahlen nicht, was sie zahlen müssten. Das ist sehr unfair gegenüber den Vereinigten Staaten. Abgesehen davon ist mir die Nato aber sehr wichtig.“

          „Sehen, ob wir ein paar gute Deals mit Russland machen können“

          Zu den westlichen Sanktionen gegen Russland sagte Trump, Russland leide darunter im Moment schwer. „Aber ich glaube, da könnte manches gehen, von dem viele Leute profitieren würden.“ Er wolle angesichts der Sanktionen der EU „mal sehen, ob wir ein paar gute Deals mit Russland machen können“. Dies betreffe unter anderem eine mögliche Reduzierung des Atomwaffen-Arsenals. Trump hatte bereits vor einigen Tagen gesagt, er erwäge, die Sanktionen gegen Russland mittelfristig zu beenden.

          Über seinen Schwiegersohn Jared Kushner, der als Trumps Berater arbeiten wird, sagte er, dieser werde „ein Israel-Abkommen schließen, das sonst niemand zustande bringt. Wissen Sie, er ist ein Naturtalent, er ist spitze, er ist ein Naturtalent.“ Kushner habe eine „angeborene Fähigkeit, Deals abzuschließen, alle mögen ihn“.

          Begehrtes Gespräch

          Das Interview mit Donald Trump wurde von „Bild“-Herausgeber Kai Diekmann zusammen mit dem „Times“-Kolumnisten Michael Gove geführt. Gove, früherer britischer Justizminister von den Tories, der beim Brexit-Referendum für ein „Leave“ geworben hatte, hatte sich im Sommer für die Nachfolge des früheren Premierministers David Cameron beworben, war im Rennen aber relativ früh wegen zu geringer Unterstützung ausgeschieden. Seit dem Amtsantritt der neuen britischen Premierministerin Theresa May gehört Gove dem Kabinett nicht mehr an.

          Dass Gove Trump nun noch vor Theresa May – und ihrem Außenminister Boris Johnson – getroffen und für die Londoner „Times“ interviewt hat, dürfte bei der britischen Premierministerin für erhebliche Verstimmung sorgen.

          Trump erklärt in dem Gespräch aber, er werde sich mit May treffen, sobald er offiziell im Amt sei.

          Der designierte Präsident, der am Freitag in Washington vereidigt wird, steht seit längerem wegen seiner harschen Angriffe auf amerikanische Medien in der Kritik. Bei seiner ersten Pressekonferenz seit seiner Wahl am 8. November griff er am Mittwoch einen CNN-Reporter rüde an und verweigerte ihm eine Antwort, weil dieser „Fake News“ verbreite. (oge.)

          Quelle: oge./afp/dpa

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