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Aktualisiert: 19.05.2017, 20:42 Uhr

Trumps erste Auslandsreise „America First“ auf dem Prüfstand

Fünf Länder in acht Tagen: Angeschlagen von schweren innenpolitischen Turbulenzen begibt sich Amerikas Präsident auf seine erste Auslandsreise. Sie führt ihn in die Herzkammern der Weltreligionen.

© AP Donald Trump verlässt am Mittwoch die Air Force One auf der Andrew Air Force Base

Mit großer Spannung wird Donald Trumps erste Auslandsreise erwartet. Am Freitag (21.30 Uhr MESZ) bricht der amerikanische Präsident zu seiner ersten Auslandsreise auf. Sie führt ihn in acht Tagen durch fünf Länder. Er besucht die Heimstätten der drei großen, monotheistischen Weltreligionen: des Judentums, des Islam und des Christentums. Verbunden mit Gipfeltreffen der Nato und der G7 hat die Reise aber einen eher geostrategischen als einen religiösen Charakter. Trump (70) betritt die internationale Bühne innenpolitisch angeschlagen.

Trumps Reise wird von viel Unsicherheit begleitet. Der Präsident hat sich den Wahlspruch „Amerika zuerst“ auf die Fahnen geschrieben, das nährte in einer global verflochtenen Welt Befürchtungen über einen Rückzug der letzten verbliebenen Supermacht aus internationalen Beziehungen und Abkommen.

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Trumps nationaler Sicherheitsberater H.R. McMaster hat aber zuletzt gesagt, „Amerika zuerst“ habe nie „Amerika alleine“ gemeint. Trump wolle auf seinen Stationen „amerikanische Führung“ unter Beweis stellen.

Saudi-Arabien

Trump landet am Samstag in Riad in Saudi-Arabien. Dort trifft er König Salman zum Tee und nimmt bis Montag an einem Treffen des Golfkooperationsrates sowie an einem Gipfeltreffen von 50 muslimischen Ländern teil. Bei diesem Treffen werde Trump eine Ansprache halten, die eine weltweit friedvolle Vision des Islam zum Inhalt habe, sagte McMaster.

Infografik / Präsident Trump – die erste Auslandsreise © dpa Vergrößern

Nicht nur in der islamischen Welt hatte Trump mit Dekreten Proteste ausgelöst, die unter anderem Staatsangehörigen von zunächst sieben Ländern für 90 Tage die Einreise in die Vereinigten Staaten untersagen sollten. Gerichte haben die Erlasse gestoppt. Berufungsverfahren laufen.

Das autoritär regierte Saudi-Arabien ist für die Amerikaner von großer strategischer und militärischer Bedeutung. Für Washington ist das Land in Fragen der regionalen Vorherrschaft im Nahen Osten das große Gegengewicht zu Iran, dem Hauptfeind Israels.

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Israel

Am Montag dann reist Trump zum Verbündeten Israel. Er trifft Präsident Reuven Rivlin und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Als erster amtierender amerikanischer Präsident besucht er die Klagemauer, außerdem legt er einen Kranz in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem nieder. Trump will auch die Grabeskirche besuchen und im Israel-Museum in Jerusalem eine Rede halten.

Trump hat der israelischen Regierung eine grundlegende Verbesserung des Verhältnisses beider Länder versprochen. Gleichwohl wird die Reise in diese hoch komplizierte Region kaum alle offenen Fragen beantworten. Neben dem Konflikt Israels mit den Palästinensern und der Siedlungspolitik Jerusalems wird auch über eine Verlegung der amerikanischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem diskutiert. Sie gilt aber als unwahrscheinlich.

Am Dienstag trifft Trump in Bethlehem Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, den er erst kürzlich im Weißen Haus empfangen hat. Trump will nicht weniger als einen Neustart des Friedensprozesses zwischen Israelis und Palästinensern erreichen.

Italien

Am Dienstag reist Trump nach Italien weiter. Für Mittwoch ist ein Treffen mit Papst Franziskus vorgesehen, der ihn wegen seiner Haltung zu den Themen Einwanderung und Flüchtlinge kritisiert hat. Trump wird auch Premier Paolo Gentiloni und Präsident Sergio Mattarella treffen und den Petersdom besuchen. Nach der Weiterreise nach Brüssel trifft Trump am Mittwochnachmittag den belgischen König Philippe und Belgiens Premier Charles Michel.

© AP, reuters Ex-FBI-Chef Mueller soll Trumps Verbindungen zu Russland untersuchen

Belgien

Am Donnerstag folgen Treffen mit den Spitzen der Europäischen Union und ein Arbeitsessen mit Frankreichs neuem Präsidenten Emmanuel Macron. Dies ist das erste Treffen der beiden.

Höhepunkt des Donnerstags ist ein Nato-Gipfel in Brüssel mit Staats- und Regierungschefs aus 25 Ländern. Trump pocht bei den Verbündeten auf eine Erhöhung ihrer Verteidigungsausgaben. Vom Gipfel selbst werden keine größeren Entscheidungen erwartet, es wird gleichwohl als wichtig für die persönlichen Beziehungen beschrieben.

G7-Gipfel auf Sizilien

Gleiches gilt für das Treffen der G7 am Freitag und Samstag. Trump trifft die Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Italien, Japan, Frankreich, Kanada und Großbritannien, die sich in Taormina auf Sizilien gemeinsamer Ziele vergewissern wollen.

Das politische Projekt des Westens steht unter starkem Druck, die transatlantische Partnerschaft ist in der Ära Trump belastet. Von vielen Seiten wird gefragt, was ein Treffen in diesem Format ohne die Weltmacht China und auch ohne das früher beteiligte Russland politisch erreichen kann.

Trump ist seit Jahrzehnten einer der ersten amerikanischen Präsidenten, die ihre erste Reise nicht zu den Nachbarn Mexiko oder Kanada unternehmen.

Die Russland-Sache

Von Peter Sturm

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