http://www.faz.net/-gpf-9ge4r

Nach Rauswurf von CNN-Reporter : Ein Eklat im Weißen Haus und Manipulationsvorwürfe

  • Aktualisiert am

Ein Standbild aus dem Video, das Sarah Sanders auf Twitter veröffentlichte. Bild: Reuters

Nach dem Eklat zwischen Jim Acosta und Donald Trump wirft Trump-Sprecherin Sanders dem Journalisten vor, an die Praktikantin Hand angelegt zu haben. Ein bearbeitetes Video soll das beweisen. Doch es gibt Zweifel an der Echtheit.

          Nach der Kongresswahl in den Vereinigten Staaten hat Präsident Donald Trump in einem Rundumschlag seinen Justizminister Jeff Sessions rausgeworfen und sich in beispielloser Art und Weise mit den Medien angelegt. Sessions reichte am Mittwoch, nach eigenen Angaben auf Wunsch des Präsidenten, seine Kündigung ein.

          Die oppositionellen Demokraten warnten Trump davor, sich in die Arbeit von FBI-Sonderermittler Robert Mueller einzumischen. Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus trieb Trump unterdessen seine Attacken gegen kritische Medien auf die Spitze. Nach mehreren hartnäckigen Fragen von dem bekannten CNN-Reporter Jim Acosta fing Trump an, diesen wüst zu beschimpfen. Eine Praktikantin des Weißen Hauses versucht Aosta daraufhin mehrfach das Mikro zu entreißen – dieser dreht sich weg.

          Es ist diese Szene, die von Kameras aufgezeichnet wurde, an der sich nun im Netz eine heiße Debatte entzündet – und die den eigentlichen beispiellosen Vorgang fast schon in den Hintergrund rücken lässt, dass der amerikanische Präsident einem Journalisten wegen hartnäckiger Fragen die Akkreditierung entziehen lässt. Was war also passiert?

          Hat Sanders ein manipuliertes Video hochgeladen?

          Es war eine denkwürdige Pressekonferenz am Mittwoch im Weißen Haus: Einen Tag nach den Kongresswahlen in den Vereinigten Staaten beantwortete Trump dort anderthalb Stunden lang Fragen von Journalisten. Trump trat aggressiv auf, beklagte sich über „feindselige Medien“, forderte mehrfach Journalisten auf, den Mund zu halten.

          Nach einem Wortgefecht mit Acosta kommt es zu einem leichten Gerangel zwischen dem Journalisten und der Mitarbeiterin des Weißen Hauses. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, wirft Acosta später vor, er habe Hand an die Praktikantin („placing hands on a young woman“) gelegt. Als Beleg dafür veröffentlicht Sanders auf Twitter eine kurze Videosequenz.

          Mehrere Nutzer werfen der Trump-Sprecherin Sanders daraufhin vor, sie habe als Beweis für „unangemessenes Verhalten“ Acostas ein manipuliertes Video hochgeladen. Twitter-Nutzer sehen Sanders als überführt durch verdächtige Schnitte im gezoomten Bild und plötzliche Sprünge in der Abfolge.

          Die Nachrichtenagentur dpa, die das Material ausgewertet hat, kommt zu dem Schluss, dass sich eine Manipulation, wie zum Beispiel das Hinzufügen von bearbeiteten Einzelbildern, bisher nicht eindeutig beweisen lässt. Eine videotechnische Analyse der britischen Zeitung „Independent“ schlussfolgert aber, dass in der entscheidenden Szene der Sanders-Version ein Einzelbild minimal länger gezeigt wird.

          Fakt ist: Das von Sanders auf Twitter verbreitete Video stammt allem Anschein nach nicht vom Weißen Haus selbst. Auch das irritiert die User auf Twitter. Sanders oder ihr Team haben es vermutlich aus anderer Quelle.

          Der Aktivist und Trump-Anhänger Paul Joseph Watson behauptet, die Videosequenz mit einem Schnittprogramm erstellt und dabei die Zoomfunktion verwendet zu haben. Watson bestreitet, die Aufnahme manipuliert zu haben. Er hat sein Video bei Twitter am Mittwochabend (Ortszeit) 46 Minuten vor Sanders hochgeladen.

          Grundlage ist eine Aufnahme des amerikanischen Senders C-Span. Das leichte Gerangel zwischen Acosta und der Mitarbeiterin wird in dem Videoclip herangezoomt und in Zeitlupenwiederholung gezeigt.

          Der Vorwurf der Nutzer lautet, dass in der Zoom-Szene bei der Bewegung von Acostas Arm nach unten weitere Einzelbilder hineinkopiert worden seien, um die Szene dramatischer wirken zu lassen. Der Leiter der Videoredaktion des „Independent“, Tom Richell, hat nach eigenen Angaben das Sanders-Video mit einer von der Nachrichtenagentur AP zur Verfügung gestellten Originalaufnahme verglichen.

          Ursache für Unterschied bleibt unklar

          Richell kommt zu dem Schluss, dass die entscheidende Szene der Armbewegung Acostas in Sanders’ Video einen kurzen Moment (etwa eine Zehntelsekunde – drei Frames) länger zu sehen ist als im Original. Diese Verzögerung durch eine kurze Pause sei auch im restlichen Video erkennbar.

          Die Ursache für diesen Unterschied bleibt bis auf weiteres unklar. Es könnte sich um eine bewusste Manipulation oder aber um eine technisch bedingte Verzögerung handeln. Richell sagt dazu, Urheber und Grund der Bearbeitung seien dem „Independent“ nicht bekannt.

          Beim amerikanischen Fernsehformat besteht eine Sendesekunde aus 30 einzelnen Bildern. Bedingt durch die Zeitlupe wird nicht jedes einzelne Bild einer Szene flüssig dargestellt. Es entsteht eine Art Doppelbilder, die Bewegung ist ruckartiger und verschwommener.

          Dies könnte der Grund dafür sein, dass der in Zeitlupe abgespielte Ausschnitt im Ablauf leicht von der Originalaufnahme abweicht. Allein durch das Heranzoomen einer Teilszene wird eine stärkere Bewegung wahrgenommen als in der Totale des Senders.

          Ob das Video nun echt ist oder nicht: Die Empörung darüber, dass das Weiße Haus Acosta die Akkreditierung entzogen hat, hat eine Welle der Empörung nach sich gezogen. CNN sprach von einer „Bedrohung unserer Demokratie“, Journalistenverbände legten Protest ein.

          Aber auch international wird das – höchst ungewöhnliche – Vorgehen des Weißen Hauses beobachtet. Ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel wollte sich zu dem konkreten Vorfall im Weißen Haus zwar nicht direkt äußern – allgemein sagte er aber während des täglichen Pressebriefings am Donnerstag: „In diesem Pressesaal wird kein Journalist jemals wegen seiner oder ihrer Fragen ausgeschlossen, schlecht behandelt, diskriminiert oder in irgendeiner Weise respektlos behandelt werden (...). Das wird hier nie passieren.“

          Weitere Themen

          Finnen verspotten Trump auf Twitter

          Mit Rechen gegen Waldbrände? : Finnen verspotten Trump auf Twitter

          Donald Trump hat einen Grund für die Brände in Kalifornien ausgemacht: die mangelnde Pflege des Waldbodens. Vorbild des amerikanischen Präsidenten ist Finnland und die Praxis „des Rechens“. Die Finnen können darüber nur lachen.

          Proteste gegen Korruption Video-Seite öffnen

          Haiti : Proteste gegen Korruption

          Hunderte Menschen sind am Sonntag in Port-au-Prince auf die Straße gegangen, zündeten Autos an und warfen Steine auf die Polizisten. Sie werfen der Regierung Korruption vor.

          „Alexa, hau ab!“

          Gegenwind für Amazon und Co : „Alexa, hau ab!“

          Amazon, Google, Facebook & Co verdienen Milliarden, gehören zu den wertvollsten Konzernen der Welt und ziehen rund um den Globus Toptalente an. Doch etwas hat sich geändert.

          Proteste gegen Migranten in Mexiko Video-Seite öffnen

          Tumulte in Tijuana : Proteste gegen Migranten in Mexiko

          Immer mehr Migranten strömen durch Mittelamerika Richtung Vereinigter Staaten. Doch auch in Mexiko sind viele der Flüchtlinge nicht willkommen. In der Grenzstadt Tiujana könnten die Proteste bald eskalieren.

          Topmeldungen

          Trotz des sportlichen Misserfolgs ist Joachim Löw weiter Bundestrainer.

          Krise der DFB-Elf : Weltmeister des Aussitzens

          Erst das WM-Debakel, dann der Abstieg in der Nations League: Doch beim DFB ist die Mission Postenverteidigung erfolgreich. Wie ist das nur möglich? Fünf Fragen und Antworten zur Lage der Fußballnation.
          Carlos Ghosn

          Verdacht der Veruntreuung : Renault-Nissan-Chef Ghosn festgenommen

          Er soll Firmengelder privat verwendet haben: Der schillernde Automanager Carlos Ghosn wurde in Japan festgenommen, ihm droht nun der Rauswurf. Mit den Aktienkursen geht es deutlich bergab.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.