http://www.faz.net/-gpf-8yuua
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren

Aktualisiert: 16.06.2017, 23:42 Uhr

Druck von allen Seiten Trump bleibt Trump

Das Attentat von Alexandria ließ Amerikas Präsident kurz innehalten. Doch die Hoffnung, er könne seinen Politikstil ändern, währt nur kurz.

von Frauke Steffens, New York
© AP Donald Trump spricht im Rosengarten des Weißen Hauses mit Paul Ryan, dem Sprecher des Repräsentantenhauses.

Donald Trump sagte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters einmal, dass er sich den Job des Präsidenten einfacher vorgestellt habe. Die vergangene Woche wird ihn wohl in seinem Gefühl bestätigt haben. Zuerst sah es im Streit um die russischen Kontakte seines Teams zwar nach einem Etappensieg für Trump aus. Justizminister Jeff Sessions stellte sich bei seiner Anhörung im Geheimdienstausschuss hinter den Präsidenten, und die rechtskonservative Presse konzentrierte sich darauf, den ehemaligen FBI-Chef James Comey als Durchstecher von Informationen zu porträtieren. Dann jedoch kam heraus, dass Sonderermittler Robert Mueller inzwischen auch Trump persönlich in seine Untersuchungen einbezieht und genug Anhaltspunkte sieht, um den Vorwurf der Justizbehinderung zu prüfen. Überschattet wurden alle diese Meldungen dann von dem Attentat auf Republikaner in Alexandria am Mittwoch.

© AP, reuters Russland-Affäre: Sonderermittler Mueller ermittelt gegen Trump

„Indem Sie heute Abend spielen, zeigen Sie der Welt: Unsere Demokratie lässt sich nicht durch Drohungen und Gewalt einschüchtern,“ sagte Trump am Donnerstagabend in einer auf Twitter veröffentlichten Videobotschaft zum Baseballspiel des Kongresses, für das die Republikaner in Alexandria trainiert hatten und das trotz der Attacke stattfand. Seine Reaktion auf die Tat in unmittelbarer Nachbarschaft der amerikanischen Hauptstadt war bis dahin auch von seinen Kritikern gelobt worden. Die „New York Times“ schrieb, der Präsident habe der Schwere des Ereignisses entsprechend angemessen reagiert. Tatsächlich verzichtete Trump zunächst auf politische Schuldzuweisungen.

Mehr zum Thema

Ahnte er vielleicht, dass er nicht gut beraten wäre, die harsche Rhetorik der politischen Auseinandersetzung als Ursache für die Gewalt anzuprangern, wie einige Republikaner dies rasch taten? Schließlich ist Trump selbst ein rhetorischer Aufwiegler – man denke allein an die Bezeichnung aller Mexikaner als „Vergewaltiger“, die Beleidigungen politischer Gegner und an das Prahlen mit mutmaßlicher sexueller Belästigung („Grab them by the pussy.“). Doch unabhängig davon, warum sich der Präsident zurückhielt – lange hielt er die selbst auferlegte Beschränkung nicht durch. Während in Washington noch darüber diskutiert wurde, ob die wachsende Polemik zwischen Trump-Gegnern und Befürwortern den Attentäter James T. Hodgkinson aufgestachelt hatte oder ob nicht eher mentale Probleme die eigentliche Kernursache seines Handelns waren, fiel Trump zurück in bewährte Verhaltensmuster.

Bereits am Donnerstag schaltete der Präsident auf Twitter wieder auf Angriff und geißelte Ermittlungen Muellers auf Twitter als „Hexenjagd“, die von schlechten Menschen ausgehe. Sämtliche Anschuldigungen einer Zusammenarbeit mit den Russen seien erfunden und falsch.

Zeitspiel bei Ermittlungen

Seine Reaktion ist auch ein Indiz dafür, dass der Druck auf ihn noch gewachsen sein könnte. Was bedeutet es, dass Robert Mueller nun direkt gegen den Präsidenten ermittelt? Zunächst einmal heißt es, dass die Hinweise aus der Comey-Anhörung, die in Richtung einer aktiven Behinderung der Justiz deuten, ernst genommen werden. Mueller kann weitere Zeugen hören und Dokumente anfordern, die helfen, Licht ins Dunkel zu bringen: Forderte Trump von Comey eine Einstellung der Untersuchung gegen den ehemaligen Sicherheitsberater Michael Flynn? Wurde Comey entlassen, weil er dem Wunsch nicht nachkam? Der „Washington Post“ zufolge will Mueller den Nationalen Geheimdienstdirektor Dan Coats und NSA-Direktor Mike Rogers umgehend dazu befragen – das macht es für Donald Trump schwerer, die Ermittlungen kleinzureden.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite

Ein Ende des Afghanistan-Krieges ist nicht in Sicht

Von Friederike Böge

Auch Donald Trump muss einsehen: Es ist viel leichter, einen Krieg zu beginnen, als ihn zu beenden. Selbst wenn er in dieser Form ein Fehler war. Mehr 24 8