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Veröffentlicht: 12.08.2017, 10:34 Uhr

Drogenkrise Trumps Amerika im Griff des Heroins

In Amerika kostet ein Päckchen Heroin weniger als eine Schachtel Zigaretten. Die Sucht aber fängt mit Schmerzmitteln an. Für Donald Trump, der nun einen nationalen Notstand erklärt hat, ist dies ein riskantes Thema.

von Frauke Steffens, New York
© AFP Medikamente als Falle: 80 Prozent der Heroinsüchtigen in Amerika kamen 2015 von Schmerzmittelmissbrauch.

Carry Naloxone – save a life“, das steht neuerdings auf Bussen und Plakatwänden in New York. „Packen Sie Naloxone ein und retten Sie ein Leben“ also – dazu fordert die Kampagne der städtischen Gesundheitsbehörde jeden auf. Naloxone ist ein Mittel gegen Heroin- und Schmerzmittelüberdosen und bislang hatten es vor allem Polizisten und Ärzte dabei. Jeder kann inzwischen in die Drogerie gehen und es rezeptfrei kaufen, da man tatsächlich nie weiß, wer im eigenen Umfeld süchtig nach Schmerzmitteln ist, argumentieren die Behörden.

 
Drogenkrise in Amerika: Wie Heroin ein ganzes Land fest im Griff hat

Heroin und Medikamente wie Oxycontin, eines der bekanntesten verschreibungspflichtigen Opioide, sind chemisch sehr ähnlich. Laut einer Schätzung der amerikanischen Bundesbehörde für Suchtkontrolle und psychische Gesundheit kamen 2015 80 Prozent der Heroinsüchtigen im Lande von Schmerzmittelmissbrauch zu Heroin. Während eine Oxycontin-Pille auf dem Schwarzmarkt bis zu 30 Dollar kosten kann, ist ein Päckchen Heroin vielerorts für 5 Dollar zu haben – billiger als Zigaretten. 100.000 Menschen sollen in den Jahren zwischen 2004 und 2014 in Amerika an Opioid-Überdosen gestorben sein, berichtete die „New York Times“ unter Berufung auf offizielle Statistiken. Pro Jahr sollen es inzwischen laut der Bundesgesundheitsbehörde (CDC) mehr als  30.000 sein, das sind über 60 Prozent aller Drogentoten. Die Behörde nennt das Problem schon seit Längerem offiziell eine Epidemie.

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In New York City allein ist die Zahl der tödlichen Überdosen durch Heroin und andere Opioide in den Jahren 2000 bis 2015 um 300 Prozent angestiegen, so die städtische Gesundheitsbehörde. Jeden Tag sterben drei Menschen hier an einer Überdosis – und der Anteil von Opioiden daran wächst, warnt die Stadt. Der in Teilen gutbürgerliche Stadtteil Staten Island ist so schwer betroffen, dass manche ihn „Heroin Island“ getauft haben – auf der auch bei Touristen populären Fähre dorthin begegnen einem jetzt Drogenspürhunde. „Mehr Einwohner von Staten Island sterben durch Überdosen als durch Autounfälle“, warnt die Gesundheitsbehörde.

Süchtige kommen aus allen sozialen Schichten

Staten Island ist auch eine von New Yorks wenigen Trump-Hochburgen – viele der Gegenden Amerikas, die für den Präsidenten gestimmt haben, sind auch besonders von der Heroinkrise betroffen. Das liegt aber nicht nur daran, dass ein Teil der verarmten Arbeiter Trump gewählt hat, sondern daran, dass er auch eine starke Basis in der weißen Mittelschicht der Vorstädte hat. Die soziale Zusammensetzung der Süchtigen ist anders als bei der Heroinkrise der 1970er und 80er Jahre, als es vor allem ärmere Menschen in den großen Städten traf.

47974780 © AFP Vergrößern In New York City allein ist die Zahl der tödlichen Überdosen durch Heroin und andere Opioide in den Jahren 2000 bis 2015 um 300 Prozent angestiegen

Dokumentarfilme wie „Oxyana“ von 2013 haben die Krise ins öffentliche Bewusstsein gebracht, sind aber auch dafür verantwortlich, dass oft ein verkürztes Bild von der Gruppe der Betroffenen entsteht. Regisseur Sean Dunne zeichnete ein geradezu apokalyptisches Bild von der Stadt Oceana in West Virginia, deren Bewohner früher einmal gut vom Kohleabbau leben konnten. Fast jeder im Film ist abhängig von Schmerzmitteln oder kennt jemanden, der es ist. Dunnes Protagonisten leben in Armut, in Trailerparks oder heruntergekommenen Häusern. Die Armen trifft es tatsächlich hart, die ganz große Presseaufmerksamkeit für die neue Heroinkrise kam aber erst, als klar wurde, dass das Problem auch die Mittelschicht der Vorstädte erfasst hat.

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