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Ivanka Trump : Die wahre First Lady

  • -Aktualisiert am

Wärme und Kälte: Ivanka Trump hat ein sanften Blick, doch kalkuliert eiskalt. Bild: EPA

Ivanka Trump ersetzt oft die First Lady und, wenn es nottut, auch den Präsidenten. Anfeindungen lassen sie kalt. Sie weiß, wann es klüger ist, den Mund zu halten.

          Als Hillary Clinton in der Hitze des bitterbösen Wahlkampfes des letzten Jahres gefragt wurde, ob es etwas gebe, was ihr an Donald Trump gefalle, zögerte sie keine Sekunde: „Beeindruckend sind seine Kinder.“ Sicher, das mag in einem akribisch durchgeplanten Wahlkampf eine klug vorbereitete Antwort gewesen sein, mit der Hillary Clinton einerseits konziliant und versöhnlich erschien, andererseits aber auch nicht zu viel Gutes über den politischen Gegner sagte. Doch nicht ausgeschlossen, dass Hillary Clinton tatsächlich meinte, was sie sagte. Denn gemessen an seinem ausschweifenden Leben und rabaukenhaften Auftreten, sind Donald Trumps fünf Kinder aus drei Ehen erstaunlich gut geraten. Ivanka Trump aber hat unter ihnen eine Sonderrolle und ist die Einzige, die sogar ein offizielles Regierungsamt bekleidet: „Assistentin des Präsidenten“. Der Titel ist ein Understatement. Kaum jemand hat größeren Einfluss auf Donald Trump als sie.

          Im Wahlkampf, in dem ihrem Vater von den Medien keinerlei Siegchancen ausgerechnet wurden, nahm auch kaum jemand Ivanka Trump ernst. Dabei hatte sie schon damals eine Bedeutung, die erst im Rückblick richtig zu verstehen ist: Weil sie zu den wenigen Menschen gehört, denen Donald Trump vertraut und deren Loyalität er nie in Zweifel zieht, kann sie ihm kritische Ratschläge geben wie kaum jemand sonst. Und weil sie in fast jeder Hinsicht das Gegenteil von dem verkörpert, was ihr Vater verbal und nonverbal ausdrückt, erschien sie schon im Wahlkampf wie der stumm, aber graziös lächelnde Beweis dafür, dass der rüde Mann doch nicht so verkehrt sein kann, wenn er eine solche Tochter hat.

          First Daughter und politisches Schwergewicht

          Bis heute ist sie die Souffleuse, aber auch die wohlwollende Dolmetscherin eines chaotischen Präsidenten. Wann immer ihr Vater wieder einmal etwas Skandalöses, Unverschämtes oder Haarsträubendes sagt, erklärt Ivanka Trump kurz darauf in einem Interview mit perfekten Worten und perfektem Make-up, wie er es doch wohl eigentlich gemeint haben wollte. Jeden Widerspruch dagegen lächelt sie charmant weg. Die Rolle, die in der amerikanischen Politik oft die Ehefrau übernimmt, spielt für Donald Trump seine älteste Tochter. Sie ergänzt sein mediales Image um Eleganz, Wärme, Takt, kurzum: all das, was ihm selbst vollkommen abgeht.

          Ivanka Trump allein auf Weiblichkeit und Mütterlichkeit, Schönheit und Starpower reduzieren zu wollen würde aber an der politischen Realität vorbeigehen. Ihr Büro im Westflügel des Weißen Hauses ist nur Schritte vom Oval Office entfernt. Bei sensiblen Verhandlungen sitzt sie mit am Tisch. Staatschefs aus aller Welt, auch Angela Merkel, suchen den freundschaftlichen Kontakt zu ihr, um auf den unberechenbaren Präsidenten Einfluss zu nehmen. Und wer noch Zweifel hatte, ob Ivanka Trump nur zur optischen Aufwertung einer Regierung alter Männer im Weißen Haus arbeitet, bekam beim G-20-Gipfel in Hamburg die Antwort: Nicht der qua Protokoll dafür vorgesehene amerikanische Außenminister, sondern Ivanka Trump saß anstelle des Präsidenten am Tisch der mächtigsten Männer und Frauen der Welt, als Donald Trump kurzzeitig durch andere Gespräche verhindert war. Natürlich hat auch das, wie alles, was Donald Trump sagt und tut, innenpolitisch Kritik und Empörung ausgelöst. Doch unterm Strich ist die Botschaft so angekommen, wie sie auch gemeint war: Jeder muss wissen, dass Ivanka Trump nicht nur First Daughter, sondern ein politisches Schwergewicht der amerikanischen Regierung ist.

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