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Gewalt in Charlottesville : Trump „vollkommen entgleist“

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Pressekonferenz im Trump-Tower: Amerikas Präsident sieht bei den gewaltbereiten Neo-Nazis „viele feine Leute“. Bild: AP

Amerikas Präsident Donald Trump hat Teilnehmer des rechten Aufmarsches in Charlottesville in Schutz genommen und den Linken eine Mitschuld an der Gewalt gegeben. Etliche Republikaner gehen auf Distanz. Wendet sich die Partei jetzt von ihm ab?

          „Die Nation kann nur weinen“, schrieb die Zeitung „Washington Post“ am Dienstagabend über den jüngsten Auftritt des amerikanischen Präsidenten im New Yorker Trump Tower. Donald Trump hatte für Entsetzen gesorgt, als er bei einer Pressekonferenz abermals über die tödliche Gewalt beim Naziaufmarsch in Charlottesville sprach. Der Präsident setzte die mit Hakenkreuzen und Waffen marschierenden Neonazis mit den linken Gegendemonstranten gleich. Es gebe „Schuld auf beiden Seiten“, sagte er und verteidigte zudem die rechten Teilnehmer. Nicht alle seien Nazis oder Rassisten gewesen, auf beiden Seiten habe es auch „sehr feine Leute“ gegeben, sagte Trump.

          Unterbrochen von lauten Rufen der Reporter, mit denen er sich zum Teil Wortgefechte lieferte, rückte Trump von seiner vergleichsweise eindeutigen Stellungnahme vom Montag ab und sprach durchgängig von zwei „Seiten“ in der „Auseinandersetzung“. Die Frage, ob man den Anschlag mit einem Auto, bei dem eine Frau ihr Leben verlor, als Terror bezeichnen solle, sei nur „juristische Semantik“, so der Präsident.

          „You will not replace us, Jews will not replace us“, brüllten am Freitagabend die Fackeln tragenden Rechtsradikalen in Charlottesville, als sie eine kleine Gruppe von Gegendemonstranten an dem Denkmal für Südstaaten-General Robert E. Lee einkreisten. Man habe noch nicht „alle Fakten“, um die Ereignisse zu beurteilen, sagte Trump am Dienstagabend in New York und nahm die Teilnehmer der „Unite the Right“-Demonstration in Schutz.

          „Vollkommen entgleist“

          CNN-Reporter Jim Acosta, der an der Pressekonferenz teilnahm, sagte, der Präsident sei „vollkommen entgleist“ und es sei schockierend gewesen, dies zu beobachten. Dem Fernsehsender NBC sagten Mitarbeiter des Weißen Hauses, dass Trumps Bemerkungen nicht geplant oder abgesprochen gewesen seien. Am Rande der Pressekonferenz war ein ernst dreinblickender Stabschef John Kelly zu sehen, der mit verschränkten Armen und gesenktem Kopf dastand.

          Noch vor wenigen Tagen war berichtet worden, Kelly versuche, die Tweets des Präsidenten zu kontrollieren – nun wurde abermals klar, wie wenig sich Trump kontrollieren lässt. Trump sagte indessen auch, man werde abzuwarten haben, wie es mit seinem Chefstrategen Stephen Bannon weitergehe. Dieser sei ein guter Kerl und „kein Rassist“. Die Äußerung kann ein Indiz für den Druck sein, unter dem Trump steht, denn einige Republikaner fordern wegen Bannons engen Verbindungen zur so genannten „Alt-Right“ dessen Entlassung.

          Rechtsradikale feiern

          Trumps Äußerungen wurden schon kurz nach dem Ende der Pressekonferenz von Rechtsradikalen begeistert gefeiert. Wie schon Trumps uneindeutige Worte am Wochenende verstanden viele sie als Ermutigung. David Duke, ehemaliger Ku-Klux-Klan-Führer, twitterte: „Danke Präsident Trump für Ihre Ehrlichkeit und Ihren Mut, die Wahrheit über Charlottesville zu sagen und die Terroristen von Antifa und Black Lives Matter zu verurteilen.“ Am Rande des Aufmarsches hatte Duke gesagt, Trump solle „nicht vergessen, wer ihn ins Amt befördert“ habe.

          Mitch McConnell, der Mehrheitsführer im Senat, wollte sich auf Nachfrage von Journalisten zunächst nicht zu Trumps Worten äußern, aber andere Republikaner taten es. Paul Ryan, Sprecher des Repräsentantenhauses, twitterte: „Wir müssen uns klar äußern. Rassismus ist ekelerregend. Diese Bigotterie ist gegen alles, wofür dieses Land steht. Es kann hier keine moralische Ambivalenz geben.“ Arizonas Senator John McCain erklärte: „Es gibt keine moralische Gleichstellung von Rassisten und Amerikanern, die aufstehen, um sich Hass und Bigotterie in den Weg zu stellen. Der Präsident der Vereinigten Staaten sollte das so sagen.“

          Marco Rubio, Senator aus Florida, schrieb: „Die Organisatoren von Veranstaltungen, die zu der Terrorattacke von Charlottesville führten, sind zu hundert Prozent verantwortlich zu machen. Mr. President, Sie können den Rechtsradikalen nicht erlauben, nur einen Teil der Schuld zu tragen.“ Steve Stivers aus Ohio, der für die kommende Wahlkampagne der Republikaner für das Repräsentantenhaus verantwortlich ist, twitterte: „Ich verstehe nicht, was daran so schwer ist. Rassisten und Neonazis sind böse und sollten nicht verteidigt werden.“

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