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Wahlkampf in Amerika : Zähmung eines Widerspenstigen

Outsider grüßt Insider: Trump mit seinem „running mate“, Indianas Gouverneur Mike Pence, am Samstag in New York. Bild: AP

Die Republikaner hoffen für ihren Parteitag in Cleveland auf eine Demonstration der Geschlossenheit. Dabei zeigt schon der Umgang mit seinem Vizekandidaten, dass Donald Trump andere Pläne zu haben scheint.

          Von den Putschisten droht keine Gefahr mehr. Donald Trump vermeldete den Sieg am Wochenende auf Twitter. Die „Never Trump“-Bewegung gebe es nicht mehr. „Sie wurde zerquetscht.“ Noch bevor in Cleveland an diesem Montag der viertägige Nominierungsparteitag beginnt, hatte der Präsidentschaftskandidat diesen Erfolg errungen.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Spät in der Nacht auf Freitag erwies sich in einer zähen Sitzung des Lenkungsausschusses, dass die Gegner des Vorwahl-Siegers weniger Rückhalt genießen als vorgegeben. Sie scheiterten mit dem Ansinnen, die Delegierten vom imperativen Mandat der Basis zu entbinden. Damit wären die Vorwahlen im Nachhinein ihres Zwecks beraubt worden.

          Wie so ziemlich das ganze Partei-Establishment hat Reince Priebus, eine Art Bundesgeschäftsführer der Republikaner, lange gehofft, der Trump-Kelch möge an der Partei vorübergehen. Doch als die Basis gesprochen hatte, verlegte Priebus sich darauf, Gegner und Anhänger des New Yorker Milliardärs zur Einheit anzuhalten. Er hat die Verhandlungen über die Geschäftsordnung deshalb robust in Trumps Sinne geführt.

          Trump-Gegner bleiben dem Parteitag fern

          Die prominentesten Trump-Kritiker bleiben dem Parteitag sowieso fern: die vorigen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney und John McCain ebenso wie die beiden George Bushs als frühere Präsidenten. Deren Sohn beziehungsweise Bruder Jeb verließ seine Schmollecke in Miami nur kurz, um der Partei die Party mit einem Meinungsartikel zu verderben.

          Trump, schrieb sein gedemütigter Rivale in der „Washington Post“, stehe nicht für die Werte der Partei, „und hoffentlich nicht für ihre Zukunft“. Mit seinem „groben Schwachkopf-Nativismus“ beute der Kandidat „auf groteske Weise die tief empfundene Wut vieler Amerikaner“ aus und verhindere echte Lösungen.

          In der Analyse mögen Bush viele Republikaner zustimmen, doch das Nachtreten kommt bei vielen schlecht an. Auch die meisten Trump-Gegner der zweiten Reihe haben sich dagegen entschieden, in Cleveland ihre Stimme zu erheben. McCain kündigte an, er wolle im Grand Canyon wandern, seine Senatskollegen Jeff Flake und Steve Daines gaben vor, sie müssten endlich zu Hause den Rasen mähen oder mal wieder Fliegenfischen gehen.

          Es bleibt nur der Boykott

          Als Gouverneur des Gastgeberstaats Ohio sieht sich John Kasich zwar gezwungen, in Cleveland Präsenz zu zeigen. Aber er ließ wissen, dass er die Arena nicht betreten wolle. Dort läge es also an weithin unbekannten Delegierten, Trump während des live übertragenen Spektakels zu kritisieren.

          Doch Geschäftsführer Priebus war vorsichtig, als die Rebellen einen an sich technisch anmutenden Antrag stellten: Nein, die Delegationen aus den 56 Staaten und Territorien werden keine Mikrofone bekommen, mit denen sie sich jederzeit Gehör verschaffen könnten. Den Aktivisten bleibt daher nur noch ein Boykott.

          Sie könnten Trump blamieren, indem sie gleichgesinnte Delegierte auffordern, seinen Auftritt am Donnerstag zu schwänzen. Doch kaum jemand rechnet damit, dass der Garant für hohe Einschaltquoten vor leeren Rängen reden muss.

          Glasflaschen und Regenschirme verboten – Pistolen aber erlaubt

          Ruhig schlafen werden Priebus und seine Strategen diese Woche trotzdem nicht. Eine Sorge betrifft die zahllosen Demonstrationen, die rund um den Tagungsort geplant sind. Nicht erst seit den Todesschüssen auf Polizisten, die in Dallas einen Protestzug der Schwarzen-Bewegung „Black Lives Matter“ schützten, ist die Stimmung aufgeheizt. Mehrmals sind im Vorwahlkampf Anhänger und Gegner Trumps handgreiflich geworden.

          Die Stadt Cleveland hat rund um den Tagungsort zwar gefährliche Gegenstände wie Glasflaschen oder spitze Regenschirme verboten. Wegen Ohios Waffengesetzen darf sie es den Demonstranten aber nicht verbieten, offen Pistolen oder Gewehre zu tragen. Wer eine Genehmigung besitzt, darf seine Schusswaffe auch verdeckt mitführen.

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