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Trumps Regierungsteam : Der furchtlose McMaster

Generalleutnant McMaster ist dafür bekannt, auch Vorgesetzte offen zu kritisieren. Ob das Trump gefallen wird? Bild: AP

Für die Ernennung seines nationalen Sicherheitsberaters hat Trump sogar von seinen Kritikern Lob bekommen. Doch der Generalleutnant könnte für den Präsidenten noch unbequem werden.

          Wie Entscheidungen im Weißen Haus getroffen werden, hat er ganz genau untersucht. Herbert Raymond „H.R“ McMaster, der neue nationale Sicherheitsberater der Vereinigten Staaten, schrieb vor über 30 Jahren seine Doktorarbeit über den Vietnamkrieg – und fällte darin ein vernichtendes Urteil: Der Krieg sei in Washington D.C. verloren worden, nicht in den Medien oder auf dem Schlachtfeld.

          Anna-Lena Ripperger

          Redakteurin in der Politik.

          Für seine Arbeit analysierte McMaster stapelweise Protokolle und Memoranden aus dem Weißen Haus. Sein Fazit: Der amerikanische Präsident Lyndon B. Johnson und vor allem dessen unfähige militärische Berater waren dafür verantwortlich, dass der Vietnamkrieg für die Amerikaner in einem Desaster endete. Die Doktorarbeit erschien 1997 als Buch und sorgte sowohl inner- als auch außerhalb des Militärs für Aufsehen.

          Jetzt ist der 54 Jahre alte McMaster selbst Berater eines amerikanischen Präsidenten. Er kann das besser machen, was er an Johnsons Vereinigten Generalstabschefs, den Joint Chiefs of Staff, als Mischung aus Arroganz, Anbiederung und Hinterhältigkeit kritisierte: Die Berater hätten ihren Präsidenten nicht mit wirklich relevanten Informationen über den Vietnamkrieg versorgt, sondern ihm das gesagt, was er hören wollte.

          Was Donald Trump von McMaster hören will, wird sich erst in der konkreten Zusammenarbeit der beiden Männer zeigen. McMaster eilt allerdings der Ruf voraus, einer der klügsten Köpfe der amerikanischen Armee zu sein und einer der furchtlosesten, was Kritik – auch gegenüber Vorgesetzten – betrifft.

          Der von George W. Bush begonnene Irakkrieg sei unzureichend geplant worden und zeuge von „intellektuellem Versagen“, urteilte McMaster. Auch Barack Obamas Entscheidung, im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ keine Bodentruppen einzusetzen, hielt er für falsch. Man müsse in der Lage sein, zurückeroberte Gebiete auch halten zu können, sagte er 2015 bei einer Konferenz. Auch vor einer Verkleinerung der Armee warnte McMaster den demokratischen Präsidenten. Diese könne künftig zu klein sein, „um unsere Nation zu schützen“.

          Dass Trump sich einen solchen Mann als Sicherheitsberater an seine Seite holt, erstaunt. Was, wenn die kritischen Bemerkungen McMasters bald den neuen amerikanischen Präsidenten treffen?

          Nicht die erste, aber eine sehr gute Wahl

          Doch soweit ist es noch nicht. Noch findet Trump nur lobende Wort für den neuen Mann im Team – auch wenn der nach Michael Flynns unrühmlichem Abgang nicht seine erste Wahl war. Doch auf die Bedingungen der anderen angefragten Militärs konnte der amerikanische Präsident wohl nicht eingehen. So fiel die Wahl schließlich auf McMaster.

          Der habe „enormes Talent und enorme Erfahrung“ und werde von jedem im Militär respektiert, sagte Trump am Montag, als er seine Entscheidung in seinem Feriendomizil Mar-a-Lago verkündete. Tatsächlich wurde McMasters Ernennung von vielen gelobt, selbst von Trump-Kritikern. Sie hoffen darauf, dass McMaster mutig genug ist, seinem Präsidenten, wenn nötig, zu widersprechen.

          McMaster kämpfte 1991 im Golfkrieg, von 2004 bis 2006 im Irak und war 2010 in Afghanistan stationiert – wo er im Kampf gegen die Korruption aber nur bedingt erfolgreich war. 2005 gelang ihm die Befriedung der irakischen Stadt Tal Afar – mit dieser heiklen Operation setzte McMaster damals seine Beförderung aufs Spiel. Doch sein Erfolg gab ihm recht – er machte sich einen Namen im Kampf gegen Aufständische.

          Ein aktiver Offizier im Weißen Haus

          Seither gilt er als einer der besten Strategen des Militärs und wurde in den vergangenen Jahren immer wieder als mögliche Besetzung für den Posten des nationalen Sicherheitsberaters gehandelt.

          Jetzt ist er tatsächlich im Weißen Haus angekommen. Aus Militärkreisen heißt es, McMaster könne dort ausgleichend wirken, auch weil er nicht dafür bekannt ist, in seinen Haltungen besonders ideologisch zu sein. Bevor Trump ihn zum nationalen Sicherheitsberater machte, leitete McMaster ein Armeeinstitut und kümmerte sich dort um Ausbildung und Strategieentwicklung.

          Der Generalleutnant wird weiterhin aktiver Offizier bleiben und ist somit der erste Sicherheitsberater in Uniform seit der Zeit von Colin Powell in der Regierung Reagan. Seine langjährige Erfahrung im Militär wird McMaster nützlich sein, wenn er sich jetzt als Neuling im politischen und diplomatischen Tagesgeschäft beweisen muss.

          Einen ersten Erfolg kann der neue nationale Sicherheitsberater auf jeden Fall schon für sich verbuchen. Sei Buch über den Vietnamkrieg – „Dereliction of Duty“, auf Deutsch Verletzung der Dienstpflicht – ist seit seiner Ernennung ein Bestseller auf der Verkaufsplattform Amazon.

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