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Konflikt um Jerusalem : Der islamische Aufschrei

Palästinensische Frauen protestieren gegen die Pläne des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Bild: AFP

In den arabischen Kernländern werden die Eruptionen geringer sein als in der islamischen Peripherie. Trumps Entscheidung ist insbesondere für die Türkei und Iran eine Steilvorlage.

          Der Aufschrei in der islamischen Welt ist groß. Denn der amerikanische Präsident Donald Trump erkennt Jerusalem, die drittheiligste Stadt des Islams, als Israels Hauptstadt an. So groß, wie er noch vor einigen Jahren ausgefallen wäre, ist der Aufschrei aber nicht, selbst wenn die Palästinenser bereits „Tage des Zorns“ ausgerufen haben. Denn wichtige Länder wie Saudi-Arabien und Ägypten haben sich längst mit Israel arrangiert. Sie protestieren zwar gegen Trumps Entscheidung, lassen dem aber keine Taten folgen.

          Der Konflikt um Palästina spielt in der arabischen Welt nicht mehr dieselbe Rolle wie in der Vergangenheit. Denn spätestens seit der Arabellion sind die Menschen mit sich selbst beschäftigt, Staaten zerfallen, einige kämpfen ums Überleben. Und die Einsicht setzt sich durch, dass Israel in dem Konflikt der Stärkere ist. Die israelische Siedlungspolitik aber hat eine Zweistaatenlösung mit einem Staat Palästina immer mehr zu einer Illusion verkommen lassen. Saudi-Arabien und Ägypten, die zwei Länder, auf die es jetzt ankommt, haben sich damit abgefunden.

          Jeder der beiden verfolgt seine Interessen. In Saudi-Arabien pflegt der neue Kronprinz Muhammad Bin Salman eine enge Partnerschaft mit dem amerikanischen Präsidenten, den er braucht, um Iran aus der arabischen Welt zurückzudrängen, in der sich Iran zunehmend breitmacht. Das wirtschaftlich schwache Ägypten wiederum hängt am saudischen Tropf.

          Trumps Entscheidung ist andererseits Wasser auf die Mühlen der Islamisten. Sie wollen Jerusalem nicht preisgeben, sondern als besetztes islamisches Land befreien. Solange die Mobilisierung aber nicht über die Moscheen erfolgen und solange es keine „Freitage des Zorns“ gibt, werden diese Proteste verpuffen. Dass die Moscheen und Freitagsgebete dafür nicht benutzt werden, dafür werden die Führungen in Riad, Kairo und andernorts schon sorgen.

          In den arabischen Kernländern werden die Eruptionen geringer sein als in der islamischen Peripherie. Trumps Entscheidung ist insbesondere für die Türkei und Iran eine Steilvorlage. Der türkische Präsident Erdogan hat bereits angekündigt, er wolle die diplomatischen Beziehungen zu Israel abbrechen. Die Türkei und Iran werden sich beim Thema Jerusalem als Verteidiger islamischer Interessen präsentieren.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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