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Amerika unter Trump : Das bedrohliche politische Genie des Steve Bannon

  • -Aktualisiert am

Stratege hinter Trumps Kampf gegen den „Sumpf“ in Washington: Steve Bannon Bild: AP

Man kann Donald Trump nicht ohne Steve Bannon verstehen. Der Ideologe hat verstanden, wie er dem politischen Gegner zusetzen kann – und der geht immer wieder in seine Falle. Ein Gastbeitrag.

          In seinem verhängnisvollen Interview mit Robert Kuttner von „The American Prospect“ haben Steve Bannons Bemerkungen über eine härtere Haltung im Handelsstreit mit China, den Kampf gegen seine Feinde in der Regierung und die Sinnlosigkeit einer Militäraktion gegen Nordkorea für die größten Schlagzeilen gesorgt. Sein Kommentar zu Identitätspolitik wurde weithin übersehen – dabei eröffnete gerade er den wichtigsten Einblick in den brillanten – und zynischen – Geist von Präsident Trumps früherem Wahlkampfleiter und vor kurzem entlassenem Chefberater.

          „Je länger die Demokraten über Identitätspolitik sprechen, desto früher kriege ich sie“, spottete Bannon gegenüber Kuttner. „Ich will, dass sie jeden Tag über Rassismus sprechen. Wenn die Linke sich auf die Themen Rasse und Identität konzentriert und wir uns auf ökonomischen Nationalismus, dann können wir die Demokraten zermalmen.“

          Selten deckt ein politischer Stratege so offen seine Pläne auf. Und noch seltener scheitern seine Gegner so grundlegend daran, ihre Taktik im Gegenzug neu auszurichten. Von dem Tag an, an dem Trump seine Präsidentschaftskandidatur bekanntgab und Mexikaner böswillig als Vergewaltiger verleumdete bis zu der Veröffentlichung eines Videos, in dem er sich über das Befummeln von Frauen lustig machte, hat die amerikanische Linke vor allem mit solchen Slogans gegen Donald Trump gekämpft, die Identität betreffen: dass Trump ein Rassist sei, ein Frauenfeind, ein Fremdenfeind, ein islamophober Eiferer.

          Als Trump Bannon als Leiter seines Wahlkampfs anheuerte, stürzten Hillary Clinton und ihr Team sich mit großem Eifer auf ihn. Clinton ging sogar so weit, Bannon in einer Wahlkampfrede persönlich zu attackieren – ein seltenes Zeichen von Berühmtheit für einen Wahlkampfchef. Auch wenn diese Vorwürfe gegen Trump viel Gutes hatten (und ich ihnen zustimme), ist diese Strategie eindeutig gescheitert. Denn Trump gewann die Wahl nicht nur, sondern sogar mit einer höheren Quote bei den Schwarzen und den Latinos als sein republikanischer Vorgänger – und mit einer respektablen Quote von 42 Prozent bei Frauen.

          Trump war ein Schock für die politische Korrektheit

          Dieses Ergebnis war ein Schock für die Menschen, die in Festungen der Demokraten leben, in den Metropolregionen und College-Städten. Und es war besonders für die Medien ein Schock, die mit unerschütterlicher Gewissheit vorhergesagt hatten, dass Donald Trump nie zum Präsidenten gewählt werden könne. Sie konnten nicht ergründen, wie ein Mann, der Minderheiten so leichtfertig verunglimpfte und das Konzept der politischen Inkorrektheit in so erschreckende Abgründe führte, die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten hatte erreichen können.

          Doch lange, bevor irgendjemand Trump ernsthaft als möglichen Präsidentschaftskandidaten betrachtete, sah Steve Bannon in dem New Yorker Immobilienmagnaten einen möglichen Bannerträger für ein immer polarisierteres Amerika. Trump wurde das Gefährt, durch das Bannon eine Erkenntnis implementieren konnte, die sich in Amerika (und auch anderswo) als ziemlich verlässlich erwiesen hat: Wenn sie gezwungen werden, zwischen einem chauvinistischen, fremdenfeindlichen, mehrheitlerischen nationalistischem Rechten und einem selbstgefälligen, post-nationalistischen, von politischem Identitarismus besessenen Linken zu wählen, entscheiden sich die meisten für den Ersten.

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