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Trumps Asienreise : Weltmacht auf dem Rückzug

Und tschüss: Verabschiedet sich mit Donald Trump auch Amerika aus Asien? Bild: dpa

Donald Trump hat auf seiner Reise mit vielen Menschen geredet und viele Hände geschüttelt. Doch was bleibt bis auf den Eindruck, dass Amerika China das Feld in der Region überlässt?

          Nach zwölf Tagen in der Region hat Trumps Flugzeug am Dienstag Asien verlassen. Der amerikanische Präsident hat Tausende Kilometer hinter sich gebracht, fünf Länder besucht und viele Dutzend Hände geschüttelt. Doch was hinterlässt der amerikanische Präsident nach seiner Abreise? Mit Blick auf Nordkorea hat er Japan und Südkorea den Rücken gestärkt. China ist seiner Darstellung nach dazu bereit, den Druck auf Pjöngjang weiter zu erhöhen. In dieser Hinsicht war seine Reise erfolgreich, wie Trump sich selbst sicherlich als erster bescheinigen würde. Damit wird allerdings die Frage, wie der Bedrohung Nordkoreas beizukommen ist, noch nicht unbedingt einfacher.

          Till  Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Auf der anderen Seite hat Peking die Gelegenheit genutzt, sich als ebenbürtige Macht gegenüber Amerika darzustellen. Trotz pompöser Empfänge und Schmeicheleien für den Gast bleibt der Eindruck, dass Amerika in dieser Region eine Macht auf dem Rückzug ist und China in Asien die Zukunft gehört. Auf wenig positive Resonanz stößt in Asien auch Trumps Absage an die bestehende multilaterale Handelsordnung. Trump mag auch hier die nationalistischen Gefühle des ein oder anderen angesprochen haben. Aber insgesamt gehörte die Region zu den Profiteuren des bestehenden Handelssystems.

          Die elf Anrainer-Staaten, die nach dem Rückzug noch übrig geblieben sind, einigten sich deshalb sogar noch während seines Aufenthalts, das pazifische Freihandelsbündnis TPP unter einem anderen Namen prinzipiell auch ohne die Vereinigten Staaten fortzuführen. Dies verstärkt noch den Eindruck, dass Asien sich mehr oder weniger unabhängig von Amerika weiterentwickeln wird. Darüber hinaus hat man gelernt, dass die Missachtung von Demokratie und Menschenrechten für Trump kein Thema ist. Ungeniert verbrüderte sich Trump etwa mit dem philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte, dessen „Drogenkrieg“ viele Menschen das Leben gekostet hat.

          Am Ende ist die Region dann doch fast genauso ratlos über die Richtung, die seine Präsidentschaft für sie vorgeben wird, wie vor Trumps Reise. Es bleibt vor allem die Frage, ob die Trump-Regierung in der Lage sein wird, ein eigenes Asien-Konzept zu entwickeln, wie es der Vorgänger Barack Obama mit seinem „Pivot“ („Hinwendung“) versucht hatte. Ansätze dafür könnten womöglich in der mehrfachen Verwendung des Begriffs „Indo-Pazifik“ durch Trump zu finden sein. Der Präsident benutzte ihn mehrfach demonstrativ anstelle der geläufigen Bezeichnung „Asien-Pazifik“.

          Seine Regierung versucht damit, eine neue Sichtweise auf Asien zu etablieren, die Indien eine stärkere Rolle zuweist – vor allem gegenüber China. Geliehen hat sich die Trump-Regierung das Konzept von japanischen und australischen Außenpolitikern, die es schon seit Jahren mit sich herumtragen. Das ist nicht ganz zufällig, denn der Begriff ist auch eng mit der Idee einer engeren Zusammenarbeit zwischen Amerika, Australien, Indien und Japan verbunden. Die vier Länder teilen demokratische Werte und einen Fokus auf Verteidigung. Auf eine Erklärung der außen- und sicherheitspolitischen Ausrichtung des Konzepts hat Trump allerdings verzichtet. Darauf wird die Region wohl noch eine Weile warten müssen. Doch auch Obamas „Pivot“ war nicht über Nacht entstanden.  

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          Quelle: FAZ.NET

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