http://www.faz.net/-gpf-8zc3n
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren

Veröffentlicht: 30.06.2017, 20:42 Uhr

Donald Trumps Angriffe Der Skandal als Dauerzustand

Wieder sorgt Donald Trump mit Angriffen auf Journalisten für einen Skandal. Die Betroffenen drohen neue Enthüllungen an. Hat der Präsident Medienvertreter erpressen lassen?

von Frauke Steffens, New York
© dpa Donald Trump im Weißen Haus

„Ein zerbrechliches und kindliches Ego“ – so beschreibt Mika Brzezinski am Freitagmorgen ihren Eindruck von Donald Trump. Brzesinski moderiert die Sendung „Morning Joe“ auf MSNBC. Sie war zuvor das jüngste Opfer der Twitter-Ausbrüche ihres Präsidenten geworden. Dort musste die Journalistin sich von Trump als „low-IQ crazy Mika“, als Verrückte mit einem niedrigen Intelligenzquotienten, bezeichnen lassen. Den anderen Moderator der Sendung, Brzezinskis Verlobten Joe Scarborough, betitelte Trump als „Psycho-Joe“. Doch der Präsident ließ es nicht dabei bewenden. Er behauptete, Scarborough und Brzezinski hätten ihn während eines Aufenthalts in seinem Golf-Club „Mar a Lago“ in Florida unbedingt treffen wollen. Trump schrieb über Brzezinski: „Sie hat schlimm geblutet von einem Facelifting. Ich habe nein gesagt!“ Mehrere Zehntausend Menschen markierten die Aussage auf Twitter mit „Gefällt mir“, aber sie entsetzt Gegner wie Unterstützer von Trump.

„Das ist für mich ganz offensichtlich kein angemessener Kommentar“, sagte der Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, Paul Ryan. „Was wir hier versuchen, ist, unseren Umgangston zu verbessern. Wir versuchen, unsere Diskussionen zivilisiert zu führen. Und das hier hilft dabei nicht.“ CNN, Haupt-Konkurrent von MSNBC, veröffentlichte eine Solidaritätserklärung. Selbst dem Präsidenten gewogene Journalisten sahen eine Grenze überschritten. „Ist das wirklich nötig?“ fragte Bill Hemmer von Fox News. Trumps Sprecherin Sarah Sanders verteidigte ihren Chef: „Sie können nicht erwarten, dass der Präsident sich jeden Tag persönliche Attacken anhört und sich nur zurücklehnt“, sagte sie. „Das amerikanische Volk hat einen Kämpfer gewählt, keinen, der sich zurücklehnt und nichts tut. Sie wussten, wen sie kriegen, als sie Donald Trump wählten.“

„Das muss aufhören“

Brzezinski und Scarborough erhoben in ihrer Sendung am Freitag und in einem Kommentar in der „Washington Post“ indes schwere Vorwürfe gegen den Präsidenten. Nicht nur sei sein Angriff sexistisch. Das Weiße Haus habe auch versucht, kritische Berichterstattung zu verhindern. Ranghohe Mitarbeiter von Trump hätten das Paar gewarnt, dass der „National Enquirer“ eine negative Geschichte über sie veröffentlichen würde. Der Präsident soll mit dem Chef des Blatts befreundet sein. Die Trump-Mitarbeiter hätten gesagt, der Artikel werde veröffentlicht, wenn sie nicht den Präsidenten bitten würden, das zu verhindern – verbunden mit einer Entschuldigung für negative Berichterstattung. Trump reagierte umgehend auf Twitter: Lügen seien das. Scarborough drohte daraufhin mit Enthüllungen. Er habe gespeicherte Textnachrichten und Telefon-Unterlagen, die seine Vorwürfe bewiesen.

© Twitter

Dass Trump direkt versucht haben soll, die kritische Berichterstattung von „Morning Joe“ zu verhindern, ist ein schwerer, bislang unbewiesener Vorwurf. Trump attackiert die Presse indessen regelmäßig – auf Twitter, in Person und über seine Sprecher. Dabei bezeichnet er Medien von CNN bis zur „New York Times“ als „Fake News“ und dankt gern mal Fox News für die „hervorragende Berichterstattung“. Als CNN kürzlich eine Geschichte korrigieren musste, feierte der Präsident das als Beweis für die allgemeine Unglaubwürdigkeit des Senders. CNN hatte berichtet, dass gegen eine mit Trump verbundene Bank ermittelt werde. Das war nicht der Fall. Aber Trump unterstellt Journalisten pauschal, unabhängig vom Anlass „fake news“ zu verbreiten. So hat noch kein Präsident versucht, Medienvertreter zu diskreditieren.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite

Falsche Sicherheit

Von Daniel Deckers

Es wäre schlimm, wenn wir es in Spanien mit einem neuen Radikalisierungsmuster der Terroristen zu tun hätten. Es wäre noch schlimmer, sollten die Sicherheitskräfte die Öffentlichkeit in falscher Sicherheit wiegen. Mehr 0