Deren Job ist in den Vereinigten Staaten von der Verfassung geschützt. Fakten zu recherchieren und in einen größeren Zusammenhang zu bringen, zu fragen, wer welche Interessen hat, und die Regierungsarbeit kritisch zu begleiten, das ist auch in den Augen der meisten Politiker auf dem Capitol Hill die Aufgabe von Journalisten. Aber Trump sieht das wohl anders.
Mika Brzezinski etwa hatte dem Präsidenten vorgeworfen, „jeden Tag“ zu lügen und das Land zu zerstören. Eine harte Kritik, aber durchaus nicht ungewöhnlich in der Debatte dieser Tage, in der etwa die „New York Times“ eine Liste mit „Trumps Lügen“ veröffentlichte. In der Sendung „Morning Joe“ wurde auch über gefälschte Time-Magazine-Cover gewitzelt, die der Präsident in seinem Golfclub aufgehängt hatte. Moderatorin Mika Brzezinski sagte nun, es sei „unfassbar alarmierend“, dass der Präsident so leicht zu provozieren sei. Und Joe Scarborough setzte hinzu: „Uns geht es gut, aber dem Land nicht.“
Denn genau diese Angriffe muss ein Präsident in einer Demokratie aushalten können. Die Gefahr liegt dabei vermutlich weniger in einer möglichen totalitären Wendung, denn dazu ist die amerikanische Presse zu vielfältig und zu gut aufgestellt – außerdem haben auch viele Republikaner keinerlei Interesse an den kaum kaschierten Zensurwünschen ihres Präsidenten. Und Trump scheint den liberalen Medien selbst eher einen Motivationsschub zu bringen. Viel gefährlicher dürfte der Effekt auf die Wähler sein. Die Attacken von Trump brandmarken einen Großteil der Presselandschaft als vertrauensunwürdig und stärken Organe wie die Website „Breitbart“, die der Präsident als seriöse Nachrichtenquelle zitiert. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass diese Attacken bei vielen seiner Anhänger einen verstärkenden Effekt haben.
Doch nicht nur der Angriff auf die freie Presse sorgt für Ärger. Viele Republikaner sind auch wegen des offensichtlichen Sexismus Trumps aufgebracht: Während ihr Verlobter „nur“ als verrückt bezeichnet wird, muss Mika Brzezinski sich eine Beleidigung wegen eines angeblichen Facelifts anhören. Ein neuer Tiefpunkt auch in den Augen vieler Republikaner. Senatorin Susan Collins twitterte: „Das muss aufhören! Wir alle haben einen Job zu machen, Regierung und Medien. Wir müssen einander nicht verstehen, aber wir müssen einander zivil und mit Respekt behandeln.“
Überrascht dürfte aber eigentlich niemand sein. Als Donald Trump im Wahlkampf nach vielen anderen Ausfällen auch noch mit einem Mitschnitt konfrontiert war, in dem er mit sexueller Belästigung von Frauen prahlte („Grab them by the pussy!“) distanzierten sich zwar einige Republikaner deutlich von ihm; sie unterstützten aber weiterhin seine Kampagne. Spätestens da dürfte eigentlich allen klar gewesen sein, wen die Republikaner zum Präsidenten machen wollten.