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Kurzbesuch in Paris : Trumps willkommene Ablenkung

  • -Aktualisiert am

Der französische Koch Alain Ducasse bittet die Trumps und Macrons im Pariser Eiffelturm zu Tisch. Bild: dpa

Donald Trump genießt die Stadt der Liebe – ganz kurz zumindest. Doch nach der Stippvisite muss er sich wieder um die wachsenden Probleme zu Hause kümmern.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump liebt Militärparaden – wenig überraschend bei seinem Hang zu großen Worten und Gesten. Eigentlich sollte er gar nicht zum französischen Nationalfeiertag am 14. Juli kommen, der an den Sturm auf die Bastille 1789 und in diesem Jahr auch an den Eintritt der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg vor einhundert Jahren erinnert. Doch der französische Präsident Emmanuel Macron erzählte Trump am Telefon vom Ablauf der Feierlichkeiten in Paris. Kampfflugzeuge, Militärfahrzeuge, tausende Soldaten – so ein Spektakel hätte der amerikanische Präsident Berichten zufolge bei seiner Amtseinführung auch gern organisiert. Trump sagte zu. Der in aller Eile organisierte Trip dauert nur 27 Stunden – und bietet Trump nicht nur eine Gelegenheit, schöne Bilder von sich, seiner Ehefrau Melania und dem französischen Präsidentenpaar zu bekommen. Er lenkt auch ein wenig ab von den immer neuen Konflikten und Enthüllungen in Amerika. Auch, wenn das Verhältnis zu Emmanuel Macron alles andere als entspannt ist – man denke etwa an dessen Einladung an amerikanische Wissenschaftler als Reaktion auf Trumps Ausstieg aus dem Klimaschutzvertrag – die zu erwartenden Spannungen in Paris sind nichts gegen das, was Trump zu Hause erwartet.

          Eine Pause in Sachen Russland-Affäre gab es für den Präsidenten am ersten Tag seines Paris-Besuchs nicht. Neben Besichtigungstouren und einem Essen im edlen Restaurant „Le Jules Verne“ stand auch eine Pressekonferenz auf dem Programm. Hier verteidigte Trump abermals seinen Sohn Donald junior, weil dieser im Wahlkampf ein Treffen mit der russischen Anwältin Natalia Wesselnitzkaja organisiert hatte, die vermeintlich belastendes Material über Konkurrentin Hillary Clinton liefern sollte. „Viele andere Leute hätten so einem Treffen auch zugestimmt, es ist eine übliche Sache“, sagte der amerikanische Präsident. Die Medien, die er vorher schon auf Twitter neuerlich einer „Hexenjagd“ bezichtigt hatte, hätten alles aufgebauscht, so Trump.

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          Die Stimmung wird schlechter

          Zu Hause sehen das viele anders. Besonders der Schwiegersohn und Berater des Präsidenten, Jared Kushner, gerät immer mehr unter Druck. Er erhielt schließlich einen Teil der E-Mails, mit denen Donald Trump jr. und Mittelsmann Rob Goldstone das Treffen mit der russischen Anwältin Wesselnitzkaja vereinbarten. Und Kushner nahm mit Trump junior und dem damaligen Kampagnenmanager Paul Manafort daran teil, gehört also zu den wenigen Personen, die überhaupt wissen, was genau besprochen wurde. Kushner soll jetzt genau wie Manafort Rede und Antwort vor dem Geheimdienstausschuss des Senats stehen. Gerade wurde bekannt, dass der Mann von Trump-Tochter Ivanka die Liste seiner Auslandskontakte, die er für seinen Job im Weißen Haus einreichen musste, dreimal veränderte. Nun stehen um die hundert Kontakte darauf. Und die russische Anwältin Natalia Wesselnitzkaja soll ebenfalls nachträglich eingefügt worden sein, berichtet CNN.

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          Unterdessen berichten Insider, dass die Stimmung im Weißen Haus immer schlechter werde. Das liegt nicht zuletzt an gegenseitigen Verdächtigungen. Schließlich veröffentlichte Donald Trump junior die inkriminierenden Mails nicht nur, weil er „transparent“ agieren wollte, wie er sagte. Er wollte damit auch der Berichterstattung der „New York Times“ zuvorkommen, die ihn mit dem Schriftverkehr konfrontierte. Bleibt also die Frage, wer die Mails an die Zeitung weitergab. Journalisten, die über die Stimmung im Umfeld des Präsidenten berichten, erhalten ebenfalls anonyme Informationen – das dürfte die Atmosphäre nicht verbessern.

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