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Trump gegen Clinton : Missbrauchsvorwürfe als Wahlkampfwaffe

  • -Aktualisiert am

Die Kandidaten für das Amt des Präsidenten bei der zweiten Fernsehdebatte Bild: AP

Donald Trump hat vor dem zweiten TV-Duell vier Frauen präsentiert, die Bill Clinton sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung vorwerfen. Doch auch gegen Trump werden derartige Vorwürfe laut. Was ist dran an den Geschichten?

          Als Kathy Shelton am Sonntag kurz vor der zweiten TV-Debatte zusammen mit Donald Trump eine Pressekonferenz gab, hatte die würdelose Schlammschlacht um das Amt des amerikanischen Präsidenten einen neuen Tiefpunkt erreicht. Kathy Shelton hegt einen langen Groll auf Hillary Clinton. 1975, im Alter von zwölf Jahren, wurde sie vergewaltigt, doch der Täter wurde dafür nicht belangt. Er hatte einen weiblichen Verteidiger verlangt, da er sich dadurch bessere Chancen vor Gericht erhoffte. Dem mittellosen Mann wurde die damals 27 Jahre alte Anwältin Hillary Rodham zugeteilt.

          Mittlerweile werden im Wahlkampf aus beiden Kandidatenlagern Vergewaltigungs- und Missbrauchsvorwürfe erhoben. Dass Donald Trump Frauen gegenüber chauvinistisch und respektlos auftritt, ist nicht erst seit dem Videomitschnitt bekannt, den die Washington Post kürzlich veröffentlichte. Und dass Hillary Clintons Ehemann Bill ebenfalls kein Kind von Traurigkeit ist, weiß die Welt spätestens seit seiner Affäre mit der im Weißen Haus beschäftigten damaligen Praktikantin Monica Lewinsky in den späten neunziger Jahren.

          Vier Frauen für Trump

          Seit einigen Monaten melden sich immer wieder Frauen in verschiedenen Medien zu Wort, die behaupten, von Bill Clinton oder Donald Trump sexuell belästigt oder missbraucht worden zu sein. Die Kandidaten nutzen die Anschuldigungen ihrerseits, um sich gegenseitig zu diffamieren. Höhepunkt dieser Schlammschlacht war die Pressekonferenz des Trump-Lagers rund zwei Stunden vor der zweiten TV-Debatte am Sonntag, auf der auch Kathy Shelton Vorwürfe erhob. Unter dem Druck, von der skandalösen Aufnahme aus dem Jahr 2005 abzulenken, nach deren Veröffentlichung sich mehrere republikanische Spitzenpolitiker von Trump distanziert hatten, präsentierte Donald Trump vier „mutige Frauen, die darum gebeten haben, hier zu sein.“ Neben Shelton noch Kathleen Willey, Paula Jones und Juanita Broaddrick.

          Die Frauen werfen Bill Clinton Vergewaltigung und sexuelle Belästigung vor. Und Hillary wird beschuldigt, sie habe ihren Ehemann gedeckt. Es lohnt sich, genauer hinzusehen. Denn die Vorwürfe polarisieren in Amerika. Clinton habe nicht nur ihren „Vergewaltiger-Ehemann“ geschützt, sondern auch einen Vergewaltiger befreit, heißt es auf republikanischen Blogs. Aber von vorne.

          Der Fall Kathy Shelton

          Glaubt man republikanischen Trump-Anhängern, verlief die Geschichte folgendermaßen: Die Anwältin Clinton, damals unter ihrem Mädchennamen Rodham, habe den damals 47 Jahre alten Täter freiwillig verteidigt, behauptete im Gericht, das Mädchen habe sich die Vergewaltigung ausgedacht, da sie sich zu älteren Männern hingezogen fühle. Clinton habe den Vergewaltiger „befreit“ und 1980 in einem Interview zugegeben, sie habe gewusst, dass der Mann schuldig war, und sich darüber auch noch amüsiert. Kathy Shelton kritisiert Hillary Clinton dafür, sich öffentlich als Präsidentschaftskandidatin für Frauen und Mädchen einzusetzen, ihrem Peiniger aber geholfen zu haben, einer langen Haftstrafe zu entgehen.

          Das Opfer kann man verstehen. So weit sich die Tat mehr als vierzig Jahre später rekonstruieren lässt, scheint es sehr glaubhaft, dass die Vergewaltigung wie behauptet stattgefunden hat. Der Täter bekam jedoch lediglich eine Haftstrafe von zehn Monaten. Dahinter steckt allerdings offenbar weniger eine böse Absicht Clintons, als vielmehr ein Justizfehler. Clinton widerspricht dem Vorwurf, den Fall freiwillig übernommen zu haben. In ihrer Biografie „Gelebte Geschichte“ schrieb sie 2003, sie haben den Fall erst ablehnen wollen, aber musste der Forderung des Richters nachgeben. Der damals in den Fall involvierte Staatsanwalt, Mahlon Gibson, bestätigte diese Darstellung.

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