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Veröffentlicht: 17.03.2017, 21:57 Uhr

Trump trifft Merkel Erst verkrampft, dann versöhnlich – aber völlig verschieden

Ihre Gesten wirken bemüht, doch Donald Trump und Angela Merkel betonen die Partnerschaft zwischen ihren Ländern. Politische Differenzen sind dennoch deutlich erkennbar. Auch Irritationen gibt es mehrfach.

von Simon Riesche, Washington
© dpa Nicht ganz auf einer Wellenlänge: Merkel und Trump geben sich bemüht – doch die Unterschiede sind deutlich zu erkennen.

„Awkward“ ist ein Wort, das Amerikaner oft und gerne verwenden. Es kann „peinlich“, aber auch „unangenehm“ oder „ungeschickt“ bedeuten. Viele amerikanische Journalisten waren sich einig: Der erste gemeinsame Auftritt von Donald Trump und Angela Merkel im Oval Office sei ein „awkward moment“ gewesen.

Stumm sitzen der amerikanische Präsident und die deutsche Kanzlerin nebeneinander. Sie dreht sich immer wieder zu ihm, er starrt lange gerade aus. Merkel gibt sich schließlich einen Ruck: Sie habe einen „freundlichen Empfang“ erlebt, sagt sie. Nachdem die Begrüßung draußen relativ knapp ausgefallen war, fordern Fotografen einen neuerlichen Handschlag. Auch die Kanzlerin fragt leise danach, doch Trump reagiert nicht. Bewusste Geste oder Missverständnis? Während Körpersprache-Experten zu diesem Zeitpunkt bereits genug gesehen haben wollen, warten alle anderen Beobachter gespannt auf die ersten ausführlichen Wortmeldungen des Tages.

Erst einmal Freundlichkeiten austauschen

Im Treffen mit Wirtschaftsvertretern beider Staaten, an dem auch Trumps Tochter Ivanka teilnimmt und direkt neben Merkel sitzt, lobt der Präsident vor allem das deutsche Ausbildungssystem. „Apprenticeship“, das englische Wort für Ausbildung, gefalle ihm, scherzt der Präsident. Kein Wunder: Seine langjährige Reality-TV-Sendung trug den Titel „The Apprentice“.

Dann folgt die mit Spannung erwartete Pressekonferenz. Würde sich Trump für die harten und oft auch beleidigenden Worte, mit denen er Merkel im Wahlkampf mit Bezug auf Deutschlands Flüchtlingspolitik bedacht hatte, entschuldigen? Würde Merkel, die zuletzt vor allem Trumps Einreiseverbote für Menschen aus mehreren überwiegend muslimisch geprägten Staaten scharf kritisiert hatte, auf den Präsidenten zugehen?

45368184 Herzlicher Händedruck? Merkel und Trump im Anschluss an ihre gemeinsame Pressekonferenz © AFP Bilderstrecke 

Wie erwartet, versuchen beide Regierungschefs in ihren Statements zunächst vor allem gemeinsame Interessen zu betonen und Freundlichkeiten auszutauschen. Merkel erinnert an den Marshall-Plan, mit dem die Vereinigten Staaten Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg halfen. Trump dankt den Deutschen für ihr Engagement in Afghanistan und nennt das deutsch-amerikanische Verhältnis eine „Freundschaft, die auf gemeinsamen Werten beruht“. Merkel ergänzt: „Es ist immer besser, miteinander statt übereinander zu reden“. Ein kleiner Seitenhieb auf Trumps Twitter-Lästereien? Vielleicht, vielleicht auch nicht. „Wir werden Hand in Hand zusammenarbeiten“, sagt Merkel. Trump nickt.

„Ich bin ein starker Befürworter der Nato“, sagt Trump und bekräftigt gleichzeitig die amerikanische Forderung, dass die Finanzierung des Bündnisses besser zwischen den Mitgliedsstaaten verteilt werden müsse. Merkel nimmt den Ball auf und versichert, dass Deutschland seinen Militärhaushalt auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufstocken werde.

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Trotz des freundlichen Tons, der auf viele Kommentatoren zuweilen doch etwas verkrampft wirkt, treten jedoch auch viele Unterschiede in Bezug auf politische Positionen, zumindest aber Prioritäten zutage. Während Merkel sich als begeisterte Europäerin präsentiert und immer wieder für internationale Zusammenarbeit und Entwicklung wirbt, spricht Trump fast nur über Amerika. Man dürfe sich nicht abschotten, sagt die Bundeskanzlerin. „Immigration ist ein Privileg, kein Recht“, sagt der Präsident.

Nein, „ein Isolationist“ sei er trotzdem nicht, erklärt Trump. Er setze sich für freien Handel, vor allem aber für „fairen Handel“ ein. Zuletzt seien die Vereinigten Staaten allerdings oft unfair behandelt worden. Immerhin: Von Strafzöllen, wie sie zuletzt vom Trump-Lager auch gegenüber Deutschland angedroht wurden, ist keine Rede. Die Wortwahl ist durchaus versöhnlich und kompromissbereit, wenn auch wenig konkret. „Wir wollen Fairness, keine Siege“, so Trump.

© dpa, reuters Mitte März: Merkels erstes Treffen mit Trump

Recht ruppig reagiert der Präsident auf zwei Fragen deutscher Medienvertreter. „Das ist ja ein nette, freundliche Reporterin“, sagt er ironisch, als ihn eine Journalistin der Deutschen Presse-Agentur fragt, ob er sich vor vielfältiger Berichterstattung fürchte. „Ich weiß nicht, welche Zeitung Sie lesen, aber das ist mal wieder ein Beispiel für Fake News.“

Als ihn dann noch ein Korrespondent der Zeitung „Die Welt“ auf seine fragwürdigen Bespitzelungsvorwürfe gegenüber Präsident Obama anspricht, wirkt er gereizt, versucht es aber zur Abwechslung mal mit Humor. Was das Abhören durch die letzte Regierung betreffe, „haben wir zumindest etwas gemeinsam“, sagt er und schaut in Richtung Merkel. Deren Handy hatte bekanntlich einst der amerikanische Geheimdienst NSA angezapft.

Doch die eigenwillige Charme-Offensive verpufft: Die Bundeskanzlerin lacht nicht, macht nur ein irritiertes Gesicht. „Awkward“, sagen die Amerikaner in solchen Momenten.

In Putins Diensten

Von Berthold Kohler

Wenn Gerhard Schröder den Posten bei Rosneft annimmt, macht sich ein früherer deutscher Bundeskanzler zum Handlanger eines autoritären Systems. Die Schande eines solchen, sich weder um persönlichen Ruf noch politische Sitte scherenden Seitenwechsels träfe auch die SPD. Mehr 277

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