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Aktualisiert: 11.08.2017, 08:43 Uhr

Mutmaßliche Russlandkontakte  Trump: „Manafort ist ein sehr anständiger Kerl“

Donald Trump hat sich erstmals zur Hausdurchsuchung im Zuge der Russland-Ermittlungen bei seinem früheren Wahlkampfmanager geäußert. Sonderermittler Robert Mueller verstärkt den Druck auf Manafort und dessen Umfeld.

von Frauke Steffens, New York
© Reuters Donald Trump, hier noch als Präsidentschaftskandidat, mit seinem damaligen Wahlkampfmanager Paul Manafort und Tochter Ivanka bei einer Veranstaltung in Cleveland im Juli 2016

„Ich fand immer, dass Paul Manafort ein sehr anständiger Kerl ist”, sagte der amerikanische Präsident Donald Trump Reportern in seinem Golfklub in New Jersey am Donnerstag. „Er ist wie viele andere Leute, bekommt Honorare aus Beraterverträgen an vielen verschiedenen Stellen, wer weiß.“ Zu der nun bekannt gewordenen Hausdurchsuchung bei seinem ehemaligen Wahlkampfmanager Manafort sagte Trump: „Ich weiß nicht, aber ich finde, das ist schon ziemlich hart, mit so etwas aufgeweckt zu werden, vielleicht war seine Familie dabei.“

Die Aktion, die Sonderermittler Robert Mueller im Zuge der Untersuchung der Russland-Kontakte von Trumps Team veranlasst hatte, sei ein „starkes Signal“, so der Präsident. Mit Manafort selbst habe er schon lange nicht mehr gesprochen. Auf die Frage, ob er mit Justizminister Jeff Sessions über die Durchsuchung geredet habe, antwortete Trump: „Das habe ich nicht. Aber das früh morgens zu tun, ob das angemessen ist oder nicht, müssen Sie sie (das Ministerium und das FBI) fragen.“

Der Präsident sagte auch, er habe Sonderermittler Mueller niemals entlassen wollen. „Ich habe mir keine Gedanken darüber gemacht. Natürlich habe ich gelesen, dass Sie schreiben: Ich werde ihn feuern. Nein, ich feuere niemanden. Ich meine, ich möchte, dass die mit ihrer Aufgabe vorankommen.“

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Trumps Anwalt John Dowd fand unterdessen drastischere Worte für das Vorgehen des Sonderermittlers: Die Durchsuchung im Morgengrauen sei ein Missbrauch des juristischen Verfahrens und nur auf den Schockeffekt ausgerichtet – solche Methoden erwarte man normalerweise „eher in Russland und nicht in Amerika“.

Das FBI muss in einer Stellungnahme an den Richter, der den Durchsuchungsbefehl ausspricht, darlegen, was man gegen den Betroffenen in der Hand hat. Doch Dowd zweifelte gegenüber Fox News an, dass bei diesem Prozess alles mit rechten Dingen zugegangen sei.  

Muellers Team fordert Bankinformationen an

In Paul Manaforts Haus in Alexandria hatte das FBI am 26. Juli 2017 Dokumente und anderes Material sichergestellt, das Aufschluss über dessen Kontakte nach Russland und in die Ukraine geben soll. Die Bundespolizei kündigte sich nicht an, sondern kam am frühen Morgen mit einem richterlichen Durchsuchungsbefehl – ein unerwartet aggressives Vorgehen, das Manafort daran hindern sollte, Material zu verstecken. Einen Tag später war sein Termin vor dem Justizausschuss des Senats, tags zuvor hatte er sich freiwillig mit Angehörigen des Geheimdienstausschusses im Senat getroffen.

Manafort war von März bis August 2016 Trumps Kampagnen-Chef und trat zurück, weil er seine Kontakte nach Russland verschwiegen hatte. Er könnte durch die Untersuchung von Robert Mueller viele verschiedene Probleme mit dem Gesetz bekommen. Die meisten seiner Geschäfte mit russischen Politikern und Oligarchen machte er aber schon lange vor Trumps Wahlkampf. So arbeitete Manafort jahrelang als Berater für Regierungen, Unternehmen und Privatpersonen.

© Opinary

Unter seinen vielen Klienten – die er zu spät anzeigte – war die pro-russische Partei von Viktor Janukowitsch in der Ukraine, für deren PR-Arbeit Manaforts Firma mehr als 17 Millionen Dollar kassierte. Kein anderer Trump-Vertrauter hat mit der Vertretung von Kreml-freundlichen Interessen so viel Geld verdient wie Manafort. Er beteuerte aber stets, dass diese Jobs nichts mit seiner späteren Tätigkeit für Trump zu tun hätten.  

Im Dienste eines russischen Oligarchen?

Ein anderer Kontakt nach Russland könnte jetzt ebenfalls von Interesse für Sonderermittler Mueller sein. So soll Manafort im Jahr 2006 einen Vertrag mit dem russischen Aluminium-Milliardär Oleg Deripaska unterschrieben haben, der ihm jährlich zehn Millionen Dollar einbringen sollte. Deripaska gilt als einer der russischen Oligarchen, die Präsident Wladimir Putin am nächsten stehen. Laut einer Recherche der Nachrichtenagentur AP vom März 2017 habe die Geschäftsbeziehung zwischen ihm und Manafort mindestens bis 2009 gedauert.

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