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Veröffentlicht: 05.12.2016, 14:01 Uhr

Trumps digitale Kampagne Das Ende des Wahlkampfs, wie wir ihn kennen

Nach und nach wird bekannt, mit welcher technologischen Unterstützung Trump gewonnen hat. Es war eine Kampagne kunstvoller digitaler Manipulation. Schon interessieren sich Europas Populisten für seine Strategien.

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© dpa Wer eine Wahl gewinnen musste, musste früher die Übermacht im Fernsehen und im Radio erlangen. Heute geht es um die Übermacht in den sozialen Netzwerken.

Es ist erst ein paar Wochen her, da belächelte noch halb Amerika Donald Trump als digitalen Analphabeten; einen Mann, dessen Mailverkehr daraus bestand, seinen Assistenten handgeschriebene Zettel zu reichen, und dessen digitale Fertigkeiten sich darin erschöpften, ungeschminkte Sätze über den Kurznachrichtendienst Twitter ins Netz zu blasen. Seine Rezeptur erschien simpel: Er konzentrierte sich aufs Poltern, Ätzen und Verletzen, für die Verbreitung sorgten andere. Die liberalen Medien transportierten ihre Empörung in einer endlosen Zahl von Artikeln. Und rechte Revolver-Seiten wie das Portal „Breitbart“ übernahmen die lautstarke Verbreitung von Attacken, Halbwahrheiten und Lügen.

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Nun, nach seinem Sieg, werden nach und nach die Details einer lange gut getarnten digitalen Wahlkampfmaschinerie bekannt, die Trumps Erfolg nach Ansicht amerikanischer Politikstrategen maßgeblich befördert hat. Sie ringt seinen härtesten Konkurrenten Respekt ab und lehrt alle, die an traditioneller Politikvermittlung hängen, das Fürchten. Galten zunächst die Demokraten als die Meister des digitalen Wahlkampfes, so zeigt sich, dass Trumps Leute Methoden der Online-Vermarktung angewandt haben, die so konsequent wohl noch nie in der Politik genutzt wurden. Schon sollen italienische, französische und deutsche Populisten bei Trumps Dienstleistern Interesse signalisiert haben.

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Was dem designierten amerikanischen Präsidenten gelang, war die Verbindung von klassischen hochemotionalen Wahlkampfauftritten mit den modernsten Mechanismen der digitalen Welt: Viralen Verbreitungsstrategien aus den Notebooks der perfidesten Online-Vermarkter, eine in höchstem Maße personalisierte Ansprache und die emotionale Infektion seiner Anhänger. Es war eine einzigartige Symbiose aus Marketing, Facebook und digitalem Aufpeitschen.

Trumps digitale Geheimtruppe

Das Ausmaß seiner digitalen Strategie wurde erst nach der Wahl offenbart, dank verschiedener Veröffentlichungen der „New York Times“, von „Forbes“ oder auch dem Schweizer „Magazin“. Demnach hatte Trump über Monate eine digitale Geheimtruppe beschäftigt, die ihn nach allen Regeln der Kunst unterstützte. Sie bestand aus Psychologen, Marketingspezialisten und Nerds, sie wurde geleitet von seinem engsten Vertrauten Jared Kushner, dem 35 Jahre alten Immobilientycoon und Ehemann seiner Tochter Ivanka. Er brachte offenbar genau das mit, was dem Präsidentschaftskandidaten so dringend fehlte: „Jared verstand die Online-Welt in einer Weise, wie es den traditionellen Medien-Leuten nicht gelang“, sagt ausgerechnet Eric Schmidt, der frühere Google-Chef und Unterstützer der digitalen Kampagne von Hillary Clinton. „Er schaffte es, mit kleinem Budget eine Präsidentschafts-Kampagne zu starten und mit neuester Technologie zu gewinnen. Das ist ein großes Ding.“

43692286 © AFP Vergrößern Trumps Mann für den digitalen Wahlkampf: Schwiegersohn Jared Kushner

Was selbst den Google-Mann in Erstaunen versetzte, war die kompromisslose Ausbeutung der Nutzerprofile von Millionen Amerikanern für wahlpropagandistische Zwecke. Während die Welt noch über den Einfluss von „Fake News“ auf das Wahlergebnis debattiert, wird offenbar, dass Kushner eine ganz andere Dimension der neuen Netzwelt erschlossen hat. „Ich habe einige meiner Freunde aus dem Silicon Valley angerufen, die besten Vermarkter der Welt, und gefragt, wie wir unsere Sache besser skalieren können“, verriet Kushner dem amerikanischen Magazin „Forbes“, dessen Journalisten als einzige mit dem öffentlichkeitsscheuen Multi-Millionär sprechen konnten, „und sie haben mir ihre Dienstleister verraten.“

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