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Verhältnis Washington-Berlin : Trumps Tiraden gegen Deutschland

  • -Aktualisiert am

Donald Trump teilt beim Nato-Gipfel in Brüssel wieder kräftig aus - vor allem gegen Deutschland. Bild: AP

Donald Trump poltert munter weiter gegen Deutschland. Seine Abneigung hat fast schon Tradition – und offenbar auch ganz persönliche Gründe.

          Erst bezeichnete Donald Trump Deutschland als „Gefangenen Russlands“ und sagte, die Deutschen seien abhängig von russischem Gas. Dann ging der amerikanische Präsident zwar dazu über, die großartige Beziehung beider Länder zu loben – doch der Schaden war angerichtet.

          In Amerika gab es viele kritische Reaktionen auf Trumps Ausfälle vor dem Nato-Gipfel in Brüssel. Orrin Hatch, republikanischer Senator aus Utah, ärgerte sich ϋber die Behauptung, dass Deutschland von Russland „total kontrolliert“ werde. „Ich bin damit nicht einverstanden, die Regierungen würden dem auch nicht zustimmen“, sagte Hatch. Von Kanzlerin Merkel habe er „die allerhöchste Meinung“. „Ich denke, Trump ist oft zu kritisch mit den anderen Parteien und das sollte er nicht sein.“

          Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein aus Kalifornien warnte, Trump unterminiere eine der wichtigsten Allianzen der Welt: „Nato-Länder haben seit fast siebzig Jahren an der Seite von Amerikanern gekämpft. Seine Beleidigungen schwächen unsere Sicherheit und untergraben unsere Interessen.“ Die Anführer der Demokraten im Kongress, Nancy Pelosi und Chuck Schumer, veröffentlichten eine entsprechende Erklärung: Trumps Angriffe auf Deutschland seien eine Blamage und ein „zutiefst verstörendes Signal“.

          Der Stabschef und sein Frühstück

          Viele amerikanische Zeitungen reagierten ebenfalls kritisch. Die „Washington Post“ bezeichnete Trumps Verhalten als riskant, die „New York Times“ schrieb von Beleidigungen. Und viele Journalisten machten sich daran, die Körpersprache von Stabschef John Kelly zu entziffern. Während Trump in Brüssel über die Deutschen herzog, saß Kelly mit am Tisch und schien sich deutlich unwohl zu fühlen. Pressesprecherin Sarah Huckabee Sanders sah sich veranlasst klarzustellen, Kelly sei „unzufrieden gewesen, weil er ein komplettes Frühstück erwartete und es nur Käse und Gebäck gab.“

          Trump hatte es auch in der Vergangenheit an Schärfe gegenüber Deutschland nicht fehlen lassen – schon 2015 twitterte er, als Angela Merkel vom „Time“-Magazin zur „Person des Jahres“ gewählt wurde: „Ich habe Euch gleich gesagt, dass TIME mich nie zur Person des Jahres ernennen wird. Sie haben die Person gewählt, die Deutschland ruiniert.“ Damit meinte der damalige Präsidentschaftskandidat vor allem Merkels Flüchtlingspolitik. Seither benutzte er falsche und einseitige Berichterstattung über die vermeintlichen Folgen dieser Politik immer wieder für seine Agenda.

          Strafzölle als logische Konsequenz

          In Amerika glauben viele Menschen, dass Deutschland seine Grenzen für alle Flüchtlinge öffnete und deswegen ein riesiges Problem mit Kriminalität von Ausländern habe. Die Einschränkungen der deutschen und europäischen Aufnahmebereitschaft von Asylbewerbern sind Details, die, wenn sie überhaupt berichtet werden, verloren gehen – ebenso oftmals die Tatsache, dass die Kriminalitätsrate in Deutschland gesunken und nicht gestiegen ist.

          Donald Trump jedenfalls behauptete in einem Tweet, durch die Flüchtlinge würden in Deutschland zehn Prozent mehr Straftaten begangen. Seine Behauptungen untermauerte er nicht zum ersten Mal mit falschen Zahlen – auch in Brüssel sagte er, die Deutschen würden durch das Pipeline-Projekt Nord Stream 2 60 bis 70 Prozent ihrer Energielieferungen aus Russland beziehen, während die Regierung in Berlin den Anteil auf neun Prozent beziffert.

          Trump scheint Deutschland oftmals aus der Perspektive eines Geschäftsmannes wahrzunehmen, der einen unliebsamen Konkurrenten schwächen will. Das könnte auch erklären, warum er, wenn es um persönliche Treffen mit Angela Merkel und die allgemeine Beziehung beider Länder geht, wieder versöhnliche Töne anschlagen kann – wären beide geschäftliche Konkurrenten, könnte man sich schließlich trotzdem auf Partys und Kongressen gut verstehen.

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