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Vor Trump-Reise : Asiatischer Poker

  • -Aktualisiert am

Donald Trump, Kim Jong-un im August auf einem Fernsehschirm in Seoul Bild: AP

Ohne China, Südkorea und Japan kann Donald Trump den Nordkorea-Konflikt nicht befrieden. Auf seiner Asien-Reise muss er jetzt zeigen, dass er zu seinen Partnern steht. Ein Gastbeitrag.

          „Wir verbeugen uns nicht“, sagte einmal Donald Ensenat, Protokollchef unter George W. Bush, über das Verhalten der amerikanischen Delegation in Asien. Gerade dort spielen derartige Nuancen eine große Rolle – und deshalb muss nicht nur Donald Trumps Protokollchef vom 3. bis zum 14 November auf der Hut sein.

          Trumps Reise nach Asien ist die längste, zu der er bislang aufgebrochen ist, und die wohl wichtigste. Trump wird fünf asiatische Länder besuchen, darunter China, Südkorea und Japan. Ganz oben auf der Agenda: der Nordkorea-Konflikt und die Handelsbeziehungen zu China. Beim ersten Punkt geht es vor allem um Symbolik, beim zweiten um Substanz.

          Noch im Herbst warnte Trump Kim Jong-un vor der totalen Zerstörung und vor „Feuer und Zorn“. Auch wenn diese Worte gewohnt unpräsidial klangen, ist derlei Säbelrasseln nichts Besonderes. Tatsächlich war es diese aggressive Verhandlungstaktik, die im Kalten Krieg den Weltkrieg verhinderte: Greift bloß nicht an, sonst vernichten wir Euch.

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          Trump hat schon immer gesagt, dass er es für eine miserable Verhandlungstechnik hält, von vornherein Optionen auszuschließen – und er hat Recht: Macht man von Anfang an klar, dass man die Atombombe niemals verwenden würde, hätte man sie sich auch gleich sparen können. Dementsprechend twitterte er, dass hier „nur eine Sache funktioniert.“ Was, ließ er natürlich offen.

          Zudem gibt es ein Ungleichgewicht in den Verhandlungen Demokratie gegen Despotie. Pjöngjang muss lediglich CNN einschalten, um zu sehen, wie die amerikanische Politik tickt.

          Was in Nordkorea geschieht, ist aber ein Rätsel. Mit seiner aggressiven Rhetorik handelt Trump deshalb verhandlungstaktisch durchaus nicht unklug. Er schließt nichts aus, auch nicht den Dialog mit Nordkorea. „Warum nicht?“ antwortete er auf eine Frage dazu lapidar am Rande eines Treffens der Vereinten Nationen.

          Zu weit getrieben

          Allerdings hat es Trump zu weit getrieben: Er hat die Autorität seiner Regierung untergraben, er hat Kim Jong-un persönlich beleidigt und seine asiatischen Partner brüskiert, allen voran Südkorea. Trump teilt auf Twitter & Co aus, seine Administration rudert immer wieder zurück, relativiert und preist die Diplomatie – eine Art good cop, bad cop-Szenario. Das Problem ist nur, dass Trump eben kein Cop ist, sondern der Boss. Widerspricht er seinem Außenminister Rex Tillerson, so ist das keine Diskussion, sondern ein Rüffel, wie sein berühmter Tweet zeigte, in dem er Tillerson öffentlich riet, bloß nicht mit Nordkorea zu verhandeln: „Spar’ Dir die Mühe Rex, wir tun, was nötig ist!" Wie sollte Pjöngjang Tillerson jetzt noch ernst nehmen? Die asiatischen Partner dürften sich fragen, wie viel Autorität amerikanische Verhandlungspartner überhaupt haben, die nicht Trump heißen.

          Außerdem hat Trump den nordkoreanischen Diktator Kim persönlich beleidigt, was gerade im Umgang mit asiatischen Verhandlungspartnern höchst unklug ist. In seiner Rede vor den Vereinten Nationen im September stellte Trump den Potentaten Nordkoreas als „Little Rocket Man“ vor der Weltöffentlichkeit bloß, der laut einem von der CIA angefertigten psychologischen Profil ein außergewöhnlich großes Ego besitzt. Kim bezeichnete Trump daraufhin als „geistesgestörten, senilen US-Greis“.

          Das Gepolter des „US-Greises“ hat es damit praktisch unmöglich gemacht, dass Nordkorea sein Atomprogramm noch beenden wird. Auch ein  Zurückrudern ohne Gesichtsverlust ist für beide Seiten nun praktisch unmöglich. Ähnlich brachial verhielt sich Trump bereits mit seinen Äußerungen zur Isolation Katars. Statt Twitter und Wutreden hätte er sich auf die direkten Kommunikationskanäle zu Nordkorea besinnen sollen: auf Schweden, das die konsularische Vertretung der Vereinigten Staaten in Pjöngjang innehat und auf die nordkoreanische UN-Mission in New York mit deren Botschafter Ja Song Nam. Nun ist Trump mehr denn je auf die regionalen Partner angewiesen.

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