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Ende des Schutzprogramms : Für Zehntausende Haitianer tickt die Uhr

  • -Aktualisiert am

Eine Haitianerin demonstriert für einen längeren Aufenthaltsstatus. Bild: Reuters

Ein letztes Mal hat Donald Trump den Schutzstatus für Haitianer verlängert. Dann müssen Zehntausende zurück in ihre verarmte Heimat. Doch viele wollen für ihr Aufenthaltsrecht kämpfen – und manche könnten ihre Kinder zurücklassen.

          Auf den Straβen von Port-au-Prince jubelten einige Menschen, weil Donald Trump fast 60.000 in den Vereinigten Staaten lebenden Haitianern noch einmal für 20 Monate einen geschützten Status gewährt hat. „Lobet den Herren, Gott ist groβ“, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters eine Passantin. Ein junger Mann sagte: „Ich konnte meinen Ohren nicht trauen, so erleichtert war ich über die Nachricht.“ Er verlasse sich auf das Geld, was seine in Amerika lebenden Verwandten ihm schicken.

          Dass Haitianer ohne Einwanderungsvisum in den Vereinigten Staaten legal arbeiten und Geld nach Hause schicken können, liegt am vorübergehenden Schutzstatus TPS (Temporary Protected Status). Das Programm gibt es seit 1990. Es ist auf Zeit angelegt und für jene gedacht, die nach Naturkatastrophen oder aufgrund von Kriegen nicht in ihr Land zurückkehren können. 437.000 Menschen aus neun Ländern waren zuletzt durch TPS geschützt.

          Im Januar 2010 starben bei der Erdbeben-Katastrophe in Haiti 300.000 Menschen. Eine Million Menschen verloren ihr Zuhause. Damals gab Präsident Barack Obama den Haitianern zunächst achtzehn Monate lang den Schutzstatus. In der Folge wurde das Programm immer wieder verlängert. Die Trump-Regierung verlängerte es nun ein letztes Mal von Januar 2018 bis Juli 2019. Danach sollen die Haitianer in ihr Heimatland zurückzukehren.

          Das amerikanische Heimatschutzministerium begründete die Entscheidung damit, dass sich die Situation in dem Land seit dem Erdbeben verbessert habe. In Haiti wurde die Entscheidung von einigen positiv aufgenommen, da das Ende des Schutzstatus im Juli 2019 bedeutet, dass er zunächst um 20 weitere Monate aufrecht erhalten wird. Viele hatten mit einer kürzeren Verlängerung gerechnet, weil der damalige Heimatschutzminister John Kelly das Programm im Mai nur um sechs statt um die üblichen 18 Monate verlängert hatte. „Der haitianische Präsident begrüβt mit groβer Zufriedenheit die Verlängerung von TPS und dankt der Regierung von Präsident Trump“, sagte ein Sprecher des Präsidenten Jovenel Moise.

          Viele Haitianer sind enttäuscht

          Auch, wenn viele Haitianer erst einmal aufatmen können: Nach dem Willen der amerikanischen Regierung soll es die letzte Verlängerung sein. Und nicht alle stimmen Präsident Moise zu. Inzwischen haben die Haitianer in den Vereinigten Staaten Jobs angenommen, Familien gegründet, Existenzen aufgebaut. Kinder, die hier geboren wurden, sind zudem Amerikaner. Noch ist nicht bekannt, wie viele das betrifft. Einigermaβen verlässliche Zahlen gibt es aus Florida, wo die meisten Betroffenen leben. Hier sollen 32.500 Haitianer mit geschütztem Status leben, mit inzwischen 18.800 Kindern, die amerikanische Bürger sind. Sie können nicht deportiert werden.

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          Da viele Einwanderer in ähnlichen Situationen ihre Kinder bei Verwandten in Amerika lassen, um ihnen eine bessere Zukunft zu ermöglichen, haben viele Familien nun Angst vor unfreiwilligen Trennungen. Im Wahlkampf hatte Donald Trump bei einer Rede vor Haitianern versprochen: „Ich werde Euer gröβter Fürsprecher sein.“ Marleine Bastien, Direktorin der Organisation „Haitian Women in Miami“ sagte auf einer Pressekonferenz: „Die Entscheidung stürzt die Familien ins Chaos. Präsident Trump, Sie haben im Wahlkampf versprochen, die Haitianer zu schützen. Ist das Ihre Vorstellung davon?“

          Viele Daheimgebliebenen machen sich auch deswegen Sorgen, weil sich die in Amerika lebenden Landsleute zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt haben. Da sie legal arbeiten können, schicken viele von ihnen Geld an ihre Familien. Im Jahr 2016 kamen so 2,36 Milliarden Dollar ins Land. Die Situation in Haiti hat sich zwar seit dem verheerenden Erdbeben etwas verbessert, allerdings ist das Land trotz internationaler Hilfe immer noch eine der ärmsten Nationen der Welt. Etwa 2,5 Millionen Menschen, ein Viertel der Bevölkerung, leben hier von 1,23 Dollar am Tag und gelten damit als extrem arm. Die Vereinten Nationen beendeten gerade erst einen Friedenseinsatz mit zeitweise 10.000 Soldaten, nun sollen zivile Kräfte und Polizisten weiter beim Wiederaufbau helfen.

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