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Donald Trump im Wahlkampf : In Halbsatzgewittern

Donald Trump signiert in Manassas nicht nur Bücher, sondern auch ein Dekolletee. Bild: Reuters

Die Mauer, die sich viele Amerikaner von Trump ersehnen, soll sie nicht nur von Mexiko abschotten. Für viele ist der Baulöwe das beste Bollwerk gegen Dschihadisten und viele andere Übel der modernen Welt.

          Donald Trump unterbricht sich immerzu. Mitten im Satz sagt er „übrigens“, und statt die angefangene Geschichte über von Mexiko entsandte Vergewaltiger oder die Sehnsucht der Chinesen nach Trumps Immobilien zu Ende zu bringen, prahlt der Präsidentschaftskandidat plötzlich mit seinen Einschaltquoten, seinem Vermögen, der jüngsten Umfrage aus Iowa oder der Anmut seiner 34 Jahre alten Tochter Ivanka. Man gewöhnt sich daran. Selten drängt sich die Sorge auf, dass in dem Halbsatzsalat wichtige Informationen über politische Pläne untergehen.

          Andreas Ross

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Gegen Ende einer fast anderthalbstündigen Kundgebung in Virginia hörte man aber doch gern die zweite Hälfte eines Gedankens, den Trump so einleitet: „Wenn ihr vor zwei Wochen bei mir gewesen wäret, da war ich noch ganz anders, da habe ich die ganze Zeit über China geredet und über den Handel und die schlechten Deals und über die Firmen, die unser Land verlassen.“ So wie er bei „China“ oder „schlechte Deals“ Grimassen zieht, wirkt es beinahe so, als mache sich Trump über seinen eigenen Wahlkampf lustig oder über die Leute, die ihm seit Monaten an den Lippen hängen. Aber wie sieht er seine Kampagne jetzt, was macht er anders? Im Messezelt von Manassas ist das aus seinem Munde nicht mehr zu erfahren. Ein „Übrigens: Ich senke die Steuern für mittlere Einkommen“ kommt Trump dazwischen.

          Ist der Vorwahlkampf wirklich in eine neue Phase eingetreten? An der Spitze der Umfragen thront Trump einsam wie eh und je. Die jüngste CNN-Befragung sieht ihn gar bei 36 Prozent Zustimmung im Republikaner-Lager, zwanzig Punkte vor Ted Cruz. Auf dessen Niveau kämpft auch Marco Rubio. Der schwarze Arzt Ben Carson ist nach kurzem Höhenflug fürs Erste unsanft gelandet. Jeb Bush gleicht trotz praller Kriegskasse einem Häufchen Elend. Die Partei hat eingesehen, dass Trump im Februar als Favorit in die ersten Vorwahlen ziehen dürfte. „The Donald“ ist längst nicht mehr der Einzige, der es für möglich hält, dass er im Januar 2017 ins Weiße Haus einziehen könnte. Das panische Establishment klammert sich an die Hoffnung, dass ebendieser Umstand moderate Republikaner an die Wahlurnen locken werde, die sich bisher kaum für die Vorwahlen interessieren. Die Allerweltsweisheit des Sommers, dass Trump über die Beleidigungen und anderen Ungeheuerlichkeiten aus eigenem Munde stolpern werde, darf heute als widerlegt gelten.

          Verändert hat sich die Gangart. Seit der Terrornacht von Paris und dem Massenmord von San Bernardino ist der Ton noch schärfer, düsterer, tabuloser und verlogener geworden. Das gilt nicht allein für Trump, ist aber zu einem großen Teil sein Werk. Als „faschistisch“ hat Jeb Bush Trumps Liebäugelei mit einem nationalen Muslimregister bezeichnet. Doch die Ankündigungen des Baulöwen, dass er „dem ,Islamischen Staat‘ die Scheiße aus dem Leib bomben“, das „waterboarding“ wiedereinführen, die „Familien der Terroristen ausschalten“ oder „dem IS brutal und schnell den Kopf abschlagen“ werde, kommen so gut an, dass selbst kampferprobte Falken wie mit gestutzten Flügeln dastehen. Und wenn Trump behauptet, dass Präsident Barack Obama eine Viertelmillion Syrer ins Land holen wolle oder dass Abertausende Muslime am 11. September 2001 in Jersey City den Einsturz des New Yorker World Trade Centers gefeiert hätten, dann glauben viele seiner Anhänger diese Märchen schon deshalb, weil die „Mainstream-Medien“ Trump der Lüge bezichtigen.

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