http://www.faz.net/-gpf-9814v

Nachwahl in Pennsylvania : Ein konservativer Demokrat wird Trump gefährlich

  • -Aktualisiert am

Conor Lamb nach seiner Stimmabgabe Bild: AFP

Eine Kongress-Nachwahl wird zum Stimmungstest für Donald Trump. Die Demokraten setzen mit Conor Lamb auf einen Mann, der auch für konservative Republikaner attraktiv ist.

          „Das einzige, was auf dem Spiel steht, ist: alles“, sagte Vizepräsident Mike Pence am Vorabend der Nachwahl in Pennsylvania dem Sender „Fox News“. Damit bekräftigt die Regierung, was die demokratische Opposition schon lange sagt: die Abstimmung ist ein wichtiger Test vor der Kongresswahl im November.

          Im 18. Wahlbezirk will der Demokrat Conor Lamb einen frei gewordenen Sitz im Repräsentantenhaus erobern, den bislang der Republikaner Tim Murphy besetzte. Murphy musste gehen, weil er seine Geliebte als erklärter Abtreibungsgegner zu einem Schwangerschaftsabbruch ermutigt haben soll. Davor war der Politiker so beliebt, dass er acht Wahlen gewann. Entsprechend groß wäre die Signalwirkung, wenn hier jetzt ein Demokrat Erfolg hätte.

          Den Bezirk, in dem Lamb gegen den republikanischen Kandidaten Rick Saccone antritt, wird es im Herbst zwar so nicht mehr geben. Nach einem Gerichtsurteil müssen die Distrikte neu zugeschnitten werden. Trotzdem hat diese Abstimmung eine große Signalwirkung.

          Die Demokraten testen dabei nicht zuletzt, mit welchem Typ Bewerber man dem Trump-Lager Stimmen umkämpfter Wählergruppen wieder abnehmen kann. Conor Lamb gibt sich als unabhängig denkender Alternativkandidat am rechten Rand des demokratischen Spektrums. Damit soll er sowohl für Arbeiter als auch für gesellschaftspolitisch Konservative interessant sein. Lamb sprach sich beispielsweise immer wieder gegen striktere Waffengesetze aus – auch nach dem Attentat von Parkland. Zuletzt unterstützte der 33 Jahre alte frühere Marine auch Donald Trumps umstrittene Zölle auf Stahlimporte – eine Position, die ihn für die vielen Arbeiter im Bezirk attraktiv machen soll. Der Wahlkreis umfasst mehrere südliche Vorstädte von Pittsburgh. Hier leben viele Menschen, die im Energiesektor und in der Kohleindustrie arbeiten. Donald Trump siegte hier 2016 mit fast 20 Prozent Vorsprung.

          Die Parteien müssen in demographisch sehr unterschiedlichen Bezirken stets angepasste Strategien entwickeln – ein Kandidat, der in einem städtischen Ballungsraum Chancen hat, könnte etwa in einer ländlichen Gegend scheitern. Das ist nicht neu. Nachdem aber viele Arbeiter 2016 für Trump und die Republikaner stimmten, sind diese strategischen Fragen für die Demokraten noch dringlicher geworden. In Bezirken mit tendenziell konservativen Wählern könnten sie bessere Aussichten haben, wenn sie einen Kandidaten wie Lamb aufstellen.

          Gewerkschaftsboss Cecil Roberts von den United Mine Workers of America fasste es am Sonntag auf einer Wahlkampf-Veranstaltung so zusammen: „Lassen Sie mich Ihnen erklären, was für eine Sorte Demokrat Conor Lamb ist. Er ist ein gottesfürchtiger, gewerkschaftsnaher Waffenbesitzer, der Jobs und Pensionen schützen will, der an das soziale Sicherungssystem glaubt, der die Gesundheitsversorgung stärken wird – und einer, der die Drogendealer in den Knast schickt.“

          Ein Freund Trumps?

          Eine neue Umfrage der Monmouth Universität sah den ehemaligen Staatsanwalt Lamb zuletzt tatsächlich sechs Punkte vor seinem republikanischen Konkurrenten Saccone – demnach könnte er mit 51 zu 45 Prozent gewinnen. Andere Meinungsforscher sagten ein knapperes Rennen voraus. Für die Demokraten wäre ein Sieg Lambs ein Riesenerfolg, allerdings hat es auch seinen Preis, auf innerparteiliche Außenseiter zu setzen. Denn Lamb legt sich nicht nur inhaltlich mit dem demokratischen Establishment an, sondern auch in Personalfragen. Er kündigte an, die Minderheitsführerin im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, nicht zu unterstützen, wenn sie nach der Wahl im November als Sprecherin des Repräsentantenhauses kandidieren sollte.

          Weitere Themen

          „Er kommt und geht“ Video-Seite öffnen

          Trump zum Klimawandel : „Er kommt und geht“

          Knapp eine Woche nach dem Durchzug von Hurrikan „Michael“ hat Präsident Donald Trump mit seiner Frau Melania die betroffenen Gebiete im Südosten Amerikas besucht. Dabei bezweifelte er abermals den menschengemachten Klimawandel, gab aber zu: „Da ist etwas“.

          Topmeldungen

          Eine Verlängerung der Übergangsperiode würde beiden Seiten auch mehr Zeit verschaffen, eine Lösung für das Irland-Problem zu finden - unser Bild zeigt die Grenze zwischen Irland und Nordirland.

          F.A.Z. exklusiv : EU bietet Briten längere Übergangsphase an

          Angesichts der schwierigen Brexit-Verhandlungen hat die EU-Kommission ihre harte Position geändert und eine Verlängerung der Übergangsperiode ins Spiel gebracht. Damit könnte Großbritannien länger als bisher vorgesehen in Binnenmarkt und Zollunion der EU bleiben.
          Von Salvini angegriffen: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron

          Grenzkonflikt : Gendarmerie setzt Migranten in italienischem Wald ab

          Während Salvini von einem „beispiellosen Affront“ spricht, nennt man den Vorfall aus Paris ein Versehen: Französische Beamte bringen Flüchtlinge über die Grenze nach Italien. In Rom vermutet man ein System.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.