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Vereinigte Staaten : Trump feuert Außenminister Tillerson

  • Aktualisiert am

Arbeiten nicht mehr zusammen: Rex Tillerson und Donald Trump im Januar im Weißen Haus. Bild: Reuters

Personalchaos im Weißen Haus: Außenminister Tillerson muss gehen, genauso wie Trumps persönlicher Assistent John McEntee – und nun wurde auch Staatssekretär Steve Goldstein fristlos entlassen.

          Der nächste Abgang: Der amerikanische Präsident Donald Trump hat seinen Außenminister Rex Tillerson entlassen und den bisherigen CIA-Chef Mike Pompeo zum Nachfolger ernannt. Den Wechsel kündigte Trump überraschend am Dienstag an. Als Grund nannte der Präsident unterschiedliche politische Ansichten. Aus dem Außenministerium hieß es, Tillerson habe die Absicht gehabt, im Amt zu bleiben.

          Der personelle Wechsel erfolgt inmitten der wichtigen Vorbereitungen auf das Treffen zwischen Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un. Wenige Stunden nach Tillersons Entlassung wurde auch der Staatssekretär im Ministerium, Steve Goldstein, gefeuert. Ebenfalls gehen musste John McEntee, einer der am längsten dienenden politischen Mitarbeiter und persönlicher Assistent Donald Trumps. Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ vom Dienstag wurde McEntee bereits am Montag vom Gelände geführt. Ungenannte Mitarbeiter beriefen sich auf Sicherheitsbedenken. Trumps Team für seine Wiederwahl im Jahr 2020 hieß McEntee allerdings kurz darauf offiziell an Bord willkommen. Das Weiße Haus wollte die Entlassung nicht offiziell kommentieren.

          Dem Bericht nach hatte McEntee nicht einmal Zeit, seine Sachen zu packen und verließ das Gelände ohne Jacke. Der 27 Jahre alte McEntee, ein früherer Football-Quarterback, war einer der am längsten für Trump arbeitenden Berater. Er war als Trumps „body man“ das, was Huma Abedin für Hillary Clinton war oder Reggie Love für Barack Obama: enger Vertrauter und Assistent. McEntee stieß 2015 zum Team des Präsidentschaftsbewerbers Trump, als dieses im Wesentlichen aus Jared Kushner, Hope Hicks, Stephen Miller und Dan Scavino bestand. Noch dabei sind Kushner und Scavino.

          Das Weiße Haus wird unter Trump anhaltend von Abgängen und Personalwechseln durcheinander gewirbelt. Berichten zufolge mussten wegen verschärft durchgesetzter Sicherheitsvorschriften allein in den vergangenen Wochen etwa drei Dutzend Mitarbeiter gegangen.

          Tillersons Rauswurf kommt nicht überraschend. Trump erklärte am Dienstag vor Journalisten, er sei mit Tillerson seit „einiger Zeit“ im Gespräch über dessen Zukunft gewesen. „Wir hatten unterschiedliche Ansichten“, sagte der Präsident. Als ein Beispiel nannte er das Atomabkommen mit Iran. Er habe aus dem Deal aussteigen wollen, Tillerson sei anderer Meinung gewesen. Der Präsident fügte hinzu, Pompeo und er hätten dagegen eine sehr ähnliche Denkweise.

          Im vergangenen Jahr hatte es immer wieder Spekulationen darüber gegeben, Tillerson könnte zurücktreten oder Trump könnte ihn feuern. Der gebürtige Texaner und frühere Vorsitzende des Energieriesen ExxonMobil dementierte dies aber stets. Nach einem Bericht der „Washington Post“ forderte Trump Tillerson am vergangenen Freitag zu dem Rücktritt auf. Ein ranghoher Vertreter des Weißen Hauses sagte, der Präsident habe sicherstellen wollen, dass es vor den Gesprächen mit Nordkorea und den laufenden Verhandlungen beim Thema Handel ein neues Team gebe.

          Staatssekretär Steve Goldstein erklärte, Trump habe vor seiner Entscheidung nicht mit Tillerson gesprochen. „Der Minister hatte die volle Absicht, im Amt zu bleiben“, schrieb Goldstein auf Twitter. Wenige Stunden später musste auch er gehen. Er sei gefeuert worden, verlautete aus dem Weißen Haus.

          Tillerson hatte mehrfach Positionen vertreten, die sich von denen Trumps unterschieden, etwa in puncto Nordkorea. Der Chefdiplomat warb stets vehement für eine diplomatische Lösung der Krise, während Trump auch immer wieder mit militärischen Schritten drohte. Der Präsident brüskierte seinen Minister im Herbst sogar öffentlich. Er schrieb auf Twitter, er habe Tillerson gesagt, dass dieser seine Zeit vergeude, indem er mit Nordkorea verhandeln wolle.

          Im vergangenen Oktober berichtete der Sender NBC News, Tillerson habe Trump als „Schwachkopf“ bezeichnet. Der Minister dementierte diese Darstellung nie direkt und wich Fragen dazu stets aus. Am Montag schloss sich Tillerson der Schlussfolgerung der britischen Regierung an, wonach Russland für den Giftanschlag auf einen ehemaligen russischen Doppelagenten in England verantwortlich ist. Kurz zuvor hatte das Weiße Haus es noch abgelehnt, sich dieser Lesart anzuschließen.

          Der bisherige CIA-Chef Mike Pompeo soll neuer Außenminister der Vereinigten Staaten werden.

          Mit Pompeo als Tillersons Nachfolger setzt Trump auf einen ihm stets loyalen Mann. Der 54 Jahre alte Politiker gilt als stramm konservativ und liegt ganz auf Trumps harter Linie, was Iran und Nordkorea angeht. Neue Chefin der CIA soll Gina Haspel (61) werden, die bisherige Vizedirektorin des Auslandsgeheimdienstes. Sowohl Pompeo als auch Haspel müssen vom Senat bestätigt werden.

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