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Trump holt Stephen Bannon : Establishment gegen Populismus

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Hardliner von rechts: „Breitbart“-Chef Stephen Bannon Bild: Reuters

Ying und Yang im Weißen Haus: Nach der Berufung des republikanischen Parteichefs Reince Priebus zum Stabschef ernennt Donald Trump den radikalen Provokateur Steve Bannon zum Chefstrategen. Die Personalie lässt viele Amerikaner das Schlimmste befürchten.

          Als Donald Trump verkündete, wen er zu seinem künftigen Stabschef im Weißen Haus machen will, atmeten viele in den Vereinigten Staaten auf. Reince Priebus, der Parteivorsitzende der Republikaner – das schien eher ein Zeichen dafür zu sein, dass Trump als Präsident auch auf die Versöhnung mit dem „Establishment“ setzen will und nicht nur auf populistische Spaltung wie im Wahlkampf.

          Doch nur kurz darauf scheinen diese Hoffnungen sich wieder zu zerschlagen: Trump macht ausgerechnet den radikalen Provokateur Stephen Bannon zu seinem Chefstrategen. Mit Priebus und Bannon versucht Trump offensichtlich, eine Brücke zum Partei-Establishment sowie dem Kongress zu schlagen – und es zugleich seiner erzkonservativen Basis recht zu machen. Doch die Sorgen, die Bannons Ernennung auslöst, werden dadurch nicht wirklich abgemildert. Denn mit ihm wird ein Mann zu einem der mächtigsten Mitglieder des Regierungsteams, der über die Website „Breitbart News“ die brutalste Polemik und die wildesten Verschwörungstheorien verbreitet.

          Trump hat seit seinem Wahlsieg versucht, einen Schlussstrich unter seine Krawall-Kampagne zu ziehen und sich als Versöhner der tief gespaltenen Nation in Szene zu setzen. Doch diese neue Pose wird durch die Ernennung eines Mannes konterkariert, der in seiner Publikation etwa Präsident Barack Obama beschuldigt hat, „hasserfüllte Muslime importiert“ zu haben, oder die Arbeit der Familienplanungsorganisation Planned Parenthood mit dem Holocaust verglichen hat. In seiner Rolle im Weißen Haus dürfte Bannon unter anderem dafür zuständig sein, die Beziehungen des Präsidenten zur ultrarechten Anhängerschaft und zum konservativen Teil der Medienlandschaft zu pflegen.

          Brachiale Polemik

          Für den 62-Jährigen ist es ein weiterer von bereits vielen Rollenwechseln im Laufe seiner bewegten Vita. Bannon wuchs in einer Arbeiterfamilie in Norfolk im Bundesstaat Virginia auf und diente in der Marine. In seiner Militärzeit war er im Arabischen Meer und im Persischen Golf stationiert und arbeitete danach als Spezialist für Flottenoperationen im Pentagon. Später wechselte Bannon in die Geschäftswelt. Nach einem Abschluss an der berühmten Harvard Business School arbeitete er für die Investmentbank Goldman Sachs, wo er auf die Geschäfte mit Medienunternehmen spezialisiert war.

          Danach gründete Bannon seine eigene Filmproduktionsfirma. Er drehte lobhudelnde Dokus über die erzkonservative Republikanerin Sarah Palin und den früheren Präsidenten Ronald Reagan, wodurch er sich einen Ruf als die rechte Antwort auf den linken Filmemacher Michael Moore erwarb. Die Leitung von „Breitbart News“ übernahm Bannon nach dem Tod des Gründers Andrew Breitbart vor vier Jahren. Zu den vielen Zielscheiben seiner brachialen Polemik gehörte dort auch das politische "Establishment" – das der Demokraten wie der Republikaner. Auf seinem neuen Posten wird er sich nun aber zumindest teilweise mit diesem Establishment arrangieren müssen. Denn ohne die Republikaner im Kongress wird die Trump-Regierung viele ihrer Vorhaben nicht durchsetzen können.

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