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Aktualisiert: 18.05.2017, 18:28 Uhr

Donald Trump „Eine Amtsenthebung wird zum Krieg führen“

Eine Amtsenthebung Donald Trumps scheint nicht mehr nur eine Wunschvorstellung linksliberaler Medien zu sein – doch viele seiner Fans wollen das nicht hinnehmen. Manche prophezeien schon Unruhen, falls das „Establishment“ ihr Idol stürzen sollte.

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© dpa Trump-Anhänger: Was machen seine Fans, wenn er wirklich des Amtes enthoben würde?

Der Hass der amerikanischen Rechten auf die „korrupten Eliten“ war schon immer groß – aber jetzt, da Donald Trump immer mehr in Bedrängnis gerät und das Wort Amtsenthebungsverfahren immer häufiger fällt, kennt er endgültig kein Halten mehr. „Sie wollen Trump eliminieren – egal, was es das Land kostet“, hetzte der Verschwörungstheoretiker Paul Joseph Watson in dieser Woche in einem Video auf der rechtspopulistischen Internetseite „infowars.com“.

Oliver Georgi Folgen:

Von einer „hysterischen, sechs Monate langen Medienkampagne“ gegen Trump sprach Watson und von einem „Blitzkrieg“ des Establishments, das den Präsidenten loswerden wolle – koste es, was es wolle. „Diesen Sommer könnte die Situation explodieren. Der Weg zu einer Amtsenthebung von Trump wird zum Krieg führen – außerhalb von Amerika oder hier auf unseren Straßen“, sagte Watson und machte mit unterlegten Videobildern von Steine werfenden Linksradikalen klar, wer seiner Meinung nach dafür verantwortlich sein werde. Für Trump gebe es derzeit nur zwei Möglichkeiten, so Watson: Entweder er „säubere“ seine Regierung von der „Fünften Kolonne“ und tausche sein Kommunikationsteam vollständig aus, um dem „tiefen Staat“ Einhalt zu gebieten. „Der tiefe Staat hat Trump den Krieg erklärt. Es ist Zeit, zurückzuschlagen.“ Die andere Option, sagte Watson, sei Krieg.

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Trumps Anhänger am äußersten rechten Rand, das zeigt auch dieses Video, das auf „infowars.com“ fast 2500 Mal kommentiert wurde, sind nicht mehr nur besorgt angesichts der dramatischen Lage ihres Präsidenten, sie sind alarmiert. Trump selbst trage keine Schuld an dem Desaster, sondern ausschließlich das „System“, lautet das Narrativ – und es gibt einige, die offen mit Gewalt drohen, sollte Trumps Präsidentschaft in einem Amtsenthebungsverfahren enden. Die Seite „infowars.com“ wird von dem Radiomoderator Alex Jones betrieben, einem ultrarechten Verschwörungstheoretiker, der den 11. September für von der amerikanischen Regierung inszeniert und Homosexualität für eine Krankheit hält, die durch vom „tiefen Staat“ vergiftetes Leitungswasser  entsteht.

Krude Botschaften mit großer Verbreitung

Jones mag ein rechter Spinner sein, aber er ist einer mit großer Reichweite. Der Texaner verbreitet seine kruden Botschaften nicht nur auf der Seite „infowars.com“, die allein im vergangenen Monat nach Schätzungen weltweit mehr als fünf Millionen Leser hatte, sondern auch in seinem eigenen Internet-Fernsehsender „prisonplanet.com“ und einem Youtube-Kanal. Seine tägliche Radiosendung „Alex Jones Show“, die er in Austin produziert und in der er Hass und Verschwörungstheorien gegen die Demokraten, die korrupte Elite, die Klimaerwärmung und Homosexualität verbreitet, wird bei mehr als 100 Radiostationen in den Vereinigten Staaten gesendet.

Allein am Sonntag erreicht Jones damit regelmäßig Millionen Zuhörer – pro Woche. Vor allem auf dem flachen Land ist es schwer, seinen Hetzparolen zu entkommen – und nicht nur in den Overfly-States sind auch viele gemäßigte Trump-Anhänger durchaus für sie empfänglich. Die wenigsten von ihnen würden wohl tatsächlich einen handgreiflichen „Krieg“ gegen das Establishment unterstützen. Trotzdem vergiften Männer wie Watson und Jones das politische Klima mit ihrer Kriegsrhetorik nur noch weiter, indem sie das Misstrauen gegenüber dem „System“ schüren.

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