http://www.faz.net/-gpf-9dn7e

Trump und das Playmate : Ein Klatschmagazin als Wahlhelfer

  • -Aktualisiert am

Alte Bekannte? Donald Trump und Karen McDougal. Bild: dpa

Das Geständnis von Donald Trumps ehemaligen Anwalt Michael Cohen bringt neue Details über seinen Deal mit dem Klatschblatt „National Enquirer“ ans Licht. Auch dessen Verleger arbeitet nun mit den Ermittlern zusammen.

          Karen McDougal und Donald Trump lernten sich 2006 in der Playboy Villa in Los Angeles kennen: er filmte gerade eine Episode seiner Show „The Apprentice“, die ehemalige Vorschullehrerin war ein paar Jahre zuvor zum „Playmate des Jahres“ gewählt worden. Trump und McDougal sollen eine Affäre begonnen haben. Damals war der Immobilienmiliardär schon mit Melania Trump verheiratet, sein Sohn war gerade zur Welt gekommen. So weit, so gewöhnlich – doch die mutmaßliche Affäre gehörte zu den Dingen, die Trump lieber unter dem Deckel halten wollte, als er antrat, um Präsident zu werden.

          Wie das „Wall Street Journal“ schon kurz vor der Wahl 2016 berichtete, bezahlte der Verlag des rechtsgerichteten Klatschblattes „National Enquirer“ 150.000 Dollar für die Exklusivrechte an McDougals Geschichte – allerdings nicht, um sie zu veröffentlichen, sondern um sie zu verschweigen. „Catch and Kill“ nennt sich diese Praxis – wer das nötige Geld hat, kann so versuchen, Geschichten über sich selbst zum Verschwinden zu bringen. Donald Trump ist mit dem Chef des Verlags, American Media (AMI), David Pecker, befreundet.

          Wenigstens zu Geld machen

          Anfangs wollte Karen McDougal, eine Republikanerin, gar nicht öffentlich über ihr Verhältnis mit Trump sprechen. In Interviews beteuerte sie später stets, dass sie den Präsidenten bewundere. Den Kontakt habe sie 2007 abgebrochen, weil sie sich gegenüber seiner Frau schuldig fühlte. McDougal habe sich erst dazu entschieden, ihre Geschichte zu verkaufen, als 2016 Gerüchte bei Twitter darüber aufgetaucht seien. Ein Freund habe ihr geraten, mit der Story wenigstens Geld zu machen. Über verschiedene Leute habe sie Kontakt zum „National Enquirer“ bekommen. Bislang hieß es, dass das Klatschblatt erst nicht sehr interessiert gewesen sei – erst, nachdem Donald Trump die republikanische Nominierung erhalten hatte, bot der Verlag American Media McDougal 150.000 Dollar an. Doch die Anklage gegen Trumps ehemaligem Anwalt Cohen zeigt, dass der Verlagschef David Pecker diesen sofort informierte, als McDougal sich meldete. Cohen, der sich schuldig bekannte, soll darauf gedrungen haben, ihre Geschichte zu kaufen – „so dass sie nicht die Wahl beeinflussen kann“.

          Geschichten zwischen Wahlkampfzentralen und Medien zu koordinieren ist nicht unüblich und nicht illegal. Auch kann ein Magazin eine Geschichte kaufen und dann nicht veröffentlichen. Doch dass Cohen dem Verlag die 150.000 Dollar zurückerstatten wollte und zu diesem Zweck eine Schattenfirma gründete, verletzte laut der Anklage gegen ihn die Regeln zur Wahlkampffinanzierung. Die Begrenzung für individuelle Wahlkampfspenden liegt bei 2700 Dollar, Firmen dürfen nichts geben. Cohen ließ in seinem Geständnis keinen Zweifel daran, dass die Zahlungen an McDougal und an Pornodarstellerin Stephanie Clifford dazu dienten, „den Ausgang der Wahl zu beeinflussen“ und dass er in Trumps Auftrag handelte. Der Plan war laut Cohen, später selbst die Rechte an McDougals Geschichte vom Verlag zu erwerben, um ganz sicher zu gehen. Cohens kürzlich veröffentlichte Tonaufnahme eines Gespräches mit Donald Trump handelte davon.

          Durch Cohens Schuldeingeständnis wurden nun neue Details bekannt. Die Zusammenarbeit mit dem Verlag American Media war demzufolge nicht kurzfristig, sondern enger als bislang angenommen. So besprach Cohen schon im August 2015, wie Verlagschef Pecker Trump helfen könne, mit „unangenehmen Geschichten“ umzugehen. Pecker erklärte sich den Gerichtsdokumenten zufolge bereit, beim Umgang mit „Geschichten über Beziehungen mit Frauen, sowie bei anderen Dingen“ zu helfen und „der Kampagne zu helfen, solche Geschichten zu identifizieren, so dass man sie kaufen und ihre Veröffentlichung verhindern“ konnte. Cohen erklärte, dass er diese Absprachen mit Pecker im Auftrag von Trump traf. Auch im Fall von Stephanie Clifford, die Cohen schließlich direkt bezahlte, soll es zunächst Diskussionen mit Pecker über das weitere Vorgehen gegeben haben. Der Verlagschef setzte also sein Magazin für politische Zwecke ein.

          Sprinter – der politische Newsletter der F.A.Z.
          Sprinter – der Newsletter der F.A.Z. am Morgen

          Starten Sie den Tag mit diesem Überblick über die wichtigsten Themen. Eingeordnet und kommentiert von unseren Autoren.

          Mehr erfahren

          Der Verlag und Trump hatten McDougals Geschichte zunächst geleugnet. Das Weiße Haus hatte zur Berichterstattung Anfang des Jahres erklärt: „Das ist eine alte Geschichte und es ist nur noch mehr Fake News. Der Präsident sagt, dass er nie eine Beziehung mit McDougal hatte.“ American Media ließ verlauten, dass die Story deshalb nicht gedruckt worden sei, weil man sie nicht für glaubhaft gehalten habe. Diese Verteidigungsstrategie ist mit Michael Cohens Schuldeingeständnis hinfällig geworden.

          Der „National Enquirer“ brachte im Wahlkampf viele positive Geschichten über den republikanischen Kandidaten. Seit bekannt wurde, dass American Media Trump direkt half, interessieren sich auch die Ermittler für den Verlag. Es gab bereits Vorladungen – am Mittwoch soll Pecker Immunität erhalten haben und kooperiert mit der New Yorker Bundesstaatsanwaltschaft. Nach Cohens Geständnis ist das ein weiterer Schlag für Donald Trump. Was genau die Behörden von Pecker erhoffen, ist unbekannt. Falls er noch weitere Geschichten für den Präsidenten beerdigte, könnten sie nun ans Licht kommen.

          Weitere Themen

          Dietmar Bartsch ist außer sich Video-Seite öffnen

          Beförderung von Maaßen : Dietmar Bartsch ist außer sich

          Der Linken-Fraktionsvorsitzende Dietmar Bartsch hat die Entscheidung der Koalition im Fall von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen heftig kritisiert. Besonders von der SPD ist der Linken-Politiker enttäuscht.

          Topmeldungen

          Handelsstreit : An der Schraube gedreht

          Donald Trump will, dass amerikanische Unternehmen ihre Produktion nach Amerika zurückverlagern – koste es, was es wolle. Vielleicht kommt die strategische Konfrontation mit China schneller als vermutet. Ein Kommentar.
          Zentralmoschee in Köln

          Ditib : Erdogan eröffnet Zentralmoschee in Köln

          Der türkische Präsident wird bei seinem Besuch in Deutschland, die Ditib-Moschee in Köln offiziell eröffnen. Dabei sein wird auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.