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Trump-Anhänger in Washington : „Überzeugen kann man damit nur die Fans“

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Präsidial, aber etwas uninspiriert: Der amerikanische Präsident Donald Trump bei seiner ersten Rede zur Lage der Nation Bild: AFP

Washington ist eine überaus liberale Stadt. An Republikaner hat man sich hier inzwischen gewöhnt, an Trump noch nicht so ganz. Ein Abend unter Anhängern des Präsidenten während der Rede zur Lage der Nation.

          Als CNN gegen 20.15 Uhr am Bildschirmrand einblendet, dass die First Lady heute Abend getrennt von ihrem Gatten vom Weißen Haus zum Kongress fahren wird, geht sogar an der Bar im Trump Hotel ein leises Raunen durch die Stuhlreihen. Wer Spaß an Klatschgeschichten hat, ist in Washington, D.C. gut aufgehoben. An der Supermarktkasse, beim Stamm-Italiener, in der Kinoschlange, im Taxi oder im Café – überall kann man sich hier neue Räuberpistolen über den angeblich bedauernswerten Zustand der Trump-Ehe anhören.

          „Alles Quatsch, reine Ablenkung. Wer über die Ehe redet, redet nicht über Mueller“, ordnet ein Mann mit roter Trump-Schirmmütze das CNN-Beziehungsupdate für seinen Nachbarn ein. Ein paar Minuten später wird er erzählen, dass sein Twitter-Account wieder einmal gesperrt wurde.

          Dienstagabend, im „Trump International Hotel“, 1100 Pennsylvania Avenue. In 45 Minuten hält Donald Trump seine erste Rede zur Lage der Nation. In dem Hotel, beinah auf halber Strecke zwischen Weißem Haus und Kapitol gelegen, dämpft schwerer Teppich die Schritte der rund 500 Gäste. Vier riesige Kronleuchter hängen von der Decke in der Benjamin Bar, benannt nach Benjamin Franklin, dem amerikanischen Universalgelehrten und einem der Gründerväter der Nation. Der Marmor ist poliert, die Drinks teuer, das Licht gedimmt.

          Zufluchtsort für die geschundene Republikaner-Seele

          Im November 2016 holte Hillary Clinton in der Stadt 91 Prozent der Wählerstimmen. In Washington gibt es zurzeit nicht mehr sonderlich viele Orte, wo man sich als Konservativer problemlos ausbreiten kann. Da kommt die Bar im Trump-Hotel als Zufluchtsort für die geschundene Republikaner-Seele gerade recht. Politische Korrektheit kann man getrost an der Garderobe abgeben.

          Auf den vier Großbildschirmen hinter der gut ausgeleuchteten Bar läuft eine Basketballpartie, zweimal „Fox News“ und einmal CNN. 25 Minuten bis zu Trumps Auftritt, noch ist der Ton runter gedreht, aber auf beiden Sendern unterhalten sich die Experten, gut erkennbar an den Untertiteln, über den Bericht des Geheimdienstausschusses, der in den vergangenen Tagen für Schlagzeilen gesorgt hat. In ihm sollen sich angeblich Hinweise für die fehlende Unparteilichkeit der Geheimdienste in der Russland-Untersuchung finden.

          Am Montag hat der von Republikanern dominierte Ausschuss für die öffentliche Freigabe des Berichtes gestimmt. Trump hat jetzt fünf Tage Zeit, um sich zu entscheiden, ob er den Bericht veröffentlicht sehen will oder nicht. Am Ende seiner Rede, beim Verlassen des Kongresses, sagt Trump im Vorbeigehen zu einem der Abgeordneten, dass er den Bericht „hundertprozentig“ freigeben werde. In seiner 80 Minuten langen Rede erwähnt der Präsident aber weder den Bericht noch Sonderermittler Robert Mueller.

          „Der Mann ist Verkäufer“, sagt Tom O’Brian, der mit einem Bier in der Hand neben der Bar steht. „Er hat eine Agenda, die er abarbeiten will. Warum sollte er das zur Sprache bringen, wenn das nur von Nachteil für ihn ist?“ Der 31-Jährige stammt aus Pennsylvania, er lebt seit acht Jahren in D.C. Bei der Präsidentschaftswahl hat er für Trump gestimmt, obwohl er nicht, wie er sagt, zu seinen größten Anhängern zählt. Die kürzlich beschlossene Steuerreform hält er dennoch für die richtige Maßnahme, und auch die massenhafte Rücknahme diverser Vorschriften aus der Zeit der Obama-Regierung: „Wenn Unternehmen vom Staat in Ruhe gelassen werden, investieren sie wieder.“

          Im Großen und Ganzen mache Trump einen soliden Job, besser als erwartet, sagt O'Brien. Ihm gefalle jedoch nicht, wie Trump mit Minderheiten umgehe und dass unter Justizminister Jeff Sessions ein neuer Anti-Drogenkrieg ausgerufen worden sei. „Die Mauer wird nicht dafür sorgen, dass es in diesem Land keine Drogen mehr gibt.“

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