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Nordkorea gegen Amerika : Nur schlechte Optionen

Der amerikanische Präsident Donald Trump nach der Landung auf der Andrews Air Force Base in Maryland Bild: dpa

Nach dem jüngsten Atomtest Nordkoreas twittert Donald Trump gegen den „Schurkenstaat“ Nordkorea. Doch auch ein amerikanischer Verbündeter kommt nicht gut weg.

          Für seine Verhältnisse fiel Donald Trumps erster Kommentar zu Pjöngjangs angeblicher Wasserstoffbombe dezent aus. „Nordkorea hat einen großen Atomtest durchgeführt“, twitterte der amerikanische Präsident am Sonntag sachlich. „Ihre Worte und Taten bleiben sehr feindselig und gefährlich für die Vereinigten Staaten.“

          Andreas Ross

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Nordkoreas Pseudoverbündeten Peking stempelte Trump in einer zweiten Botschaft als zwar hilfsbereite, aber hilflose Macht ab: „Der Schurkenstaat Nordkorea ist eine Bedrohung und eine Peinlichkeit für China, das mit wenig Erfolg zu helfen versucht.“ Seinen spitzesten Pfeil aber schoss der Oberbefehlshaber auf Seoul ab, einen von Amerikas engsten Alliierten. „Südkorea findet jetzt heraus, wie ich es ihnen gesagt habe, dass ihr Appeasement-Gerede mit Nordkorea nicht funktionieren wird, die verstehen nur eine Sache!“

          Der neue Präsident Moon Jae-in hat Trump offenkundig mit seinen Dialogofferten irritiert, die das nordkoreanische Regime sowieso ignoriert. Moon kam erst nach Trump ins Amt. Er hatte lange gezaudert, bis er auch nur die Stationierung amerikanischer Abfangraketen erlaubte, die sein Land schützen sollen. Noch vor dem Atomtest hatte Trump am Samstag mit Shinzo Abe telefoniert. Der japanische Ministerpräsident hatte begonnen, Trump zu hofieren, kaum dass dieser die Wahl gewonnen hatte. Trump ließ daraufhin die Beschwerden über Japan fallen, die seinen Wahlkampf mit geprägt hatten.

          Seoul dagegen fand sich schon vor dem Nukleartest im Fadenkreuz des Weißen Hauses. Am Samstag bestätigte Trump, dass er die Kündigung des erst vor fünf Jahren abgeschlossenen Freihandelsvertrags mit Südkorea erwäge. In der internen Debatte darüber stehen sich die üblichen Lager gegenüber: Wirtschaftsberater wie Gary Cohn fürchten einen Handelskrieg zum Nachteil Amerikas. Die Gralshüter des Populismus wollen endlich zu protektionistischen Taten schreiten. Wenig Gehör finden außenpolitische Berater, die Trump davor warnen, in Zeiten einer kriegerischen Bedrohung ein wichtiges Bündnis zu untergraben.

          Trumps Überzeugung, dass Nordkoreas Diktator „nur eine Sache versteht“, hatte ihn zu seiner rhetorischen Eskalation im August bewogen. Nach zwei Tests von Langstreckenraketen drohte er Kim Jong-un vor knapp vier Wochen mit „Feuer und Zorn“, „wie sie die Welt noch nicht gesehen hat“. Stunden später kündigte Nordkorea die Einkreisung von Guam an, einer amerikanischen Pazifikinsel. Trumps Regierung hatte es eilig, sich in diesem Krieg der Worte als Sieger zu präsentieren. Kaum hatte Pjöngjang wissen lassen, der Angriff auf Guam sei fürs Erste abgesagt, lobte Außenminister Rex Tillerson das Regime.

          Dieses habe „eine Zurückhaltung demonstriert, die wir in der Vergangenheit nicht gesehen haben“, sagte der Minister gut drei Wochen nach dem Abschuss einer Langstreckenrakete, die bald wohl fast alle Städte Amerika erreichen könnte. Trump ging noch weiter: „Ich respektiere die Tatsache, dass er, glaube ich, uns zu respektieren beginnt“, sagte er. Schon vor Monaten hatte Trump bekundet, „unter den richtigen Umständen“ mit Kim direkt verhandeln zu wollen. In Phoenix allerdings hielt er sich eine Hintertür offen: „Vielleicht, wahrscheinlich nicht, kommt irgendwas Positives dabei heraus.“

          Fachleute in Washington bezweifelten am Sonntag, dass Nordkorea tatsächlich Wasserstoffbomben auf Interkontinentalraketen ins Ziel tragen könnte. Als Entspannung konnte die Eskalation aber niemand mehr schönreden. Noch die Provokation der vorigen Woche, als Nordkorea eine Rakete über Japan schoss, hatten die Amerikaner kleingeredet. Europäische Emissäre bekamen im State Department die Interpretation serviert, nach zwei gescheiterten Raketentests in den Tagen zuvor habe das Regime womöglich nur „nach innen“ seine Fähigkeiten demonstrieren wollen und nicht etwa ein Signal an Japan und Amerika beabsichtigt. Trump twitterte zwar, dass in dem Konflikt „Reden nicht die Antwort“ sei. Doch Verteidigungsminister James Mattis versicherte Stunden später, dass „uns nie die diplomatischen Optionen ausgehen“.

          Niemand im Weißen Haus hatte offener als der inzwischen entlassene Steve Bannon formuliert, was gegen ein militärisches Eingreifen in Korea spricht. „Bis jemand den Teil der Gleichung löst, wonach in den ersten dreißig Minuten zehn Millionen Menschen in Seoul durch konventionelle Waffen umkommen, weiß ich nicht, worüber geredet wird“, hatte Trumps politischer Chefstratege gesagt, als sein Abschied schon feststand. „Es gibt da keine militärische Lösung. Sie haben uns.“ Doch auch ohne Bannon wissen Mattis und Tillerson, dass Amerika ein schlechtes Blatt hält. Umso größer ist ihr Unmut über Russland, das sich zuletzt noch sperriger als China zeigte, wenn es galt, Pjöngjang zu isolieren. Trump fiel zu Wladimir Putin am Sonntagmorgen wieder einmal kein kritischer Tweet ein.

          Quelle: F.A.Z.

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