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Der Präsident legt nach : Trump wirft Medien Vertuschung von Terroranschlägen vor

Präsident Donald Trump in Tampa, Florida Bild: Reuters

Amerikas Präsident hat ein seltsames Verständnis der Medien. Trump wirft ihnen jetzt sogar vor, Terroranschläge zu verheimlichen. Das Weiße Haus will die groteske Behauptung mit einer Liste von Anschlägen stützen.

          Wenn es um die „unehrlichen“ und „verlogenen“ Medien geht, kennt Donald Trump kein Halten. Jetzt hat Amerikas Präsident noch einmal nachgelegt – und seine Medienschelte auf groteske Weise zugespitzt.

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          Trump warf ihnen vor, Terroranschläge zu verheimlichen. In einer Rede vor Vertretern des amerikanischen Militärs in Tampa (Florida) sagte Trump am Montagabend (Ortszeit): „Ihr habt gesehen, was in Paris und Nizza passiert ist. Es passiert überall in Europa. Es ist ein Punkt erreicht, an dem gar nicht mehr darüber berichtet wird. Und in vielen Fällen will die sehr, sehr verlogene Presse gar nicht darüber berichten. Sie haben ihre Gründe, und ihr versteht das.“

          Pressesprecher Sean Spicer bemühte sich bei nächster Gelegenheit, Trumps Kritik zu mildern. Befragt von Journalisten sagte Spicer in der Präsidentenmaschine Air Force One, die Terrorangriffe seien „under reported“, nicht „unreported“ – also: Die Medien berichteten zwar über sie, aber nicht ausführlich genug. Um diese Anschuldigung zu untermauern veröffentlichte das Weiße Haus kurz darauf eine Liste mit 78 Terroranschlägen zwischen September 2014 und Dezember 2016, über die Journalisten angeblich nicht genügend berichtet haben.

          Die Auswahl ist bezeichnend, denn auf der Liste finden sich auch die Anschläge in Paris, Nizza und Berlin, die selbstverständlich auch die amerikanischen Medien ausführlich behandelt haben. Andererseits fehlen große Anschläge ohne westliche Opfer, wie etwa ein Selbstmordattentat mit einem Lastwagen in Bagdad, bei dem im vergangenen November mehr als 70 Menschen getötet wurden. Auch der Amoklauf eines Weißen mit neun Toten in einer von Afroamerikanern besuchten Kirche in Charleston im amerikanischen Bundesstaat South Carolina im Juni 2015, kommt in der Liste nicht vor.

          Trumps Kritik verkennt völlig, dass es andere Gründe geben kann, über einen Anschlag in Pakistan oder Ägypten, bei dem niemand (und schon gar kein Amerikaner) getötet wurde, nicht oder nur wenig zu berichten – mangelnde Relevanz etwa. Nur ist das etwas ganz anderes als eine verlogene Manipulation von Lesern und Zuschauern. Auch lässt sich der Vorwurf, „zu wenig“ berichtet zu haben, praktisch nie entkräften. Wie groß muss ein amerikanisches Medium etwa über eine Schießerei in Saudi-Arabien berichten, bei der zwar ein Däne verletzt, aber niemand getötet wurde, um Trumps Vorwurf zu entgehen? Titelseite? Aufmacher?

          Mit der Liste der Terroranschläge flankiert das Weiße Haus Trumps Einreiseverbot für Einwanderer aus sieben vorwiegend muslimischen Staaten. Manche Kommentatoren werten Trumps Vorgehen als Versuch, den Medien vorab eine Mitschuld an möglichen künftigen Terroranschlägen zuzuspielen, weil sie seine verschärfte Einwanderungspolitik nicht genügend unterstützten.

          Trumps Auftritt erinnert an die Aussage seiner Beraterin Kellyanne Conway in der vergangenen Woche. In einem Interview hatte Conway gesagt: „Ich wette, dass es eine ganz neue Information für die Leute ist, dass Präsident Obama das Flüchtlingsprogramm für Irak für sechs Monate ausgesetzt hat, nachdem zwei Iraker hierher gekommen waren und sich radikalisiert hatten und die Masterminds hinter dem Bowling-Green-Massaker waren. Die meisten Leute wissen es nicht, weil darüber nicht berichtet wurde.“

          Tatsächlich setzte Obama das Programm nie aus, er verschärfte lediglich die Prüfung der Visumsanträge. Und in der Tat wurden im Jahr 2011 zwei Iraker in Bowling Green im Bundesstaat Kentucky festgenommen und später verurteilt. Sie gestanden, in ihrer Heimat an Anschlägen auf amerikanische Soldaten beteiligt gewesen zu sein und weitere Anschläge von Amerika aus unterstützt zu haben. Darüber wurde in den Medien auch berichtet; ein „Massaker“ hat es in Bowling Green aber nie gegeben.

          Nur ein Versprecher?

          Conway redete sich später damit heraus, sie habe sich „bei einem Wort versprochen“. Sie habe statt „Bowling-Green-Massaker“ lediglich „Bowling-Green-Terroristen“ sagen wollen. Mittlerweile ist jedoch bekannt, dass es sich kaum um einen einmaligen Lapsus handeln kann, denn Conway verwendete die „Massaker“-Formulierung noch in zwei weiteren Interviews mit dem Magazin „Cosmopolitan“ und der Website „Thirty Mile Zone“ (TMZ). Überdies gab sie Details des Falles falsch wieder.

          Der Fall fügt sich nahtlos in eine Reihe von Medienbeschimpfungen durch Präsident Trump selbst oder seine Mitarbeiter. Mal bedeutet Präsidentenberater Stephen Bannon den Journalisten, sie sollten die Klappe halten, mal giftet Trump selbst via Twitter gegen die „Versager der New York Times“, die „Fake News“-Organisation CNN  oder allgemein gegen „die sehr unehrliche Presse“. Der Krieg des Weißen Hauses gegen die Medien ist mittlerweile Alltag in Amerika.

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