http://www.faz.net/-gpf-90p1k
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren

Veröffentlicht: 13.08.2017, 06:46 Uhr

Gewalt in Charlottesville Scharfe Kritik an Trumps „lascher“ Reaktion

Nach den Ausschreitungen bei einer rechtsextremen Diskussion fordern selbst republikanische Politiker eine klarere Schuldzuweisung durch ihren Präsidenten, der nur pauschal von „vielen Seiten“ spricht.

© AP Der amerikanische Präsident Donald Trump spricht am 12. August 2017 in New Jersey zur Situation in Charlottesville.

Nach den blutigen Ausschreitungen infolge einer rechtsextremen Kundgebung  in Charlottesville im amerikanischen Bundesstaat Virginia zog sich Präsident Donald Trump von verschiedensten Seiten scharfe Kritik zu: Zwar verurteilte er die „ungeheuerliche Gewalt“ sowie „Hass und Vorurteile“. In seinen Kommentaren am Samstag vermied Trump jedoch direkte Verweise auf die Weiße Nationalisten, Neonazis, Neo-Konföderierte und andere rechtsextreme Aktivisten.

47992507 © Reuters Vergrößern Bei Zusammenstößen zwischen rechtsextremen Gruppen und Gegendemonstranten wurden in Charlottesville mehrere Menschen verletzt.

 „Wir verurteilen aufs Härteste diese ungeheuerliche Demonstration von Hass, Bigotterie, Gewalt – auf vielen Seiten“, sagte Trump in einer kurzen Bemerkung, bevor er in New Jersey die Erweiterung eines Gesundheitsprogramms für Veteranen unterzeichnete. „Wir müssen einander lieben, respektieren und unsere Geschichte ehren – zusammen.“

Rubio: „Terroranschlag weißer Rassisten“

Politiker auch in Trumps Republikanischer Partei bemängelten, dass der Präsident eine klare Schuldzuweisung an die rechtsextremen Demonstranten vermieden habe. Es sei „sehr wichtig, dass der Präsident die Ereignisse in Charlottesville als das beschreibt, was sie sind: als Terroranschlag weißer Rassisten“, erklärte der republikanische Senator Marco Rubio. Der dienstälteste republikanische Senator Orrin Hatch forderte: „Wir müssen das Übel beim Namen nennen. Mein Bruder hat nicht sein Leben im Kampf gegen Hitler gegeben, damit Nazi-Gedankengut hier zuhause ohne Widerstand akzeptiert wird."

Selbst Justizminister Jeff Sessions, der als erzkonservativ gilt, übte scharfe Kritik an dem Gedankengut der rechten Marschierer in Charlottesville. „Wenn Rassismus und Hass zu solchen Handlungen führen, dann ist das Verrat an unseren wichtigsten Werten und kann nicht toleriert werden“, erklärte er. Die Gewalt in Charlottesville treffe „das Herz von Recht und Ordnung in Amerika“.

© AP, reuters Auto rast in Menschenmenge: Tote bei Unruhen in Charlottesville

Stärkung des rechten Rands

Kommentatoren in verschiedenen Fernsehsendungen äußerten scharfe Kritik an der nach ihrer Ansicht nach laschen Reaktion des Präsidenten, dessen Wahl in rechtsextremen Kreisen bejubelt worden war. Kritiker haben Trump bereits in der Vergangenheit angelastet, sich nicht genügend von den Rechtsextremisten zu distanzieren, die ihn zum Teil bei seiner Wahlkampagne unterstützt hatten. Michael Signer, der demokratische Bürgermeister von Charlottesville sagte: „Ich lege die Verantwortung für vieles, was Sie heute in Amerika sehen, direkt vor die Haustür des Weißen Hauses und Menschen um den Präsidenten.“

Politische Gegner werfen dem Präsidenten seit längerem vor, durch seine scharfe Rhetorik den rechten Rand in den Vereinigten Staaten zu stärken und zum Handeln zu ermutigen. Trumps unterlegene Wahlkampfgegnerin Hillary Clinton griff diese Kritik in einer Twitter-Botschaft auf: "Jede Minute, in der wir dies durch stillschweigende Ermunterung oder durch Nicht-Handeln hinnehmen, ist eine Schande."

Mehr zum Thema

Doch auch vom rechten Rand handelte sich der Präsident Kritik ein. Der ehemalige Ku-Klux-Klan-Chef David Duke tweetete an Trump gerichtet: „Ich würde Ihnen raten, einen gründlichen Blick in den Spiegel zu werfen und sich daran zu erinnern, dass es die weißen Amerikaner waren, die Sie zum Präsidenten gemacht haben, nicht die radikalen Linken.“

Das zieht einem die Schuhe aus

Von Berthold Kohler

Rosneft ist kein Unternehmen wie Volkswagen. Der Konzern dient den Interessen des Kremls. Und der ehemalige Bundeskanzler Schröder künftig auch. Mehr 179

Zur Homepage