http://www.faz.net/-gpf-90soe

Umstrittene Heldenverehrung : Bürgerkriegsdenkmäler spalten Amerika

  • -Aktualisiert am

Ein Mann und eine Frau plazieren in Erinnerung an die getötete Frau in Charlottesville ein Schild mit der Aufschrift „Heather Heyer Park“ vor ein Bürgerkriegsdenkmal. Bild: AP

Der amerikanische Bürgerkrieg ist seit 152 Jahren vorbei, aber durch hunderte Denkmäler immer noch präsent. Nach der Eskalation in Charlottesville zeigt sich: Die Statuen konföderierter Generäle haben einen Kulturkampf entfacht.

          Dylann Roof, ein schlanker, blasser junger Mann mit blondem Topfhaarschnitt, posierte gern mit Konföderiertenflagge. Auf Fotos, die der damals 21 Jahre alte Mann auf seiner eigenen Internetseite veröffentlicht hat, ist er in seinem Zimmer im Haus seiner Eltern oder im Garten mit der bekannten Kriegsflagge der Konföderierten zu sehen: ein weiß umrahmtes blaues Schragenkreuz bedeckt mit dreizehn weißen Sternen auf rotem Grund. 

          Wenige Monate nach diesen Aufnahmen zeigen Bilder einer Überwachungskamera, wie Roof am Abend des 17. Juni 2015 die altehrwürdige, traditionell afroamerikanische Emmanuel-Kirche, eine der ältesten des Landes, in Charleston, South Carolina, betritt. Er setzte sich zu den Besuchern, die sich im Keller der Kirche zu einer Bibelstunde versammelt hatten, und wartete eine Weile. Dann stand er auf und schoss.

          Dylan Roof mit Waffe und der Kriegsflagge der Konföderierten
          Dylan Roof mit Waffe und der Kriegsflagge der Konföderierten : Bild: AP

          „Ich habe keine Wahl. Ihr vergewaltigt unsere Frauen und übernehmt die Herrschaft über unser Land“, ließ der Sohn einer weißen Südstaatenfamilie seine schwarzen Opfer wissen, bevor er mit einer halbautomatischen Pistole das Feuer eröffnete, die er sich mit dem Geld gekauft hat, das ihm seine Eltern zum 21. Geburtstag geschenkt hatten. Fünfmal lud er die Pistole vom Typ Glock nach und feuerte 70 Mal auf die Anwesenden. Neun schwarze Gläubige starben. Bei seiner Festnahme sagte Roof, er habe gefürchtet, dass „Schwarze die Welt übernehmen“ – und deshalb einen „Rassenkrieg“ anzetteln wollen. Anfang Januar dieses Jahres verurteilte ihn ein Gericht wegen Hassverbrechen zum Tode.

          Streit um Denkmäler aus der Bürgerkriegszeit

          Die Tat hat eine bereits seit langem in den Vereinigten Staaten schwelende Kontroverse über den Umgang mit dem Erbe des amerikanischen Bürgerkriegs befeuert. Der Konflikt dauerte vier Jahre und kostete bis zur Kapitulation des Südens am 9. April 1865 etwa 600.000 Soldaten beider Seiten das Leben. Der damalige amerikanische Präsident Abraham Lincoln versuchte um jeden Preis, die Aufteilung der Vereinigten Staaten zu verhindern und die Abschaffung der Sklaverei in allen Bundesstaaten durchzusetzen. Der Süden weigerte sich, denn die Wirtschaft der Südstaaten beruhte auf Sklavenarbeit; die Konföderation kämpfte um ihr ökonomisches Überleben und die politische Unabhängigkeit.

          Der Senat von South Carolina reagierte auf die Morde von Charleston – und entschied knapp einen Monat später, die Konföderiertenflagge am Kapitol in der Hauptstadt Columbia einzuholen. Sie hatte seit 1962 auf dem Gelände geweht. Vor der Abstimmung erhielten einige Abgeordnete Berichten zufolge Morddrohungen. Von beiden Seiten.

          Wenig später weitete sich die Debatte auch auf Reiterstandbilder von Generälen und Soldaten der konföderierten Armee aus – des Heeres der Südstaaten also, das von 1861 bis 1865 gegen den Norden kämpfte. Fast in jeder Stadt im Süden der Vereinigten Staaten stehen solche Statuen.

          Weitere Themen

          Die Anti-AfD-Demo, die keine sein will Video-Seite öffnen

          Berlin : Die Anti-AfD-Demo, die keine sein will

          Zahlreiche Menschen sind in Berlin auf die Straße gegangen, um gegen Rassismus und Hass im Bundestag zu demonstrieren. Es sei keine Demonstration gegen die AfD, so einer der Initiatoren. Dennoch nutzten Teilnehmer die Gelegenheit, um ihren Unmut gegen die Partei zu äußern.

          Erdogan legt im Streit mit Amerika nach Video-Seite öffnen

          „Keine Demokratie“ : Erdogan legt im Streit mit Amerika nach

          Recep Tayyip Erdogan hat bei einer Rede in Istanbul gesagt, dass Amerika keine Demokratie sein könne. In den Vereinigten Staaten werden derweil Sicherheitskräfte Erdogans verklagt, weil sie bei einem Amerika-Besuch des türkischen Präsidenten gewalttätig gegenüber Demonstranten geworden sein sollen.

          Topmeldungen

          Telekom-Aktien verkaufen, um den Breitbandausbau zu finanzieren? Das fordern zumindest FDP und Grüne.

          Jamaika sucht Geldquellen : Verkauft der Bund die Telekom-Aktien?

          Um neue Ausgaben und Steuersenkungen zu finanzieren, suchen Politiker einer künftigen Jamaika-Koalition nach Geldquellen. Alleine mit Telekom- und Post-Anteilen ließen sich Milliarden generieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.