http://www.faz.net/-gpf-8tynd

„Bowling Green Massacre“ : Trump-Beraterin erfindet Terroranschlag

  • Aktualisiert am

Bild: EPA

Kellyanne Conway ist die Trump-Beraterin, die den Ausdruck „alternative Fakten“ prägte. In einem Interview hat sie nun von einem „Massaker“ in der Stadt Bowling Green gesprochen – das es jedoch gar nicht gab.

          Kellyanne Conway, Spitzenberaterin von Amerikas Präsident Donald Trump, hat in einem Interview über einen Anschlag in Bowling Green im Bundesstaat Kentucky gesprochen, den es nicht gegeben hat. Conway behauptete am Donnerstagabend (Ortszeit) im Fernsehsender MSNBC, zwei Iraker hätten vor einigen Jahren in dem Ort ein „Massaker“ begangen.

          Die meisten Leute wüssten davon nichts, weil darüber „nicht berichtet“ worden sei, sagte die Trump-Beraterin. Die Zeitung „Washington Post“ merkte daraufhin trocken an: „Über das Bowling-Green-Massaker ist nicht berichtet worden, weil es sich nicht ereignet hat.“

          Obama verhängte auch keinen Einreisestopp

          Conway hatte an den vermeintlichen Anschlag „erinnert“, um die von Trump verhängten Einreiseverbote für Flüchtlinge und Bürger mehrerer muslimischer Staaten zu rechtfertigen. Die Präsidentenberaterin stellte es so dar, als knüpfe der Präsident damit an die Politik seines Vorgängers Barack Obama an. Das „Massaker“ in Bowling Green sei von zwei ins Land eingereisten Irakern ausgeheckt worden, weshalb Obama ein sechsmonatiges Einreiseverbot für irakische Flüchtlinge verfügt habe. Die Iraker hätten sich in Amerika „radikalisiert“ und seien die „Masterminds“ (Genies) hinter dem Anschlag gewesen.


          Kellyanne Conway, Beraterin von Donald Trump, im Interview. ©MSNBC

          Die Trump-Beraterin kam offensichtlich auf Bowling Green, weil in diesem Ort zwei Iraker gewohnt hatten, die im Mai 2011 wegen terroristischer Aktivitäten festgenommen worden waren. Nach Angaben der amerikanischen Behörden hatten sie versucht, Waffen für die Terrororganisation Al Qaida im Irak zu beschaffen. Einen Anschlag in den Vereinigten Staaten hatten sie nach den Erkenntnissen der Ermittler hingegen nicht begangen.

          Falsch ist anscheinend auch die von Conway als „brandneue Information für die Leute“ verkaufte Behauptung, Obama habe ein Einreiseverbot für irakische Flüchtlinge verhängt. Laut „Washington Post“ ordnete der damalige Präsident nach der Festnahme der zwei Iraker lediglich an, die Überprüfung der Flüchtlinge zu verschärfen. Das führte dann zu Verzögerungen bei der Visa-Vergabe.

          Conway hatte kurz nach der Amtseinführung Trumps den Begriff „alternative Fakten“ geprägt und damit für großes Aufsehen gesorgt. Konkret bezog sie sich damals auf die Behauptung von Präsidentensprecher Sean Spicer, die Zuschauerzahlen bei Trumps Vereidigung seien die größten der Geschichte gewesen. Conways „alternative Fakten“ erinnerten viele an George Orwells Roman „1984“, in dem das „Wahrheitsministerium“ eines fiktiven totalitären Staates systematisch Unwahrheiten verbreitet.

          Am Freitagmorgen gestand Conway ihren Fehler in einem Tweet ein:

          Allerdings widersprach sie sich damit unfreiwillig selbst, denn sie verlinkte auf einen Bericht des amerikanischen TV-Senders „ABC News“ vom November 2013, der sich ausführlich mit den Verhaftungen in Bowling Green beschäftigt. In dem MSNBC-Interview hatte Conway noch behauptet, die Medien hätten nicht über den Fall berichtet.

          Auf Twitter hatte die Meldung vom erfundenen Terroranschlag umgehend eine Welle des Spotts ausgelöst. Unter dem Hashtag #BowlingGreenMassacre zogen viele Nutzer über Trumps Mannschaft her:

          Quelle: AFP/nto.

          Weitere Themen

          Triggerwarnung für Republikaner

          Trumps verbotene Wörter : Triggerwarnung für Republikaner

          Die amerikanische Regierung erklärt bestimmte Worte für unerwünscht, bestreitet aber, dass es sich um Zensur handelt. Tatsächlich dient die Anweisung vor allem dazu, rechtskonservative Abgeordnete zu besänftigen.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Trumps verbotene Wörter : Triggerwarnung für Republikaner

          Die amerikanische Regierung erklärt bestimmte Worte für unerwünscht, bestreitet aber, dass es sich um Zensur handelt. Tatsächlich dient die Anweisung vor allem dazu, rechtskonservative Abgeordnete zu besänftigen.
          „Eine lange Hängepartie darf es nicht werden“, sagte der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther

          GroKo-Verhandlungen : Union erhöht Druck auf SPD

          Die Sozialdemokraten sind weiter uneins hinsichtlich möglicher Gespräche über eine neue Regierungsbeteiligung. Auf eine Hängepartie wollen sich CDU-Politiker aber nicht einlassen.

          Umstrittene Sandwesten : Auf Sand vertraut

          Seit Jahren tragen Kinder in deutschen Schulen schwere Westen, damit sie stillsitzen. Interessiert hat das keinen. Bis jetzt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.