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Weißes Haus : Merkels Bierzelt-Rede begeistert Trump

  • Aktualisiert am

Haben laut Sean Spicer eine „ziemlich unglaubliche“ Beziehung: Merkel und Trump beim G-7-Gipfel auf Sizilien Bild: dpa

Nach dem G-7-Gipfel hatte die Kanzlerin die amerikanische Regierung kritisiert – doch in Washington kommen ihre Worte gut an. Präsidentensprecher Sean Spicer äußert sich richtiggehend euphorisch.

          Das Weiße Haus hat einen Konflikt zwischen dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bestritten. Die Äußerungen Merkels, dass die Europäer ihr Schicksal nun „wirklich in die eigene Hand nehmen müssen“, bezeichnete Präsidentensprecher Sean Spicer am Dienstag in Washington als „großartig“. Sie entsprächen genau dem, „was der Präsident gefordert hat“. Spicer bewertete die Äußerungen Merkels als Beleg dafür, dass Trump „Ergebnisse erzielt“.

          Der Sprecher verwies auch darauf, dass die Kanzlerin die fortdauernde Freundschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten unterstrichen hatte. Die Beziehung zwischen Trump und Merkel beschrieb er als „ziemlich unglaublich“, sie kämen „sehr gut“ miteinander aus. Trump respektiere die Kanzlerin und sehe Deutschland wie das übrige Europa als Verbündeten.

          Merkel hatte nach dem als enttäuschend gewerteten Gipfel der sieben führenden Industriestaaten auf Sizilien auch gesagt: „Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei. Das habe ich in den letzten Tagen erlebt.“

          Im Gegensatz zur jetzigen offiziellen Auslegung durch das Weiße Haus waren diese Äußerungen in den vergangenen Tagen in beiden Ländern weithin als deutliche Kritik an der Trump-Regierung gedeutet worden. Der amerikanische Präsident hatte zudem am Dienstagmorgen seine massive direkte Kritik an Deutschland erneuert. Auf Twitter prangerte er abermals den hohen deutschen Handelsüberschuss und die zu geringen Verteidigungsausgaben an – und fügte hinzu: „Sehr schlecht für die USA. Das wird sich ändern.“

          Untersuchung der Russland-Affäre ausgeweitet

          Derweil bleibt es innenpolitisch für Trump ungemütlich. Nun hat der amerikanische Kongress die Untersuchung der Russland-Affäre rund um Trump auf dessen persönlichen Anwalt Michael Cohen ausgeweitet. Der Jurist habe bestätigt, dass er aufgefordert worden sei, vor den Ermittlern des Repräsentantenhauses und des Senats auszusagen und Informationen zur Verfügung zu stellen, meldete ABC News am Dienstag unter Berufung auf eine Erklärung Cohens. Dieser habe sich jedoch geweigert. Zur Begründung habe er angegeben, dass die Anfrage schlecht formuliert und viel zu breit angelegt gewesen sei, als dass sie habe beantwortet werden können.

          Mehrere Kongressausschüsse untersuchen, ob Russland im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2016 zugunsten Trumps mitgemischt hat und ob es Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland gab. Trump und seine Berater haben solche Absprachen wiederholt dementiert, ebenso die russische Regierung. Zuletzt sorgten Berichte für Aufsehen, nach denen Trumps Schwiegersohn Jared Kushner kurz nach der Wahl und noch vor Amtsantritt des neuen Präsidenten einen geheimen Kommunikationskanal nach Russland einrichten wollte.

          Auch das FBI befasst sich mit der Angelegenheit. Den Chef der Bundespolizei, James Comey, hatte Trump kürzlich gefeuert. Kritiker warfen Trump daraufhin eine versuchte Einflussnahme auf die Russland-Ermittlungen vor. Die Zeitung „USA Today“ berichtete, auf der Suche nach einem Nachfolger werde Trump voraussichtlich den früheren Chef der Verkehrssicherheitsbehörde, John Pistole, interviewen. Dieser war zwischen 2004 und 2010 stellvertretender FBI-Direktor.

          Quelle: AFP/dpa/srec.

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