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Politische Zäsur : Beenden Trump und May die liberale Ära?

In der Downing Street: die britische Premierministerin Theresa May Bild: Reuters

Washington und London leiten eine politische Zäsur ein. Mit Donald Trump und dem Brexit haben die Wähler den Wunsch nach einem überfälligen Wechsel kundgetan. Beginnt damit eine „postliberale“ Ära?

          Anfang der achtziger Jahre waren es Ronald Reagan und Margaret Thatcher, die die neoliberale Wende im Westen einleiteten. In den neunziger Jahren versuchten dann Bill Clinton und Tony Blair, den entfesselten Kapitalismus mit sozialdemokratischen Idealen zu zähmen. Steht jetzt eine weitere politische Zäsur bevor, die aus Washington und London angeführt wird? Noch haben sich der „President Elect“ Donald Trump und die seit vier Monaten regierende Premierministerin Theresa May nicht einmal kennengelernt.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Trumps Einladung – „Wenn Sie in die Vereinigten Staaten reisen, sollten Sie mich das wissen lassen“ – war so merkwürdig formuliert, dass in London sogar Augenbrauen hochgezogen wurden. Äußerungen Mays über Trump sind rar. Gleiches gilt umgekehrt. Trump zeigt sich weniger beeindruckt von der neuen Frau in Downing Street 10 als von einem Außenseiter der britischen Politik – von Nigel Farage, der seiner populistischen Unabhängigkeitspartei Ukip nicht zu Unrecht auf die Fahnen schreibt, die Briten aus der EU geführt zu haben.

          Doch wo noch keine Nähe ist, kann Nähe wachsen. Es fasziniert derzeit viele, sich Trump und May als politisches Paar zu denken. Der frühere konservative britische Außenminister Malcolm Rifkind weist May dabei die Rolle der politisch erfahrenen Ratgeberin zu. Sie müsse jetzt „mit Herrn Trump versuchen, was Margaret Thatcher mit Ronald Reagan getan hat“, sagte Rifkind unlängst. So wie Thatcher Reagan in den Dialog mit dem damaligen Sowjetführer Michail Gorbatschow geführt habe, müsse May dem neuen amerikanischen Präsidenten verdeutlichen, wie wichtig die Nato sei – insbesondere die glaubwürdige Beistandsversicherung für den Fall eines russischen Überfalls auf die baltischen Staaten.

          Trump und May als „Stimmen unserer Zeit“

          Einige Kommentatoren sehen in May und Trump weit mehr als ein Gespann, das sich hin und wieder unter die Arme greift. Folgt man dem Publizisten Fraser Nelson, treffen die beiden Politiker nicht weniger als die „Stimmung unserer Zeit“. In einem Aufsatz für die Online-Ausgabe des „Spectator“ widmete sich Nelson zunächst einem Unterschied: Während May kohärente und mitfühlende Reden halte, biete Trump „erschreckendes Geschwafel“. Tatsächlich könnten die nüchterne Pfarrerstochter aus der englischen Provinz und der flamboyante Milliardär aus New York in Auftritt und Ton kaum weiter auseinanderliegen.

          Make America Great Again: Die Rhetorik des baldigen Präsidenten Trump hat den Nerv der Zeit getroffen.
          Make America Great Again: Die Rhetorik des baldigen Präsidenten Trump hat den Nerv der Zeit getroffen. : Bild: dpa

          Trotzdem betrachtet Nelson die beiden ungleichen Regierungschefs als zwei „politische Punks, die die modischen Normen unserer Zeit herausfordern“. Anders als Clinton, Blair oder Cameron interessieren sich weder Trump noch May für die Unterstützung der traditionellen Medien, stellt er fest. Beide hätten ihre Anhängerschaft eher auf dem Land als in den großen Städten. Beide wollten die Einwanderung reduzieren, ohne sich an der mangelnden Praktikabilität ihrer Pläne zu stören. Und beide misstrauten der Globalisierung und deren Hohepriestern.

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