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Veröffentlicht: 25.02.2017, 16:42 Uhr

Antisemitismus in Amerika Der Präsident des Mobs

Bombendrohungen, Beleidigungen, Hetze – in Amerika bricht sich der Antisemitismus Bahn. Doch Präsident Donald Trump fällt es schwer, sich klar und deutlich von Rechtsradikalen unter seinen Anhängern zu distanzieren.

von Gunda Trepp, San Francisco
© Reuters Bei einem Besuch des Nationalen Museums für Afrikanisch-Amerikanische Geschichte in Washington äußert sich Trump nach Wochen des Schweigens über den Antisemitismus in Amerika.

Warum, um alles in der Welt, hat er so lange dafür gebraucht? Am vergangenen Dienstag fiel endlich der Satz, auf den amerikanische Juden seit Wochen gewartet hatten: „Die Drohungen gegen unsere jüdische Gemeinschaft sind schrecklich und schmerzhaft“, sagte Präsident Donald Trump bei einem Besuch des Nationalen Museums für Afrikanisch-Amerikanische Geschichte, und „sie erinnern daran, dass wir uns weiterhin dafür einsetzen müssen, Hass, Vorurteile und das Böse auszurotten.“

Am Tag zuvor hatte es die vierte Runde von Bombendrohungen gegen Jüdische Gemeindezentren gegeben. Insgesamt haben seit Anfang Januar 54 Einrichtungen im ganzen Land 70 Anrufe bekommen, in denen man den Verantwortlichen mitteilte, sie würden in kurzer Zeit allesamt in die Luft gesprengt werden. Die Drohungen trafen das Herz der jüdischen Gemeinden. In ihren Zentren besuchen die Kleinsten eine Vorschule, Senioren treffen sich zum Schach oder Tratsch am Pool, Jung und Alt arbeiten sich an Fitnessgeräten ab, man diskutiert über Filme oder Vorträge. Auch wenn sich alle Attentatsankündigungen am Ende als substanzlos erwiesen, saß der Schock nach jeder neuen Räumung tief.

Warten auf Zuspruch

Wochenlang hatten sich Amerikas Juden in ihrer Verunsicherung Zuspruch aus Washington gewünscht, eine Stellungnahme des Weißen Hauses, eine Verurteilung, irgendetwas. Doch es kam nichts. Noch in der vergangenen Woche hatte Trump einen jüdisch-orthodoxen Reporter zusammengefaltet, als der ihn höflich auf die antisemitischen Vorfälle ansprach, über die Juden sehr besorgt seien, und über die sie „von der Regierung bisher noch kein Wort gehört“ hätten.

Trump herrschte den verdutzten Mann an, er solle sich wieder hinsetzen. Dann lamentierte er über die Hintertriebenheit der Medien im Allgemeinen und dieses Reporters im Besonderen und wendete sich alsbald seinem Lieblingsthema zu: Donald Trump. An diesem Tag erfuhr man lediglich, dass sich Trump auch in der Liebe zu den Juden von niemandem übertrumpfen lässt. „Ich bin die am wenigsten antisemitische Person, die ihr je in eurem Leben gesehen habt“, behauptete der Präsident. Die Frage des Reporters beantwortet er nicht.

44965058 © Reuters Vergrößern Verwüsteter jüdischer Friedhof in einem Vorort von St Louis, Missouri

Es gab also immer noch keine offizielle Stellungnahme zum wachsenden Antisemitismus, den der Direktor der Anti-Defamation League (ADL), Jonathan Greenblatt, „eine potentiell tödliche Bedrohung“ nennt. Erst nachdem am vorherigen Wochenende mehr als 170 Grabsteine auf einem Jüdischen Friedhof in Missouri umgeworfen und am Montag danach neue Bomben angekündigt worden waren und ihn immer mehr Menschen dazu gedrängt hatten, verurteilt der Präsident schließlich den Hass auf Juden.

Trump scheint es schwerzufallen, sich klar und deutlich von Leuten zu distanzieren, die sich von seinen Parolen in ihrer rechtsradikalen Gedankenwelt bestätigt fühlen. Vielleicht traf also der Moderator Chuck Todd den Nagel auf den Kopf, als er vermutete, mit seinem Schweigen wolle Trump verhindern, den „Alt-Right“-Leuten, einer Gruppe von Rechtsextremen, die ein kleiner, aber hörbarer Teil seiner Wählerschaft seien, vor den Kopf zu stoßen.

Für diese Menschen gehört der Antisemitismus von jeher zu ihrem Weltbild. Und obwohl den Juden bewusst ist, dass es immer noch Judenhasser gibt, hatten sie sich doch insgesamt in dem Bewusstsein eingerichtet, dass man ihre Religion endlich respektierte. Die Antisemiten sah man nicht, die blieben unter sich – bis Trump und sein Team „das Gift vom äußersten Rand in die politische Mitte brachten“, wie es ADL-Direktor Greenblatt sagt.

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