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Veröffentlicht: 15.06.2017, 07:26 Uhr

Anschlag in Alexandria Schock und Spaltung

Das Attentat auf republikanische Abgeordnete in Alexandria ist für amerikanische Kommentatoren ein Symptom der politischen Spaltung. Präsident Trump tritt hingegen mit einer gemäßigten Botschaft vor die Öffentlichkeit.

von Frauke Steffens, New York
© AFP Kundgebung in Solidarität zu den Anschlagsopfern

Als Donald Trump am Mittwoch vor die Presse tritt, weiß er längst, dass in der Russland-Affäre nun auch gegen ihn persönlich ermittelt wird. Doch Wut darüber ist ihm nicht anzumerken. Trumps erste Reaktion auf das Attentat von Alexandria ist gemessen und nüchtern. Er verzichtet auf jegliche politische Auslegung der Attacke auf dem Baseballfeld und sagt: „Wir sind uns alle einig, dass wir uns glücklich schätzen können, Amerikaner zu sein, dass unsere Kinder es verdienen, in einem Land aufzuwachsen, in dem Sicherheit und Frieden herrschen, und dass wir am stärksten sind, wenn wir geeint sind und zusammen für das Wohl aller arbeiten.“

Der 66-jährige James Hodgkinson aus Illinois hatte, bevor er selbst von den Sicherheitskräften getötet wurde, auf Republikaner gefeuert, die auf einem Baseballfeld trainierten. Alexandria liegt auf der anderen Seite des Flusses Potomac, aber nicht weit weg vom Zentrum Washingtons. Hier bereiteten sich die Politiker auf ein Match gegen die demokratischen Kollegen vor. Fünf Menschen wurden verletzt, der ranghohe republikanische Abgeordnete im Repräsentantenhaus Steve Scalise wurde in kritischem Zustand ins Krankenhaus gebracht. Am Mittwochabend wurde gemeldet, dass er weitere Operationen benötigen wird.

© EPA, reuters Republikanischer Abgeordneter angeschossen

Unterdessen werden immer mehr Details bekannt, die zeigen, dass der Attentäter gezielt Republikaner angreifen wollte. Jeff Duncan, Republikaner im Repräsentantenhaus, schilderte, wie der Mann ihn auf dem Parkplatz fragte, ob Republikaner oder Demokraten dort trainierten. Republikaner, habe Duncan geantwortet – „Ok, danke“, habe Hodgkinson gesagt.

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Baseball gilt als uramerikanische Sportart, die gleichzeitig individuelles Streben und Teamgeist anspricht und damit Tugenden feiert, die man hier gern amerikanisch nennt. Das Baseball-Spielen ist eine einigende und ausgleichende Tradition zwischen Republikanern und Demokraten im Kongress. Egal, wie hart die Konflikte werden – Politiker der beiden Parteien können auf dem Spielfeld ihre Differenzen zwar nicht lösen, aber doch beiseite legen und einander als faire Spieler gegenübertreten – ein bemerkenswertes Ritual, das der Attentäter wohl bewusst angriff.

Viele Reaktionen auf die Gewalt betonten die Einigkeit über Parteigrenzen hinweg – man dürfe sich nun nicht entzweien lassen. Der demokratische Senator Bernie Sanders, den der Attentäter unterstützt hatte, sagte, jegliche Gewalt sei zu verurteilen und die Tat sei verachtenswert. Der Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, Paul Ryan, erklärte: „Wir lassen unsere Menschlichkeit nicht hinter uns, wenn wir hier ins Parlament kommen. Trotz all des Lärms und der Wut, wir sind eine Familie.“ Ryan sagte auch: „Ein Angriff auf einen von uns ist ein Angriff auf uns alle.“ Es gab aber auch bereits Versuche, das Attentat politisch auszuschlachten. Der rechte Republikaner Newt Gingrich sagte laut dem Magazin „The Hill“, das Attentat sei ein Zeichen wachsender Bösartigkeit der Linken.

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