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Wer wählte wen? : Die weiße Revolution

Jubel in Washington: Fans von Donald Trump freuen sich über den Wahlsieg des Republikaners Bild: Reuters

Weiße Amerikaner ohne Hochschulabschluss verschafften Donald Trump einen riesigen Vorsprung. Schwarze, Latinos und Frauen unterstützten Hillary Clinton nicht so wie erhofft. Eine Wahlanalyse.

          Die Wahl ist gelaufen – und ganz anders ausgegangen als erwartet. Die Wähler wollten den Wechsel. Dafür haben sie sogar für den Kandidaten gestimmt, der ihrer Ansicht nach weniger Erfahrung und weniger Bürgernähe besitzt. Und der nicht über das beste Urteilsvermögen verfügt. Der ihnen aber als ehrlicher und glaubwürdiger erschien. Das zeigen Nachwahlbefragungen, zu denen die Meinungsforscher in die Wahllokale ausschwärmten.

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          Laut den Daten der „New York Times“ konnte Trump weitaus mehr Stimmen weißer Amerikaner ohne Hochschulabschluss für sich gewinnen als die republikanischen Kandidaten vorheriger Wahlen. Sein Vorsprung gegenüber Clinton liegt bei etwa 40 Prozentpunkten. Weiße mit Hochschulabschluss tendierten weniger stark zu ihm, wählten ihn in der Mehrheit aber dennoch.

          Um Trumps Vorsprung auszugleichen, hätte Clinton besonders viele Stimmen der Minderheiten – Afroamerikaner, Latinos und Amerikaner asiatischer Abstammung – gebraucht. Doch die blieben ihr versagt. Zwar stimmten diese Gruppen überwiegend für Clinton. Doch schaffte es die Kandidatin nicht, sie in dem Maße zu mobilisieren, wie es Barack Obama gelungen war.

          Dramatische Veränderungen offenbarten sich bei Wählern aller Einkommensgruppen: Amerikaner mit niedrigem Einkommen wählten zwar traditionell noch immer mehrheitlich die Demokraten, wandten sich aber in Scharen von Clinton ab. Die gegenteilige Entwicklung ist bei Reichen zu beobachten: Weitaus weniger von ihnen stimmten für den republikanischen Kandidaten als in den drei Wahlen zuvor. Womöglich fürchten sie den von Trump offensiv vertretenen wirtschaftlichen Abschottungskurs.

          Die Veröffentlichung eines Videos, in dem Trump mit sexuellen Übergriffen auf Frauen prahlt, hat dem Kandidaten nicht so sehr geschadet, wie viele schon prophezeit hatten. Trumps Umgang mit Frauen beunruhigt laut Daten des Senders CNN zwar 70 Prozent der Befragten, 50 Prozent sogar sehr. Trotzdem verlor Trump weniger Wählerinnen, als er Wähler auf seine Seite ziehen konnte. Auch hat die Aussicht, der ersten Präsidentin der Vereinigten Staaten ins Amt zu verhelfen, Frauen nicht in Scharen für Clinton mobilisieren können. Sie bekam weniger Stimmen von Wählerinnen als Barack Obama bei seiner ersten Wahl im Jahr 2008.

          Trump verstand es gut, Clintons E-Mail-Affäre zu einem zentralen Wahlkampfthema zu machen und es dauerhaft am Köcheln zu halten. 63 gegenüber 36 Prozent der Befragten zeigten sich beunruhigt davon, dass Clinton dienstliche Mails über einen privaten Server verschickt hatte. Das negative Image Clintons schlug sich auch in den Nachwahlbefragungen nieder. Dass ihre Wahlentscheidung aus „Ablehnung anderer Kandidaten“ gespeist wurde, sagten 27 Prozent der Trump-Wähler – und nur 20 Prozent der Clinton-Wähler.

          Auch die strenggläubigen Christen waren Trump eine verlässliche Basis. Laut „Washington Post“ haben sie in einem Maß für ihn gestimmt, wie seit dem Jahr 2004 nicht mehr für die Republikaner. Trump konnte demnach 81 Prozent in dieser Gruppe für sich gewinnen. Hillary Clinton lag bei nur 16 Prozent.

          Das Motto „It's the economy, stupid!“ gilt auch heute noch. Wähler beider Kandidaten benannten die Wirtschaft als das wichtigste politische Thema. In diesem Feld besitzt Trump einen Vertrauensvorsprung: 49 Prozent halten ihn für kompetenter, nur 46 Prozent Clinton. Deren Wähler nannten als zweites wichtiges Thema die Außenpolitik, Trumps Anhänger dagegen den Terrorismus und – an dritter Stelle – die Einwanderung.

          Interessant ist, dass die Parteibindung auf beiden Seiten in etwa gleich stark ausgeprägt ist – und das auch nach den heftigen Querelen, die Trump in der republikanischen Partei ausgelöst hat. Mehrere prominente Republikaner, unter ihnen der frühere Präsident George W. Bush, hatten ihm schließlich ihre Unterstützung versagt oder entzogen. Dennoch wählten laut der Nachwahlbefragungen bei CNN 90 Prozent der Republikaner Trump – und 89 Prozent der Demokraten Clinton. Diejenigen, die sich als von Parteien unabhängig einordnen, stimmten mehrheitlich für Trump (48 zu 42 Prozent).

          Die Spaltung des Landes wird auch in den Nachwahlbefragungen noch einmal deutlich: 34 Prozent halten ausschließlich Clinton für glaubwürdig, 31 Prozent ausschließlich Trump. Nur zwei Prozent der Befragten sagen das über beide Kandidaten. Das ist keine gute Ausgangsposition, um Amerika zu einen. Das zu tun, hat auch der Kandidat Donald Trump versprochen, der im Januar als Präsident vereidigt werden wird: „Wir werden vereint sein, wir werden eins sein, wir werden wieder glücklich sein.“

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