Affäre mit Pornostar: Trump soll früher von Zahlungen an Stormy Daniels gewusst haben
http://www.faz.net/-gpf-99tvs

Affäre mit Pornostar : Wann wusste Trump von Schweigegeld an Stormy Daniels?

  • Aktualisiert am

Die frühere Pornodarstellerin Stephanie Clifford (“Stormy Daniels“) am 16. April mit ihrem Anwalt Michael Avenatti in New York Bild: AFP

Er habe nichts von einer Schweigegeldzahlung an den früheren Pornostar Stormy Daniels gewusst, erklärte Donald Trump vor einigen Wochen. Jetzt legt ein Bericht nahe: Der Präsident war offenbar schon viel früher informiert.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump soll doch erheblich früher als bislang zugegeben von einer Schweigegeldzahlung an die Pornodarstellerin Stormy Daniels gewusst haben. Wie die „New York Times“ berichtet, sei Trump schon „einige Monate“, bevor er am 5. April an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One gegenüber Journalisten jegliche Kenntnis einer solchen Zahlung bestritt, darüber informiert gewesen, dass sein Anwalt Michael Cohen Daniels eine sechsstellige Summe gezahlt hatte. Die Zeitung beruft sich bei ihrem Bericht auf zwei Quellen, die mit der Vereinbarung vertraut seien.

          In der Affäre um die Schweigegeldzahlung hatte Trump zuvor eine Kehrtwende in seiner Darstellung geleugnet. „Ich ändere keine Geschichten“, sagte Trump am Freitag vor Journalisten in Washington. Am Vortag hatte Trump überraschend erklärt, Cohen eine Zahlung von 130.000 Dollar erstattet zu haben, für die sich Pornostar Stormy Daniels zum Schweigen über ein angebliches Sexabenteuer mit Trump verpflichtet hatte. Bislang hatte der Präsident bestritten, von der Zahlung gewusst zu haben. In dieser neuen Darstellung will Trump jedoch keine Kehrtwende sehen. „Alles was ich sage ist, dass dieses Land jetzt gerade so gut läuft. Und dann diesen Mist auf den Tisch zu bringen, und die ganze Zeit diese Hexenjagden aufzubringen – das ist alles, worüber ihr reden wollt“, sagte Trump an Reporter gewandt.

          Am 5. April hatte Trump an Bord des Präsidentenflugzeugs Air Force One auf die Frage eines Journalisten, ob er von der 130.000-Dollar-Zahlung gewusst hatte, knapp geantwortet: „Nein.“ Auf die Zusatzfrage, ob er wisse, woher Cohen das Geld gehabt habe, entgegnete er: „Nein, das weiß ich nicht.“ Seine Darstellung änderte er nun offenbar auf Initiative seines neuen Anwalts Rudolph Giuliani. Dieser hatte bereits vor Trump in Interviews erklärt, der Präsident habe Cohen die 130.000 Dollar zurückgezahlt.

          Trump betonte am Freitag, Giuliani habe seinen Job für ihn gerade erst übernommen und sei noch dabei sich einzuarbeiten: „Als Rudy diese Äußerung machte – Rudy ist toll – aber Rudy hatte gerade erst angefangen, und er war nicht vollkommen vertraut mit – Sie wissen schon, mit allem“, sagte er. „Er wird sich noch Klarheit verschaffen.“ Giuliani schob später eine verklausulierte Erklärung nach: „Meine Bezugnahme auf die zeitlichen Abläufe geben nicht meine Auffassung vom Wissen des Präsidenten wieder, sondern stattdessen mein Verständnis von diesen Maßnahmen.“

          Cohen hatte die 130.000 Dollar wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl 2016 an die Pornodarstellerin gezahlt, damit sie nicht öffentlich über ein angebliches sexuelles Abenteuer mit Trump spricht. Der langjährige Trump-Vertraute Cohen gab an, das Geld aus eigener Tasche und ohne Trumps Wissen gezahlt zu haben. Die Zahlung ist juristisch brisant: Sollte sie geleistet worden sein, um kurz vor der Wahl eine negative Berichterstattung über Trump abzuwenden, hätte sie womöglich als Wahlkampfspende deklariert werden müssen. Dies geschah aber nicht, weswegen der Verdacht illegaler Wahlkampffinanzierung im Raum steht.

          Weitere Themen

          Trumps Vernebelungstaktik

          Russland-Affäre : Trumps Vernebelungstaktik

          Donald Trump hat wieder einmal einen Skandal entdeckt: Weil das FBI sein Wahlkampf-Team ausspioniert habe, sei die Russland-Untersuchung am Ende. Mit diesem Manöver verfolgt der Präsident eine vertraute Taktik.

          Topmeldungen

          Eng verbunden: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird in Peking vom chinesischen Präsidenten Xi Jinping begrüßt.

          Merkel in Peking : In Chinas Arme

          Im neuen großen Spiel der Mächte steht Europa ungewohnt einsam da. Gewicht bekommt seine Außenpolitik nur durch Einigkeit. Ein Kommentar.

          Absage an Kim Jong-Un : Spannung und Ungewissheit

          Die Absage des Treffens in Singapur hat auch etwas Gutes: Der Realismus kehrt zurück. Das Regime in Nordkorea hat es nicht auf den Friedensnobelpreis abgesehen, und die Regierung Trump kann noch einmal in sich gehen. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.