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Trump und Mexiko : Gangmitglieder, Drogendealer – wer muss noch gehen?

Anti-Trump-Marsch in Mexiko-Stadt: „Gegen die Kampagne von Hass und Menschenrechtsverletzungen“ Bild: AFP

Millionen Mexikaner leben in Amerika – und haben Angst: Trump genügt der kleinste Verdacht einer Straftat, um sie abzuschieben. Mexikos Regierung mahnt zur Vorsicht.

          Zwei Mexikanerinnen sind seit Donald Trumps Einzug ins Weiße Haus berühmt geworden: Guadelupe García de Rayos ist eine 35 Jahre alte Mutter zweier Amerikanerinnen, die vor 21 Jahren als Jugendliche illegal in die Vereinigten Staaten eingereist war und am Donnerstag aus Arizona als „kriminelle Ausländerin“ abgeschoben wurde. Ihr Vergehen bestand darin, anno 2008 mit gefälschtem Sozialversicherungsausweis Arbeit in einem Spaßbad gefunden zu haben. Alma Rosa Siller wiederum ist eine 60 Jahre alte Hausfrau aus dem mexikanischen Bundesstaat Sonora, die jetzt zum amerikanischen Generalkonsulat in Hermosillo ging und verlangte, das Touristenvisum in ihrem Pass ungültig zu stempeln. Die Beamten waren verblüfft, denn die Einreisegenehmigung galt noch bis 2021. „Aber nur so kann ich gegen Ihren Präsidenten protestieren“, will Siller erwidert haben – „und gegen die Art, wie er unser Land behandelt.“ Für Abertausende Demonstranten, die am Sonntag in Mexiko „Respekt“ von Donald Trump verlangten, sind die beiden Frauen Heldinnen.

          Andreas Ross

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Wie so viele Abgeschobene muss Rayos jetzt in einem Land zurechtkommen, das sie als Erwachsene nie betreten hat – während der Rest ihrer Familie drei Autostunden nördlich der Grenze bleibt. Vor mehr als acht Jahren war sie am Arbeitsplatz festgenommen worden. Joe Arpaio, der sich als „Amerikas härtester Sheriff“ feiert, hatte damals zig Razzien durchgeführt, die Washington später für illegal erklärte – Einwanderungsrecht ist Sache des Bundes. Rayos bekannte sich des „Identitätsdiebstahls“ schuldig und verbrachte einige Monate im Gefängnis. 2013 erwirkte die Einwanderungsbehörde einen Abschiebebefehl gegen sie. Doch unter der Auflage, sich alle sechs Monate polizeilich zu melden, verzichtete der Staat auf die Vollstreckung. Als Rayos am vorigen Donnerstag wieder einmal auf das Amt ging, hatte sie wegen Trump ein mulmiges Gefühl. Freunde, Verwandte und Aktivisten warteten vor der Tür. Sie konnten nicht verhindern, dass Rayos in einen Transporter verfrachtet und im mexikanischen Nogales ausgesetzt wurde. Abends gab sie dort eine Pressekonferenz.

          Mexikos Regierung rief die schätzungsweise knapp sechs Millionen Mexikaner, die ohne Aufenthaltsgenehmigung nördlich der Grenze leben, zu erhöhter Vorsicht auf. Jeder solle nun einen Notfallplan für eine plötzliche Heimkehr haben, riet das Außenministerium, und notfalls sofort eines der fünfzig mexikanischen Konsulate in den Vereinigten Staaten alarmieren. Präsident Enrique Peña Nieto empfing vorige Woche am Flughafen von Mexiko-Stadt 135 abgeschobene Mexikaner. Unter Obama waren zwei wöchentliche Abschiebeflüge verabredet gewesen, jetzt gibt es einen dritten. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Die meisten abgeschobenen Ausländer werden kurz hinter der Grenze abgesetzt. Die mexikanischen Behörden sind schon froh, wenn sie eine Vorwarnung erhalten. Die unfreiwilligen Heimkehrer bekommen dann ein vorläufiges Aufenthaltspapier und einen Busfahrschein in ihren Herkunftsort. Viele allerdings steigen nie in den Bus. Sie versuchen lieber aufs Neue ihr Glück an der Grenze, um zu ihren Familien zurückzukehren.

          Im Internet kursieren Berichte über beispiellose Razzien. Manche sind fraglos übertrieben. Vehement bestritt die Einwanderungspolizei, dass sie Checkpoints errichtet habe oder willkürlich Passanten kontrolliere. Bei größeren Polizeieinsätzen unter anderem in Chicago, Los Angeles, New York und Atlanta sei wie gewohnt nach Kriminellen gefahndet worden, deren Abschiebung Priorität habe. Doch nach Angaben von Organisationen, die illegalen Einwanderern Beistand leisten, gab es bei diesen Fischzügen viel Beifang. Es seien zig Migranten aufgegriffen worden, die auf keiner Fahndungsliste gestanden hätten; von Hunderten Festnahmen ist die Rede. Im Staat Maryland wurde eine Frau im Gerichtsgebäude festgenommen, während sie eine Geldbuße wegen eines Verkehrsvergehens beglich. Bange Einwanderer raten einander nun, vorerst nicht zur Arbeit zu gehen und ihre Kinder nicht zur Schule zu schicken. Aktivisten raten, niemandem die Tür zu öffnen, der keinen richterlichen Beschluss habe, und sich zum Beispiel im Straßenverkehr nicht den geringsten Regelbruch zu erlauben.

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