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Trauerfeier für getötete Polizisten „Sie werden nicht die letzten sein“

18.08.2007 ·  Trauer um tote Deutsche, die in Afghanistan ihren Dienst versehen haben. Die Abstände zwischen den Zeremonien zu Ehren von Verstorbenen - sie werden scheinbar wie einem furchtbaren Gesetz folgend immer geringer.

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Trauer um tote Deutsche, die in Afghanistan ihren Dienst versehen haben. Die Abstände zwischen den Zeremonien zu Ehren von Verstorbenen - sie werden scheinbar wie einem furchtbaren Gesetz folgend immer geringer.

Erst im Mai stand Verteidigungsminister Franz-Josef Jung an den Särgen von drei getöteten Bundeswehrsoldaten, die auf einem Markt in Kundus bei einem Sprengstoffanschlag ums Leben gekommen waren. Nun an diesem sonnigen Samstagnachmittag, nur drei Monate später, diese Trauerfeier im mächtigen Berliner Dom für die nächsten Opfer - für die ersten drei getöteten deutschen Polizisten. Ebenfalls Opfer eines heimtückischen Attentats.

Junge Gesichter noch

Vor dem mächtigen Altar stehen ihre Bilder mit einem Trauerflor. Junge Gesichter noch. Männer, die wie der deutsche Botschafter in Kabul, Hans-Ulrich Seidt, später sagt, „ihr Leben noch vor sich hatten“, obwohl alle schon erfahrene Polizisten waren. Die Bänke des protestanischen Kirchenbaus aus wilhelminischer Zeit sind mit Kameraden in Uniform, mit Kollegen des Personenschutzes des Bundeskriminalamts voll besetzt.

Die allermeisten in sich gekehrt. Es wird nicht geredet, allenfalls kurz gegrüßt. Es ist für sie mehr als nur eine traurige Pflicht, die sie hierher geführt hat. Mit dem Einsetzen der Orgel kommen die Angehörigen ins Kirchenschiff. Die Kanzlerin, die mit ihnen zuvor in einem Nebenraum gesprochen und kondoliert hat, ist unter ihnen. Einer der Getöten gehörte früher zu ihren Personenschützern. Sie kannte ihn lange.

„Sie tragen ein hohes Risiko“

Es war Angela Merkel bereits am Mittwoch anzumerken, dass dieser Anschlag sie vielleicht deshalb besonders persönlich getroffen hat. Kurz verneigt sich die Kanzlerin, die gerade von einem neuen Entführungsfall in Kabul unterrichtet worden war, vor den Bildern. Dann geht sie zu den Reihen, wo auch Vizekanzler Franz Müntefering und die Vertreter von Baden-Württemberg und Bayern, Günther Oettinger und Günther Beckstein, sitzen. Aus ihren Ländern stammen die Getöteten.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble als Dienstherr der drei Toten hält die Traueransprache. Er muss erklären, warum der Staat diese drei Männer, deren Fahrzeug am Mittwoch in Kabul in Luft gejagt wurde, in Gefahr geschickt hat. Er muss erklären, warum auch in diesem Fall die Staatsräson, die Interessen des Gemeinwesens, es gerechtfertigt haben, die Männer mit einer lebensgefährlichen Aufgabe zu betreuen, auch wenn sie es freiwillig traten.

Dem Hass von Terroristen nicht beugen

Polizisten, so versucht Schäuble zu vermitteln, tragen ein Risiko, um den Schutz der Bürger zu garantieren. „Sie tragen ein hohes Risiko, damit wir alle ein geringeres Risiko tragen.“ Und speziell ohne Personenschützer würde es keine Begegnungen von den Repräsentanten der Völker geben.

Dem Hass von Terroristen dürften sich die freiheitlichen Gesellschaften nicht beugen. Schäuble hat für den Trauergottesdienst mit dem Dom einen besonders feierlichen Rahmen gewählt. Der Ort der Veranstaltung soll die Achtung vor der Leistung der Verstorbenen ausdrücken, mehr als es vielleicht Worte eines Ministers sagen können.

„Sie werden nicht die letzten sein“

Seidt würdigt zum Abschluss die Verstorbenen, die besonders ihn schützen sollten, persönlich. Er skizziert die Eigenschaften der drei und macht die Erinnerung in dem schweren Kirchenschiff lebendig. Er erinnert an das Lied vom guten Kameraden. „Wir haben alle am 15.8. in Kabul gute Kameraden verloren“, lautet sein Schlusssatz.

Draußen hatte vor dem Beginn der Trauerfeier eine Frau mittleren Alters an der Absperrung gestanden und mit einem Polizisten gesprochen. „Sie werden nicht die letzten sein“, meinte die Dame mit der Sonnenbrille bedrückt. Der Polizist reagierte nicht. Er ließ die Bemerkung so stehen, wie sie gesagt war. Als eine Befürchtung, die wahrscheinlich eintreffen wird.

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